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Ejército Zapatista de Liberación Nacional

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Flagge der EZLN

Die Ejército Zapatista de Liberación Nacional (EZLN, deutsch: "Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung") ist eine indigene Guerillaorganisation in Chiapas, einem der ärmsten Bundesstaaten Mexikos, die am 1. Januar 1994 mit einem bewaffneten Aufstand erstmals öffentlich in Erscheinung trat und sich seitdem mit politischen Mitteln für die Rechte der indigenen Bevölkerung Mexikos, aber auch generell gegen neoliberale Politik einsetzt.

Der Name ist eine Referenz an Emiliano Zapata, einen der historischen Führer der mexikanischen Revolution, in dessen Tradition sich die EZLN sieht. Daher werden sie auch Zapatistas (oder auf Deutsch "Zapatisten") genannt.

Inhaltsverzeichnis

Das Verhältnis von Theorie und Praxis

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Zapatisten bei einer Konferenz

Die EZLN hat als eine Guerillabewegung, die nach dem Zusammenbruch des Ostblocks 1989 in Erscheinung getreten ist, politische Ziele formuliert, die sich von den staatssozialistischen Vorstellungen von gesellschaftlicher Veränderung grundlegend unterscheiden. Dadurch wurde sie, vor allem durch die Schriften ihres Sprechers Subcomandante Marcos, international bekannt und insbesondere in der Bewegung gegen Neoliberalismus stark rezipiert.

Im Gegensatz zu anderen Guerillabewegungen wollen die Zapatisten nicht die Macht im Staat übernehmen, sondern betonen ihren basisdemokratischen Anspruch und zielen auf den allmählichen Aufbau einer andersartigen Macht von unten. Nach 12 Tagen bewaffneter Kämpfe im Januar 1994 boten sie der Regierung einen zeitlich unbegrenzten Waffenstillstand an und unterzeichneten 1996 die Friedensverträge von San Andrés, die weitgehende Autonomierechte für die indigenen Bevölkerung Mexikos vorsehen. Allerdings wurde der Inhalt der Friedensverträge bisher von der mexikanischen Regierung nicht wie vereinbart in Gesetzesform gegossen, weshalb die EZLN seit August 2003 in Teilen von Chiapas eine de-Facto-Autonomie umsetzt. Mit dieser Strategie haben die Zapatisten weit über Chiapas hinaus eine breite Unterstützung innerhalb Mexikos und Lateinamerikas erlangt. Die hohe Aufmerksamkeit auf öffentliche Kommunikation, der Aufbau alternativer autonomer Strukturen und die faktische Gewaltfreiheit in Verbindung mit einem Projekt tiefgreifender Veränderungen sind Elemente der zapatistischen Revolte, mit denen sich weite Teile der globalisierungskritischen Bewegung identifizieren (Andretta, Massimiliano u.a. 2003, S. 23). Wie diese fordert die EZLN Selbstbestimmung der Menschen und ruft zum weltweiten Kampf gegen die neoliberale Globalisierung auf.

Die EZLN hat, durchaus gewollt, großen Einfluss auf die Diskussion innerhalb der internationalistischen Linken, insbesondere mit ihrer radikalen Machtkritik. Ihr Motto „Eine andere Welt ist möglich“ wurde außerdem zum Slogan der globalisierungskritischen Bewegung. Ein anderes Motto lautet „Fragend gehen wir voran“ und bezeichnet das Verhältnis zwischen Theorie und Praxis.

Geschichte

Die EZLN wurde am 17. November 1983 von mexikanischen Metropolenlinken (3 Mestizos und 3 Indígenas) in der Selva Lacandona, einem Urwaldgebiet an der Südostgrenze Mexikos als klassisch marxistische und maoistische Befreiungsarmee gegründet, veränderte sich aber innerhalb der ersten zehn Jahre ihres Bestehens zu einer Guerilla neuen Typs.

Erstmals der breiten Öffentlichkeit wurde die EZLN am 1. Januar 1994, dem Tag des Inkrafttretens des nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA, bekannt. Maskierte Kämpfer besetzten gleichzeitig fünf Bezirkshauptstädte, erklärten der mexikanischen Regierung den Krieg und ihren Willen, bis nach Mexiko-Stadt zu marschieren. Allerdings verfehlten sie das Ziel, eine landesweite Bewegung loszutreten. Nach einigen Tagen Kämpfen zogen sich die Zapatisten aus den Städten in den Urwald zurück. Entgegen dem Druck seiner Mitarbeiter und Berater verzichtete der damalige mexikanische Präsident Carlos Salinas de Gortari auf eine blutige endgültige Niederschlagung des Aufstands und bot Verhandlungen und einen Waffenstillstand an, in den die EZLN einwilligte und der bis heute anhält.

