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Die dritte Kultur
Aus Kefk.
Der Buchtitel The Third Culture des Literaturagenten John Brockman ist eigentlich ein Stichwort aus C. P. Snow’s 1959 erschienener Arbeit „The Two Cultures and the Scientific Revolution” (die zwei Kulturen und die wissenschaftliche Revolution), in der Snow die Kluft beschreibt, die „die zwei Kulturen“ trennt; auf der einen Seite die Literatur-Intellektuellen und auf der anderen Seite die Naturwissenschaftler. Als Ursache hatte er die einseitigen Lehrpläne der Universitäten diagnostiziert und als Folge die Verarmung beider Kulturen genannt. Das Heranwachsen einer „dritten Kultur“, eine neue Generation von Wissenschaftlern, die die Kommunikationslücke zwischen den zwei traditionellen Kulturen schließen soll, hat er in seiner zweiten Studie „The Two Cultures: A Second Look“ 1963 prophezeit.
In seinem Buch, in dem er Essays von anerkannten Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen vorstellt, verneint Brockman Snows optimistische Haltung, dass eine effektive Kommunikation zwischen den zwei Kulturen in Sichtweite sei. Er behauptet stattdessen, dass die aktuelle Bewegung zeitgenössischer Wissenschaftler, die in ihren populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen versuchen, Antworten zu den sogenannten „letzten Fragen“ einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, die dritte Kultur sei.
Zu den im Buch vorgestellten Wissenschaftlern gehören u a.: aus dem Biologiebereich George C. Williams,Stuart Kauffman, Stephen Jay Gould, Richard Dawkins und Niles Eldredge; aus der Kognitionsforschung Marvin Minsky, Roger Schank, Daniel Dennett, Steven Pinker und Roger Penrose; aus der Kosmologie Martin Rees, Lee Smolin und Paul Davies; und aus der Komplexitätsforschung der Nobelpreisträger Murray Gell-Mann, J. Doyne Farmer und W. Daniel Hillis.
Die Idee der Dritten Kultur wurde in Deutschland insbesondere von der Frankfurter Allgemeine Zeitung aufgegriffen, die ihr Feuilleton Wissenschaftlern aus diesem Bereich geöffnet hat. Wie der Journalist Gábor Paál in seinem Buch Was ist schön? Ästhetik und Erkenntnis (2003) zeigt, deckt sich Brockmans "Dritte Kultur" weitgehend mit dem, was Hegel Realphilosophie nannte: Eine Art von Philosophie, die sich sehr stark an den wissenschaftlichen Fakten orientiert und dort weiterdenkt, wo die empirische Wissenschaft an ihre Grenzen stößt.
Literatur
- John Brockman: The Third Culture: Beyond the Scientific Revolution, Simon & Schuster: 1995 ISBN 0684823446 (dt.: Die dritte Kultur, Das Weltbild der modernen Naturwissenschaft. München : Goldmann, 1996. ISBN 3442720354)
- Gábor Paál: Was ist schön? Ästhetik und Erkenntnis. Königshausen & Neumann, 2003 ISBN 3-8260-2425-7.
