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Einheitsschule

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Die deutsche Einheitsschule geht unter anderem auf Bestrebungen des Allgemeinen Deutschen Lehrervereins zurück, welcher schon in der 1848-Revolution wichtige Grundzüge eines künftigen Schulwesens entwickelte. In diesem Sinne versteht man unter der Einheitsschule den Schulaufbau von Kindergarten bis zur Universität für alle Kinder.

Damit steht die Einheitsschule dem dreigliedrigen Schulsystem in Deutschland gegenüber.


Inhaltsverzeichnis

Politik in der Bundesrepublik Deutschland

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Die achtjährige Einheitsschule sollte nach Ansicht der Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland eingeführt werden (Kontrollratsdirektive Nr. 53). Dennoch wurde mit dem Verweis auf die Begabungsideologie das mehrgliedrige Schulsystem beibehalten. In den 1970er Jahren gab es in einigen sozialdemokratisch regierten Bundesländern Bestrebungen das mehrgliedrige Schulsystem durch Gesamtschulen zu ersetzen, die dem Konzept einer Einheitsschule nahekamen. Allerdings mussten diese Gesamtschulen mit den anderen Schulen konkurrieren und waren insofern keine Einheitsschulen, als sie intern gesplittet waren in Kurssystemen, die das mehrgliedrige Schulsystem intern abbildeten. Es kam nur vereinzelt zur Etablierung von Einheitsschulen, wie beispielsweise der Laborschule Bielefeld. Seit den 1980er Jahren wurden keine neuen Anläufe zur Realisierung von Einheitsschul-Konzepte begonnen. Erst mit den international vergleichenden Bildungsstudien (TIMSS, PISA, IGLU), in denen belegt wurde, dass Schüler und Schüler sehr schlecht abschnitten bei gleichzeitiger extrem hoher sozialer Selektion, wurde wieder ernsthaft über die Etablierung von Einheitsschulen ("Schulen für alle") nachgedacht. In einigen Bundesländern gibt es nun Konzepte, das mehrgliedrige Schulsystem langfristig abzuschaffen. Als Gründe für diese neue Politik werden herangeführt

  • die demografische Veränderung (viele kleine Gemeinden können sich aufgrund des Bevölkerungsrückgangs verschiedene Schultypen nicht mehr leisten und es wird für die Zeit ab 2010 ein dramatischer Rückgang der Studierendenzahlen prognostiziert, wenn die Bildungspolitik so fortgesetzt wird wie bisher)
  • dass internationale Organisationen wie die OECD, die UNICEF, die UNESCO, die Europäische Kommission und zuletzt der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen mit seiner Bildungsstudie über Deutschland das mehrgliedrige Schulsystem kritisieren
  • dass diverse Wirtschaftsverbände und Think Tanks, die Unternehmerinteressen nahestehen, die frühe Selektion kritisieren
  • die aktuellen Studien, die nahelegen, dass die hohe soziale Selektion in Deutschland mit dem mehrgliedrigen Schulsystem in einem unmittelbaren Zusammenhang steht
  • die "Abstimmung mit den Füßen": in NRW fanden 2006 14.000 Eltern keinen Platz für ihre Kinder in Gesamtschulen und 2007 waren es 16.000 Eltern, die ihre Kinder in Gesamtschulen einschulen wollten und keinen Platz bekamen; in Schleswig-Holstein schicken immer mehr Eltern ihre Kinder auf die Einheitsschulen der dänischen Minderheit.

Geschichte

Die "Greilsche Schulreform"

Mit den Stimmen von SPD, USPD und KPD wurde am 24. Februar 1922 das Einheitsschulgesetz vom Thüringer Landtag beschlossen. Es regelte unter anderem den stufenförmigen Aufbau der Thüringer Schule in Form von Unter-, Mittel- und Oberschule.