Seitdem tritt die EZLN mit zivil-politischen Initiativen für eine Verbesserung der Lage der indigenen Bevölkerung, eine Sozialisierung der mexikanischen Volkswirtschaft und die Demokratisierung Mexikos ein.

Obwohl der militärische Teil der Revolution ein kompletter Fehlschlag war, triumphierte die Revolution in ungeahnter Weise. Insbesondere durch die Transformation ihres Sprechers, des charismatischen Subcomandante Marcos, vom bewaffneten Widerstandsführer zum postmodernen Guerrillero, der über Fax und Internet seine Ideen verbreitet und den romantischen Idealismus einer Zeit anspricht, die viele ihrer alten Mythen über Bord hat werfen müssen, erreichten die Zapatisten eine Aufmerksamkeit und eine Bedeutung über Mexiko hinaus.

Die EZLN heute

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Subcomandante Marcos

Strukturell stellt die EZLN eine indianische Bauernmiliz dar. Den weitaus größten Anteil an der militärischen Struktur stellen die milicianos (Milizionäre), Kleinbauern, die weiter auf ihren Feldern arbeiten und im Bedarfsfall mobilisierbar sind. Den harten Kern stellt eine relativ kleine Gruppe insurgentes ("Aufständische"), unterstützt und getragen wird diese Struktur von den bases de apoyo (der zivilen Unterstützungsbasis). Das oberste Entscheidungsgremium der EZLN, die "Kommandantur" (CCRI-CG - Geheime revolutionäre indigene Komitees - Generalkommandantur), besteht aus gewählten Vertretern der Dorfgemeinschaften. Der Frauenanteil der Zapatistischen Armee beträgt etwa 47%.

Die EZLN lud zweimal zu intergalaktischen Treffen gegen Neoliberalismus und für Menschlichkeit. Zu ihrem ersten Treffen 1996 kamen ca. 3000 Teilnehmer aus mindestens 54 Ländern nach Chiapas (Nachtwey, Oliver 2002, S. 26). Um den internationalen Zusammenhang der Kämpfe zu betonen, lud man 1997 zum zweiten Treffen explizit nicht nach Mexiko sondern ins europäische Spanien. Mit ihrem Aufruf ein kollektives Netzwerk all unserer Teilkämpfe und Widerständigkeiten zu schaffen, welches Unterschiedlichkeiten respektiert und Ähnlichkeiten anerkennt und so die Welt neu zu erschaffen, fanden die Zapatistas weltweit ebenso Widerhall bei neueren Bewegungen wie mit ihrem radikalen, jedoch auf Gewaltvermeidung bedachten Vorgehen.

Die dort geknüpften Kontakte hatten im Februar 1998 die Gründung von Peoples Global Action (PGA), einem weltweiten Netzwerk zum Informationsaustausch und Aktionskoordination zur Folge.

In den vergangenen Jahren war die EZLN bemüht, ihrer zivilen Basis immer mehr Verantwortung zu übertragen und die militärische Struktur, die nach wie vor für die Sicherheit der Basisgemeinden zuständig ist, von den zivilen Verwaltungsstrukturen abzukoppeln.

Am 9. August 2003 wurden die sogenannten "Caracoles" gegründet, fünf regionale Verwaltungszentren, in denen die "Juntas der Guten Regierung" ihren Sitz haben. Die Juntas der Guten Regierung verstehen sich als rotierende, basisdemokratische Regierung, die für alle Belange der jeweiligen Region zuständig ist und auch die Anliegen von Anwohnern bearbeitet, welche nicht zapatistisch sind. Die Zapatisten erklärten den Aufbau der Autonomiestrukturen zum strategischen Schritt, um der ihrer Meinung nach ignoranten offiziellen Politik gegenüber der indigenen Bevölkerung Mexikos entgegenzutreten. Bereits seit 1995 existierten auf kommunaler Ebene 38 autonome Gemeinden, die nun in den fünf Regionen zusammengefasst wurden. Zur Autonomie gehören der Aufbau eines regierungsunabhängigen Gesundheits- und Bildungssystems, einkommenschaffende Projekte sowie Infrastrukturprojekte. Eine eigene Gesetzgebung, z.B. zum Schutz der Tropenwälder, ist in Arbeit. Die zapatistische Autonomie hat in mehreren mexikanischen Bundesstaaten Nachahmer gefunden.

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Schild im zapatistischen Rebellengebiet

Im Juni 2005 wurde bekannt, dass der Fußballclub Inter Mailand eine Herausforderung der EZLN zu einem Fußballmatch angenommen hatte.

