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Egel

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Egel
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Systematik
Überstamm: Urmünder (Protostomia)
Überstamm: Lophotrochozoen (Lophotrochozoa)
Stamm: Ringelwürmer (Annelida)
Klasse: Gürtelwürmer (Clitellata)
Unterklasse: Egel (Hirudinea)
Wissenschaftlicher Name
Hirudinea
Lamarck 1818
Ordnungen
  • Acanthobdellida
  • Arhynchobdellida
  • Rhynchobdellida
  • Gnathobdellida

Die Egel (Hirudinea) gehören zur Klasse der Gürtelwürmer und damit zu den Ringelwürmern. Der bekannteste Vertreter unter ihnen ist der medizinische Blutegel (zool. Hirudo medicinalis), der schon seit Jahrhunderten bei der Blutegelbehandlung in der Medizin zum Einsatz kommt. Egel kommen in vier Ordnungen mit mehr als 600 Arten vor. Sie sind primär Ektoparasiten, es gibt aber auch räuberische Arten.

Inhaltsverzeichnis

Verbreitung

Blutegel sind auf der ganzen Welt verbreitet, leben aber überwiegend im Wasser, die meisten im Süßwasser, nur wenige im Meer. Sie sind gute Schwimmer und benötigen sauberes Wasser als Lebensraum. Außerhalb des Wassers bewegt sich der Blutegel mit Hilfe von zwei Saugnäpfen an den Körperenden fort. Landegel findet man vor allem in den tropischen Wäldern.

Durch den übertriebenen Einsatz medizinischer Blutegel in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Blutegelbestände stark verringert. Mittlerweile sind medizinische Blutegel in Europa nur noch in wenigen Gebieten in ihrer natürlichen Umgebung zu finden und stehen beispielsweise in Deutschland und der Schweiz unter Naturschutz.

Merkmale

Egel sind sehr abgeleitete Ringelwürmer. Die inneren Segmentgrenzen sind aufgelöst und äußerlich wegen einer Sekundärringelung auch nicht erkennbar. Egel haben eine feste Anzahl von Segmenten, nämlich 32 (Acanthobdella hat nur 29). Das hängt mit dem hinteren Saugnapf zusammen, denn nachdem er gebildet worden ist, können keine weiteren Segmente gebildet werden. Die Saugnäpfe sind Zusammenschlüsse von mehreren Segmenten, sie sind sehr muskulös und drüsenreich. Die Coelomsäcke, die bei Ringelwürmern in jedem Segment vorkommen, sind fast ganz reduziert. Übrig bleibt nur ein Kanalsystem. Der Darm bildet große Blindsäcke aus, in denen Blut gespeichert und verdaut wird. Das deutliche Zeichen der Gürtelwürmer, das Clitellum, ist nur während der Fortpflanzung zu sehen.

Erwachsene Tiere sind ausgestreckt bis zu 15 cm lang und bei hellem Licht ist eine Rückenzeichnung zu erkennen. Der Medizinische Blutegel (Hirudo medicinalis) hat eine bräunliche bis olivgrüne Farbe, rötliche Streifen auf dem Rücken und schwarze Flecken auf dem Bauch. Der Ungarische Blutegel (Hirudo verbana) besitzt jedoch einen grünen Bauch.

Blutegel sind langlebig: Sie werden erst mit drei Jahren geschlechtsreif und werden über 30 Jahre alt.

Ernährung

Bild:Blutegel.jpg
Blutegel (schematisch):
(a) Kopf des Blutegels mit aufgeschnittener Mundhöhle, K die drei Kiefer; (b) eine Kieferplatte mit ihren Zähnen am Rand
Bild:Blutegel db.jpg
Blutegel im Biberteich, Ontario
Bild:Haemopis sp Danube.jpg
Egel der Gattung Haemopis
an einer Furt in den Wiener Donauauen

Die meisten Blutegel ernähren sich von Tierblut, manche sind aber auch Räuber. Der Blutegel dickt das aufgenommene Blut noch während des Saugens ein, das Wasser wird über die Haut ausgeschieden. Das gesaugte Blut wird im Körper des Egels mit Hilfe von Bakterien konserviert, der Blutegel muss danach bis zu einem Jahr lang keine Nahrung mehr aufnehmen.

Blutegel saugen sich an der Haut von Tieren fest, um dann die Haut (mit Hilfe eines natürlichen Schmerzmittels in ihrem Speichel) schmerzfrei aufzubeißen. Mit ihren Beißwerkzeugen durchdringen sie selbst dickes Rinderfell in wenigen Sekunden. Anschließend kann ein Egel in etwa 30 Minuten bis zum Fünffachen seines Körpergewichts an Blut saugen. Dabei sondert er über den Speichel etwa 20 verschiedene Substanzen in die Wunde ab, darunter die Blutgerinnungshemmer Heparin und Hirudin - aus diesen Stoffen ergibt sich auch die medizinische Heilwirkung des Blutegels - und auch Stoffe, die Entzündungen bekämpfen und Schmerzen lindern können. Allerdings ist die exakte Wirkung aller anderen Stoffe noch nicht bekannt. Nach Erreichen der Sättigung fällt der Blutegel von selbst von seinem Opfer ab.