Die "Berliner Einheitsschule"

1948 wurde in Berlin mit den Stimmen der SPD, SED und LDPD das "Gesetz zur Einheitsschule" verabschiedet. Es galt für die gesamte Stadt, wurde aber nach der Teilung im Westteil 1951 durch die Berliner Schule abgelöst.

Konzipiert wurde die Berliner Einheitsschule größtenteils von Vertretern der Reformpädagogik, die schon in der Weimarer Zeit an Berliner Versuchsschulen, vor allem an der Karl-Marx-Schule in Neukölln tätig gewesen waren.

Kernstücke der Einheitsschule waren die 8-jährige Grundschule, eine Oberschule mit praktischem und wissenschaftlichem Zweig sowie eine elastische Mittelstufe mit Kern- und Kursunterricht. Außerdem wurde die allgemeine Koedukation eingeführt. Die strikte und frühe Trennung der Schülerinnen und Schülern in verschiedene Schulzweige war ein Hauptkritikpunkt am herkömmliche Schulsystem gewesen und dem sollte nun mit einer langen Grundschulzeit von 8 Jahren entgegen gewirkt werden.

Da das Gesetz zur Berliner Einheitsschule sein Zustandekommen vor allem der Zusammenarbeit von SPD und SED verdankte, war es spätestens 1948/49, nach der Teilung der Stadtverwaltung in West-Berlin mit dem Stigma eines sozialistischen, sowjetisch orientierten Schulsystems behaftet.

Von konservativen Kreisen des Bildungsbürgertums, den beiden christlichen Kirchen – insbesondere der katholischen Kirche – und fast der gesamten West-Berliner Presse wurde geradezu ein Schulkampf entfacht, der kurz vor den Wahlen im Dezember 1950 seinen Höhepunkt erreichte. Nach den Berliner Wahlen vom 03. Dezember 1950 gab es eine CDU-FDP-Mehrheit im West-Berliner Senat. Zwar wurde eine große Koalition aus CDU und SPD gebildet, da man der Auffassung war, die Stadt brauche in ihrer prekären Lage Stabilität und eine starke Regierung, doch eine Mehrheit für die Einheitsschule existierte somit nicht mehr. Die Revision des Gesetzes zur Einheitsschule wurde bereits im Dezember 1950 beschlossen und brachte eine deutliche Annäherung an das Schulsystem der westlichen Bundesländer. Die Fritz-Karsen-Schule in Neukölln blieb als "Schule besonderer pädagogischer Prägung" trotz der Revision als Einheitsschule bestehen.[1]

In den 60er Jahren hatte die SPD wieder eine Mehrheit im Berliner Abgeordnetenhaus und unternahm mit der ersten Gesamtschule 1968 einen zweiten Versuch eine Vereinheitlichung im Bildungssystem zu erreichen.

Die Einheitsschule der DDR

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Im Schulsystem der DDR wurde der Gedanke der Einheitsschule nach Vorgaben der Alliierten umgesetzt. Weder Kinderkrippe noch Kindergarten waren Pflicht. Kinder, die den Kindergarten nicht besuchten, mussten allerdings in die "Vorschule" gehen. Hier wurden im letzen Jahr vor der Einschulung ein Mal pro Woche Mengenlehre, Malen, Basteln und Singen in spielerischer Art und Weise mit den Kindern geübt. Alle Kinder besuchten die Polytechnische Oberschule (1. - 10. Klasse. Sehr viele Kinder erreichten auf diesem Bildungsweg die mittlere Reife. Lernschwache oder behinderte Kinder besuchten Hilfs- oder Förderschulen. Das Abitur (höhere Reife) wurde an der Erweiterten Oberschule (9. bis 12. Klasse, gegen Ende der DDR 11. bis 12.Klasse) abgelegt. Eine weitere Möglichkeit, die höhere Reife zu erwerben, war die Berufsausbildung mit Abitur. Bei diesem Bildungsgang absolvierte der Jugendliche innerhalb von 3 Jahren eine Berufsausbildung und die Abiturstufe. Spezielle Eliten wurden ab einem bestimmten Grad der Begabung außerhalb des Einheitsschulsystems an Spezialschulen gefördert. Am bekanntesten sind hier die KJS's (Kinder- und Jugendsportschule).


