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Elf Söhne
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Elf Söhne ist eine Erzählung von Franz Kafka, die 1919 im Rahmen des Bandes Ein Landarzt erschien. Sie stellt die Klage eines über seine 11 Söhne unzufriedenen Vaters dar.
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Zusammenfassung
Ein Vater beschreibt seine elf Söhne. An jedem Sohn findet er Mängel. Auch scheinbar Positives wie Schönheit, Ernsthaftigkeit, Umgänglichkeit, Tiefsinnigkeit mündet in der Einschätzung des Vaters im Negativen. Beispielhaft ist sein Satz: "Der dritte Sohn ist gleichfalls schön, aber es ist nicht die Schönheit, die mir gefällt." Nur von einem, dem siebten Sohn, wünscht er sich Nachkommen. Es bleibt unbestimmt, warum gerade von diesem. Im übrigen glaubt der Vater auch nicht daran, dass dies geschehen wird. Im Blick des schwachen 11. Sohnes liest er sogar die unheilvolle Botschaft "Ich werde dich mitnehmen, Vater" und sieht darin die Absicht zur Zerstörung der Familie.
Eine Deutung
Das Motiv des mit seinem Sohn bzw. hier mit seinen Söhnen unzufriedenen Vaters taucht bei Kafka vielfach auf. Es kommt offensichtlich aus der eigenen Familiengeschichte. Dargestellt wird hier eine ausweglose Situation des Sohnseins. Die elf Söhne repräsentieren wohl fast jede mögliche Variante einer jungen Existenz, aber keine genügt dem Vater. In keiner einzigen Beschreibung seiner Söhne klingt vorbehaltloser Stolz des Vaters über eine so reiche und offensichtlich nach allgemeinem Dafürhalten gelungene männliche Nachkommenschaft.
Es wird eine altbiblische Familienkonstellation geschildert, nämlich Jakob und seine 11 Söhne. Völlig negiert wird dabei die mütterliche Seite, die in der Bibel aus 2 Frauen und 2 Mägden bestand. Umso schwerer wiegt die Last des Vaters.
Die Ablehnung der Söhne wird durch das Aburteilen des Vater dargestellt, in dem Anmaßung und Herablassung zum Ausdruck kommen, aber auch Einsamkeit und eine erstarrte Suche nach Zuwendung.
In der Ablehnung seiner Söhne fallen 2 Momente besonders auf. Wenn er seine schönen Söhne beschreibt, schwingt darin latent ein homoerotischer Zug mit, den er jedoch selbst wie angewidert zurückweist. Am meisten verhasst ist ihm der 10. Sohn. Dessen Beschreibung ("geputzter schwarzer Hut, schwer über die Augen sich wölbende Lider" und besondere Eloquenz) lässt an die Darstellung des typischen Juden denken.
Man kann hier in der Person des Vaters sowohl die eher deutschen Eigenschaften des Zweifelns und Kritisierens als auch den jüdischen Selbsthass erkennen. Insofern wird Bezug genommen auf Kafkas Situation als deutschsprachiger Jude in der Donaumonarchie.
Biografischer Hintergrund
Die Landarzt-Erzählungen, darunter die "Elf Söhne" entstanden 1916.
Diese Erzählung ist eine Reflexion Kafkas eigenem Dasein als Sohn gegenüber einem Vater, dessen Zustimmung er nie erringen konnte. Diese Thematik wird weiter ausführlich in der Erzählung Das Urteil und im Brief an den Vater dargestellt.
Es gibt die Deutung, dass hier auch eine Allegorie oder ein Rätsel des literarischen Textes in der Form vorliegt, dass jede Sohnesbeschreibung auf eine bestimmte Erzählung Kafkas abzielt. So entspricht der 2. Sohn der Legende "Vor dem Gesetz". Der achte Sohn entspricht dem "Kübelreiter". Man sieht Kafka insofern in der Vaterrolle seinen Werken gegenüber. Und ähnlich wie der Vater in der vorliegenden Erzählung mit den Söhnen vielfach unzufrieden ist, ist Kafka gegenüber seinen Werken äußerst kritisch und er wollte nur wenige zur Veröffentlichung und für die Nachwelt bestehen lassen.
Literatur
- Franz Kafka: Die Erzählungen. Originalfassung, Fischer 1996 ISBN 3-596-13270-3
- Paul Raabe: Franz Kafka: Sämtliche Erzählungen. Fischer-Taschenbuch-Verlag, 1970, ISBN 3-596-21078-X.
- Peter-André Alt: Franz Kafka: Der ewige Sohn. Eine Biographie. Verlag C.H. Beck, 2005, ISBN 3-406-53441-4
Theater
Elf Söhne -Erzähltheater/Schauspiel mit Objekten, Pete Belcher, Wien Uraufführung Nov.2005
Weblinks
- Elf Söhne – Volltext der Erzählung (Projekt Gutenberg-DE)
Der neue Advokat | Ein Landarzt | Auf der Galerie | Ein altes Blatt | Vor dem Gesetz | Schakale und Araber | Ein Besuch im Bergwerk | Das nächste Dorf | Eine kaiserliche Botschaft | Die Sorge des Hausvaters | Elf Söhne | Ein Brudermord | Ein Traum | Ein Bericht für eine Akademie
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