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Empfindsamkeit
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Die literarische Epoche der Empfindsamkeit (siehe auch Pietismus) wird zeitlich von 1740 bis 1780 eingegrenzt. Sie ist als Gegenströmung zur Unterdrückung der Gefühle durch eine radikale und rationalistische Aufklärung zu verstehen. Ihr Ursprung ist größtenteils religiös. Die Empfindsamkeit ist eine nach innen gewendete Aufklärung, die versucht, mit Hilfe der Vernunft auch die Empfindungen aufzuklären.
Sprachlich findet die Empfindsamkeit Ausdruck durch Redewendungen und Wortschöpfungen, die intensiven Gefühlen Ausdruck verleihen. Die Epoche wurde durch die neuen Ausdrücke für das Gefühl für die Natur in den Werken Rousseaus (1712-1778) stark beeinflusst, auch der sentimentale Briefroman Pamela (1740) von Samuel Richardson hatte großen literarischen Einfluss. Gotthold Ephraim Lessing hatte Johann Christoph Bode empfohlen, Laurence Sternes Yorricks empfindsame Reise ins Deutsche zu übertragen, womit er in Deutschland einen großen Erfolg verbuchen konnte (erschienen in vier Bänden 1768 und 1769), und diese Literaturepoche anschließend Zeit der 'Empfindsamkeit' genannt wurde. 'Empfindsam' war ein Neologismus, zu welchem Lessing geraten hatte. Deutsche Dichter dieser Epoche waren Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803), Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769) und Sophie de La Roche (1730-1807), die erste Autorin eines Briefromans in deutscher Sprache. Ihren literarischen Höhepunkt erreicht diese Epoche in Deutschland mit Die Leiden des jungen Werther (1774). Dieses Jugendwerk Goethes trägt bereits Züge des Sturm und Drang, der literarischen Strömung, die das Zeitalter der Empfindsamkeit ablöst.
Im Alltag bestimmter Lesergruppen hat empfindsames Denken bis weit ins 19. Jahrhundert eine nicht zu unterschätzende Rolle gespielt.
Literatur
Renate Krüger: Das Zeitalter der Empfindsamkeit. Leipzig: Koehler & Amelang 1972
