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Diffusionismus
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Der Diffusionismus ist ein theoretischer Versuch, die Ähnlichkeit weit voneinander entfernter Kulturen zu erklären. Von 1900 bis in die 1940er Jahre galt er als Hauptrichtung der Ethnologie. Aus ihm stammen die Konzepte der Kulturkreislehre, der Kulturhistorischen Schule, der Museumsethnologie und der Historischen Völkerkunde.
Da kulturelle Innovationen Seltenheitswert besitzen, geht man im Diffusionismus von der Konstanz kultureller Phänomene aus. Allerdings wird der Einfluss von Umwelteinflüssen in kulturellen Praktiken vernachlässigt. Daher ist der diffusionistische ein mechanistischer Kulturbegriff. Die Übertragung kultureller Phänomene geschah durch Handels- und Reisekontakte oder durch die Eroberung durch ein fremdes Volk.
Ein diffusionistischer Vergleich einzelner Kulturphänomene brachte zum Beispiel heraus, dass Sanskrit das Fundament der indogermanischen Sprachfamilie ist. Grafton Elliot Smith und William James Perry (1887-1949) vertraten einen heliozentrischen Diffusionismus, der das alte Ägypten als Wiege der menschlichen Kultur identifizierte.
Vertreter dieses klassischen Diffusionismus waren: Friedrich Ratzel, Leo Frobenius, Wilhelm Schmidt
In der modernen grenz- oder parawissenschaftlichen Menschheits- und Zivilisationsgeschichtsforschung stellt der Diffusionismus ein Ideengebäude zur Erklärung kultureller und zivilisatorischer Entwicklung des Menschen sowie zur Entstehung von Hochkulturen dar.
Im Gegensatz zum Modell des Isolationismus wird dabei Interaktion als grundlegende Triebkraft kultureller Entwicklungs-Prozesse verstanden: "Nach diffusionistischer Auffassung ist jede kulturelle Höherentwicklung [...] ein Produkt aus übergreifenden Kontakten." (Naudiet, 1996) Der Wissenschaftshistoriker Horst Friedrich sieht in jeder neu entstandenen Hochkultur ein »ethno-linguistisches und kulturelles Amalgam«. In diesem Begriff verbinden sich Ethnie, Sprache und Kulturausdruck zu einer spürbaren Einheit. Betrachten wir die frühen und auch heutigen Kulturen der Erde, so wird unvermittelt deutlich, dass kulturelle Entwicklung prinzipiell diffusionistisch angelegt sein muss.
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