Ebenfalls im Frühsommer 2005 rief die EZLN nach einer kurzen Phase des "roten Alarms" und einer internen Umfrage national und international dazu auf, gleichzeitig zum Präsidentschaftswahlkampf in Mexiko eine breite, vielseitige Kampagne aller linken Basisorganisationen loszutreten. Grundlage der "anderen Kampagne" ist die 6. Erklärung aus dem Lakandonischen Urwald (siehe dazu: http://deu.anarchopedia.org/EZLN ). Mit ihr geht u.a. eine Absage an das gesamte Parteiensystem Mexikos einher - statt dessen setzen die Zapatisten auf außerparlamentarische Mobilisierung. In einer Reihe von Treffen zwischen August und September 2005 traf eine Kommission zapatistischer KommandantInnen mit zahlreichen Gruppierungen der mexikanischen Linken zusammen, um deren Anliegen, Selbstdarstellungen und Kämpfe kennen zu lernen. Mitte September wurde auf einer ersten Plenarsitzung der "anderen Kampagne" bekanntgegeben, dass für 2006 zwei Rundreisen durch alle mexikanischen Bundesstaaten geplant sind, um landesweit Strukturen für die Kampagne aufzubauen. Zunächst bereiste EZLN-Sprecher Marcos ab 1. Januar 2006 das ganze Land, um lokale Gruppen, Organisationen und Problematiken kennen zu lernen. Das zunächst im Juni 2006 geplante Ende der Reise, verschob sich aufgrund der Vorfälle in San Salvador Atenco um mehrere Monate. In einer zweiten Phase, die am 25. März 2007 begann, machen Delegierte aller an der "anderen Kampagne" beteiligten Organisationen zusammen mit einer Delegation der Zapatisten eine Rundreise. Die "andere Kampagne" ist begleitet von Demonstrationen und Märschen, die aufgrund der Sturmhauben auf den ersten Blick militant wirken. Tatsächlich entfernt sich die EZLN immer mehr von der Guerillataktik. So drücken die Sturmhauben Gesichtslosigkeit im Sinne der Gleichwertigkeit der Mitglieder aus. Das soll aber keineswegs heissen, dass die EZLN "gleichmacherisch" wirken will. Ganz im Gegenteil wurde von ihr immer wieder betont: "Hinter den Masken sind unsere Gesichter". Im Rahmen der "anderen Kampagne" tritt Subcomandante Marcos mit dem Titel "Delegado Zero" auf.

Gleichzeitig wird die EZLN nach wie vor bedroht und immer wieder angegriffen, meist von rechtsgerichteten Paramilitärs, denen die EZLN Verbindungen zum Militär und zur Regierung nachsagt und die in der Vergangenheit auch belegt wurden.

Literatur

  • Krüger, Reinhard (Hrsg.): México insurgente. Los Zapatistas y La marcha por la dignidad indígena 24 febrero - 11 marzo 2001 (= ROMANICE 2), Weidler-Verlag, ISBN 3-89693-702-2 (03/2001)
  • Krüger, Reinhard (Hrsg.): Los Zapatistas y La marcha por la dignidad indígena (vol. II). Los discursos en el Congreso y el regreso a Chiapas (= ROMANICE 7), Weidler-Verlag, ISBN 3-89693-707-3 (07/2001)
  • Krüger, Reinhard (Hrsg.): Aufständisches Mexiko. Die Zapatisten und der Marsch für die Würde der Indios. 24. Februar – 11. März 2001 (ausgewählt und übersetzt von Christiane Bauer) (= ROMANICE 12), Weidler-Verlag, ISBN 3-89693-712-X (07/2002)
  • Gloria Muñoz Ramírez: EZLN: 20+10 - Das Feuer und das Wort. Unrast Verlag, ISBN 3-89771-021-8
  • Mittelstädt/Schulenburg (Hg.): "Der Wind der Veränderung. Die Zapatisten und die soziale Bewegung in den Metropolen. Kommentare und Dokumente." Edition Nautilus, Hamburg 1997. ISBN 3-89401-276-5.
  • Luz Kerkeling: La Lucha sigue - Der Kampf geht weiter. Ursachen und Entwicklungen des zapatistischen Aufstands. Unrast Verlag, ISBN 3-89771-017-X
  • Philipp Gerber (2005): Das Aroma der Rebellion. Zapatistischer Kaffee, indigener Aufstand und autonome Kooperativen in Chiapas, Mexiko. ISBN 3-89771-023-4
  • Jüngste Berichte über die "andere Kampagne" in: The Herald (International Edition of the Miami Herald), Regionalteil Mexico, vom 4. Januar 2006, Joan Grillo: "Rebels arrive in jungle region" und Al Socialismo (Periodico de Unidad Obrera y Socialista, Unios!, Dezember 2005, Nr. 147, Fernando Michel Corona u.a.: Las Otras Notas.

Siehe auch

Weblinks

Artikel zu den Ereignissen letzter Zeit
Berichte über die "Andere Kampagne" in chronologischer Reigenfolge
Wikipedia
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