Das Kefk Network Wiki befindet sich im Testbetrieb.


Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana

Aus Kefk.

Wechseln zu: Navigation, Suche

Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana (im italienischen Original: "La misteriosa fiamma della regina Loana") ist der Titel eines Romans von Umberto Eco. Dieser erschien im Juni 2004 im Original und im Oktober 2004 erstmals in deutscher Übersetzung durch Burkhart Kroeber.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Gefragt nach seinem Namen, kann die Hauptfigur des Buches zunächst nur antworten: "Warten Sie, ich hab's auf der Zunge." Giambattista Bodoni, der Yambo genannt wird, erwacht nach einem nicht näher erörterten Unfall, vermutlich einem Herzanfall, aus dem Koma: er ist jetzt sechzig Jahre alt, Antiquar und lebt mit seiner Frau in Mailand. Das alles aber erfährt er nur von anderen, denn seit dem Unfall hat er die Erinnerung an alles, was ihn persönlich betrifft, sein episodisches Gedächtnis, verloren, aber das semantische Gedächtnis behalten: er erinnert sich noch, wie man Auto fährt, aber er weiß nicht mehr, welches denn nun sein Auto ist – er weiß noch, welche Museen und Denkmäler in Mailand stehen, aber er weiß nicht mehr, ob er je dort gewesen ist. Auch erkennt er seine Frau, Paola, nicht mehr, und hat seine gesamte Kindheit vergessen.

Nachdem er wieder die ersten Schritte in sein gewohntes Alltagsleben gemacht hat, macht er sich auf die Suche nach der eigenen Kindheit. Dies geschieht im zweiten der drei Teile des Buches, "Una memoria di carta" (Ein Gedächtnis aus Papier): Yambo sucht das Haus seiner Kindheit auf dem Land auf, das seither fast unberührt geblieben ist und seine ganzen früheren Besitztümer noch enthält. Schon der Name, Solara, weist auf die symbolische Bedeutung dieses Ortes hin; wie Eco einmal andeutet, ist der Name die modifizierte Form des Ortes Solero im Piemont: "solare" meint im Italienischen aber "heiter", "sonnig" und versinnbildlicht eine glückliche Kindheit. Yambo versucht anhand von Büchern und Bildern, Comics, Pastadosen und Zigarettenschachteln, Schulaufsätzen, alten Zeitungen und alten Schallplatten, seine Kindheit zu rekonstruieren – Auch der etwas seltsam anmutende Titel des Buches ist von einem Comic übernommen. Dies gelingt ihm jedoch nur zum Teil und auf unpersönliche, unbefriedigende Weise: was er herstellt, ist schließlich das Porträt einer Kindheitsgeneration, geprägt von faschistischer Erziehung und gleichzeitiger Verdrängung desselben, von Krieg und Evakuierung, aber auch vom wirtschaftlichen Aufstieg nach dem Krieg.

Der letzte Teil des Buches ist "OI NOSTOI" überschrieben (griechisch für "Die Rückkehr" im Plural): als Yambo beim Stöbern unverhofft auf eine Originalausgabe von Shakespeares Werken von 1623 stößt – ein, wie er als Antiquar sofort erkennt, unermesslich wertvoller Fund – verkraftet sein Herz die Aufregung nicht, und er fällt erneut ins Koma. Durch diesen Vorfall kehrt aber auch sein Gedächtnis wieder zurück, und er erlebt in einer Art innerem Monolog erneut einige ausgewählte Erlebnisse seiner Kindheit. So erinnert er sich etwa an ein Abenteuer, als er als Junge Partisanen bei der Flucht vor deutschen Patrouillen half. Die letzten Seiten des Buches bereiten mit einer phantastischen Halluzination aus Comics und Erinnerungen, unterstützt von den Illustrationen im Buch, den Auftritt von Lila Saba, Yambos Jugendliebe, vor.

Bedeutung

Von allen Romanen Ecos ist dieser letzte sicherlich derjenige, der am meisten Autobiographisches enthält. Eco selbst hat eine ähnliche Kindheit wie Yambo durchlebt, und Eco besitzt auch die im Buch abgebildeten Gegenstände, die Yambo auf dem Dachboden seines Elternhauses findet. Auch etwa einen Schulaufsatz, den er unter seinen Habseligkeiten findet, kennt der Leser schon als einen von Ecos authentischen Schulaufsätzen aus der Essaysammlung "Come scrivo"; das Abenteuer mit den Partisanen ist allerdings, wie er einmal zugibt, nicht ihm selbst, sondern einem Freund passiert. Allerdings kann man auch Unterschiede zwischen Yambo und Eco geltend machen, etwa beschreibt sich Yambo interessantererweise einmal als "steriles Genie" auf die Frage, ob er auch selbst eigenes geschrieben habe. Man erkennt schließlich, dass Eco mehr daran gelegen ist, die Biographie einer Generation zu schreiben. Dem wird er durch mehrere Ansätze gerecht, etwa durch die Konzeption des Buches als illustrierten Roman: Die Reise des Protagonisten in seine Vergangenheit wird durch zahlreiche Abbildungen alter Plakate, Bilder und Gebrauchsgegenstände begleitet. Dadurch, dass Yambo sich nicht mehr erinnern kann und sich alles wie ein Außenstehender rekonstruieren muss, gewinnen die dargestellten Ereignisse Objektivität und allgemeine Gültigkeit; ähnliches gilt für die Art, wie Eco Musikstücke aus der Zeit seiner Kindheit einsetzt: auch sie sind quasihistorische Zeugnisse aus dem Italien der dreißiger Jahre. Mit Hilfe dieser Kunstgriffe beschreibt Eco in möglichst umfassender, ja enzyklopädischer Weise den Kosmos seiner Kindheit.

Auch in diesem Roman zeigt sich Ecos Belesenheit. Das Buch kann man als einen Gegenentwurf zu Marcel Prousts Romanzyklus Auf der Suche nach der verlorenen Zeit verstehen, doch auch über den Nebel, der eine wichtige Rolle spielt, finden viele Zitate den Weg ins Buch, nicht zuletzt etwa Gérard de Nervals "Sylvie". Abgesehen davon stellen Bezeichnungen wie "OI NOSTOI" oder die oft missverstandene Szene, in der Yambo über seinen Exkrementen sinniert, eine Hommage an große Werke der abendländischen Literatur dar, etwa Homers Odyssee, oder James Joyces Ulysses, an den auch der Aufbau des Buches erinnert. Auch auf einen seiner eigenen Romane nimmt Eco Bezug, wie schon in Baudolino: hier ist es Das Foucaultsche Pendel, das mit "jenem Roman" gemeint ist in der Textstelle: "Ich fragte mich, was ich eigentlich suchte, was ich wollte, es würde nicht genügen, hier sitzen zu bleiben und Hügel zu betrachten, der so schön ist, wie es am Ende jenes Romans heißt, welcher war es noch gleich?" In Das Foucaultsche Pendel betrachtet Casaubon, eine der Hauptfiguren, am Ende des Romans auch den Hügel, der so schön ist.

Literatur

  • Umberto Eco: Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana. Illustrierter Roman. Dtv, München 2006, ISBN 3-423-13489-5.
  • Umberto Eco: Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana. Inszenierte Lesung. Der Hörverlag, München 2004, ISBN 3-89940-481-5 (4 CDs)
  • Umberto Eco: La fiamma della regina Loana. Romanzo illustrato. Bompiani, Mailand 2004, ISBN 88-452-1425-7.

Weblinks

Wikipedia
Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Die_geheimnisvolle_Flamme_der_K%C3%B6nigin_Loana, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
Persönliche Werkzeuge