Lebenszyklus

Obwohl Blutegel Zwitter sind, benötigen sie einerseits einen Partner und andererseits Blut, um sich fortzupflanzen. Nach der Paarung werden bis zu 20 Eier außerhalb vom Wasser abgelegt und in Kokons eingesponnen. Nach dem Schlüpfen ernähren sich die jungen Egel von kleinen Wirbellosen, die sie fressen oder aussaugen, sie saugen jedoch auch an Fröschen.

Medizinischer Nutzen

Durch die injizierten Stoffe vermag der medizinische Blutegel bei einer Vielzahl von Krankheiten Positives zu bewirken. Vieles ist wieder in Vergessenheit geraten, so dass heutzutage teilweise auch wieder experimentell versucht wird, mit Blutegeln zu behandeln.

Für die Herstellung von Sportsalben, welche Hirudin als Wirkstoff verwenden, werden Blutegel benötigt.

Eine Behandlung ist bei folgenden Beschwerden sinnvoll:
Blutgerinnsel und Blutergüssen, Krampfadern, Venenentzündungen, Gefäßverkalkungen, Rheuma und Gelenkabnutzungen (wie Arthrosen), Muskelkrämpfen, Zerrungen und Verstauchungen, Rücken- und Kopfschmerzen, Menstruationsbeschwerden und Ohrgeräuschen. Darüberhinaus haben Forscher von der Universität Duisburg-Essen nachweisen können, dass Blutegel die mit der Gelenkentzündung Arthritis einhergehenden Schmerzen im Fingergelenk deutlich effektiver lindern, als herkömmliche Schmerzmittel. Auch Gelenkentzündungen des Knies lassen sich mit Blutegeln erfolgreich behandeln.

Auf keinen Fall sollte der Blutegel abgenommen werden, bevor er von selbst loslässt, da man sonst Infektionen durch das Erbrechen des Egels in die Bisswunde riskiert.

In 10 bis 40 Minuten haben sie sich vollgesaugt.

Rechtliches

Der medizinische Blutegel (Hirudo medicinalis) steht in Deutschland, der Schweiz und den meisten Ländern Europas unter Naturschutz. Ohne CITES-Bewilligung dürfen Wildegel nicht gesammelt werden.

Literatur

  • Karl A. F. Otto: Der medicinische Blutegel. Voigt, Weimar 1835 (Digitalisat)
  • Fritz Jauker und Wolfgang Clauss: Blutsauger in der Forschung, in: Biologie in unserer Zeit 33 (1), S. 29 - 35 (2003), ISSN 0045-205X
  • Andreas Michalsen und Manfred Roth (Hrsg.): Blutegeltherapie, Karl-F. Haug-Verlag, Stuttgart 2006, 145 S., 52 Abb., ISBN 3-8304-7169-6  unter Mitarbeit von M. Aurich, M. Blessmann, P. Flecken, J. Graf, U. Groß, R. Schmelzle, U. Storck, E. Wittke-Michalsen Vorwort von Prof. Dobos, (pdf-Datei, 5 S.)

Bildergalerie

Erläuterung:
Die hier gezeigte Bilderserie entstand durch zufällige Beobachtung am Ufer des Woblitzsee in Mecklenburg-Vorpommern in der morastigen Übergangszone zwischen Ufer und Schilfgürtel. Der ganze Vorgang dauerte etwa eine Stunde. Der Egel kam aus dem feuchten Boden und verankerte sich mit seinem hinteren Ende an der Wegschnecke. Die Schnecke versuchte sich zu schützen, indem sie sich fast bis zur Kugel zusammenzog. Der Egel suchte nun mit seinem vorderen Ende und der Mundöffnung über einen längeren Zeitraum nach einem Angriffspunkt. Zweimal gelang es ihm, zu saugen, was dadurch zu erkennen war, dass er sich ruhig verhielt und leicht pumpende Bewegungen machte, einmal an der Unterseite der Schnecke und einmal am Rand. Nach der Begegnung ließ der Egel wieder von der Schnecke ab und glitt zurück in den Boden. Nach einer kurzen Ruhepause setzte sich die Schnecke ebenfalls wieder in Bewegung.

Weblinks

<imagemap>-Fehler: Bild ist ungültig oder nicht vorhanden Commons: Egel – Bilder, Videos und/oder Audiodateien
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