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Doppelte Wahrheit

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Die im Mittelalter begründete "Lehre von der doppelten Wahrheit" besagt, dass es eine geoffenbarte religiöse und eine Vernunftwahrheit gebe. Beide können nebeneinander bestehen, da die eine Angelegenheit des Glaubens, die andere eine Sache des Wissens sei.

Inhaltsverzeichnis

Erläuterungen

Das in dieser Lehre enthaltene Anliegen der Trennung von Wissen und Glauben, um - ungestört von theologischen Bevormundungen - Wissenschaft betreiben zu können, war im Mittelalter Bestandteil der aufkeimenden bürgerlichen, antifeudalen, auf die Befreiung aus der religiösen Umklammerung gerichteten Denkens.

So griff Pietro Pomponazzi bei seinem philosophischen Hauptwerk und in verschiedenen anderen seiner Schriften auf die im Mittelalter aufgekommene Lehre von der doppelten Wahrheit zurück. Demnach müsse man zwischen der im Wissen begründeten Erkenntnis und dem auf dem Wollen beruhenden Glauben unterscheiden und könne so als Gläubiger u.a. auch an der Unsterblichkeit der Seele festhalten.

Der Anfang der Begründung dieser Lehre sowie die umfassende Ausgearbeitung findet sich vor allem bei Averroes im von ihm ausgehenden Averroismus, insbesondere aber bei Siger von Brabant. Durch die Averroisten gelangte die Lehre zu Einfluss und Verbreitung.

Wirkungsgeschichte

Im Nominalismus ist es vor allem Wilhelm von Ockham, der diese Lehre aufgreift und vertritt. Bei Duns Scotus wird sie mit der Forderung nach Trennung der Philosophie (Wissen) und Theologie (Glauben) verbunden.

Noch zu Zeiten von Francis Bacon wurde sie zur Abschirmung möglicher Verfolgungen von kirchlicher Seite verwendet, wenn es galt, Thesen vorzutragen, die der Theologie widersprechen konnten.

Kritik

Die These von der doppelten Wahrheit wurde von vielen Seiten erfolgreich kritisiert. So weist etwa Thomas von Aquin nach, dass der Glaube zwar in einigen Fällen die Vernunft übersteigen, ihr jedoch nie widersprechen kann. Weil es nur eine Wirklichkeit gibt, kann es bezüglich der selben 'Sache' auch nur eine Wahrheit geben. Dagegen spricht auch nicht, dass diese Wahrheit unter Umständen vom Menschen nicht oder noch nicht erkannt wird. Letzter Grund für die Nichtwidersprüchlichkeit von Theologie und Philosophie ist Gott, der die Wahrheit (selbst) ist.

Literatur

  • Thomas von Aquin: Von der Wahrheit (De veritate, Quaestio I), Lateinisch – Deutsch, ausgewählt, übersetzt und herausgegeben von Albert Zimmermann, Hamburg 1986

Siehe auch

Fideismus, Doppelmoral

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