Vorteile

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Aus Sicht der Befürworter ist sie sozial gerechter, da nicht der weitere Bildungs- und Berufsweg schon durch die Schulwahl größtenteils vorgezeichnet wäre. Diese Auffassung wurde durch die PISA-Studien eindrucksvoll bestätigt. Außerdem könne in einer Einheitschule das Kind mittels Leistungsgruppen gezielt gefördert werden. Dass die Einheitsschule auch gute Ergebnisse im Leistungsbereich bringen kann, zeigen die Ergebnisse der PISA-Studie, bei der Staaten mit einem Einheitsschulsystem wie beispielsweise Finnland Spitzenplätze erreicht haben. Obwohl davon ausgegangen werden muss, dass die guten Ergebnisse nicht ausschließlich auf das Einheits- oder Gesamtschulsystem zurückzuführen sind (sämtliche PISA-Verlierer haben auch Einheitsschulsysteme), sondern auch auf verstärkte Schulautonomie, Kurssystem und Projektarbeit im Gegensatz zu Frontalunterricht, zeigt das Ergebnis doch, dass auch mit dem Einheits- bzw. Gesamtschulsystem gute Erfolge erzielt werden können.

Nachteile

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Aus Sicht der Gegner wäre eine Einheitsschule eine "Gleichmacherei" und der Schüler könne nicht entsprechend seiner Begabungen gefördert werden. So würden leistungsstärkere Schüler zu wenig gefordert und gefördert, wohingegen leistungsschwache Schüler durch die besseren Leistungen Ihrer Mitschüler gedemütigt würden. Untersuchungen, die diese Meinung bestätigen, liegen nicht vor. Wie sehr die Gesamtbildung durch ein Einheitschulmodell leidet, kann man eindrucksvoll am Beispiel der USA erkennen. Die dortigen Schüler hängen deutschen Standards um Jahre hinterher. Allerdings muss dabei auch in Betracht gezogen werden, dass in den USA die Qualität der einzelnen Schulen durch die kommunale Verantwortung und Finanzierung sehr schwankt und auch eine Teilung zwischen Privatschulen und öffentlichen Schulen erfolgt. Die große Verbreitung von Privatschulen in den USA ist aber vor allem auf die schlechten öffentlichen Schulen zurückzuführen.

Meinungen in der Bevölkerung

Bei einer Forsa-Umfrage sprachen sich 41 Prozent der Bevölkerung dafür aus, dass die Schüler bis zur 9. oder zehnten Klassen zusammen bleiben sollten. 52 Prozent waren für das jetzige Schulsystem.[2] Anders ist es in Österreich. Dort sind 73 Prozent der Befragten (repräsentative telefonische Umfrage im Mai 2006 unter 500 Personen) für die Beibehaltung des derzeitigen differenzierten Schulwesens, 24 Prozent sind für die Gesamtschule. Damit ist die Zustimmung zur Beibehaltung des derzeitigen Schulwesens gestiegen. 2005 waren noch 54 Prozent für die Beibehaltung des differenzierten Schulwesens, 43 Prozent waren damals für die Gesamtschule.[3]

Darüber, ob sich diese Meinungen in den verschiedenen sozialen Schichten unterschieden ist nichts bekannt. Von den befragten Frauen sind deutlich mehr für eine Gesamtschule als von den befragten Männern.[4]

Links

Siehe auch

Quellen

  1. Literatur: Marion Klewitz, Berliner Einheitsschule 1945-1951, Berlin 1971
  2. Pro und Contra Basisschule
  3. Mehrheit der Österreicher für gegliedertes Schulsytem
  4. Mehr Frauen als Männer für Gesamtschule
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