Die Rechnung ging nicht auf

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Filmdaten
Deutscher Titel: Die Rechnung ging nicht auf
Originaltitel: The Killing
Produktionsland: USA
Erscheinungsjahr: 1956
Länge (PAL-DVD): 85 Minuten
Originalsprache: Englisch
Altersfreigabe: FSK 12
Stab
Regie: Stanley Kubrick
Drehbuch: Stanley Kubrick, Jim Thompson
Produktion: James B. Harris, Alexander Singer
Musik: Gerald Fried
Kamera: Lucien Ballard
Schnitt: Betty Steinberg
Besetzung

Die Rechnung ging nicht auf (Originaltitel: The Killing) ist ein Spielfilm von Stanley Kubrick aus dem Jahre 1956 nach einem Roman von Lionel White. Der Film ist vor allem wegen seines nicht-linearen Handlungsablaufs sowie der Schilderung des Geschehens aus mehreren Blickwinkeln bekannt, was spätere Regisseure wie Quentin Tarantino beeinflusst hat. Der Film gehört zum Genre der Heist-Movies.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Vier unbescholtene Kleinbürger mit Geldsorgen schließen sich dem soeben aus Alcatraz entlassenen Profiverbrecher Johnny Clay an, mit dem Ziel, während des bedeutendsten Rennens der Saison die Kasse des Hippodroms von Lansdowne Park zu überfallen. Barkeeper Mike O'Reilly und der Kassierer George Peatty arbeiten auf der Rennbahn, was den, dem Zuschauer vorerst vorenthaltenen, Plan ermöglichen soll. Stattdessen erfährt er einiges über die unglückliche Ehe zwischen dem schmächtigen George Peatty und seiner selbstsüchtigen Frau Sherry. Nachdem er ihr großspurig von dem geplanten Raub erzählt hat, plant sie zusammen mit ihrem Liebhaber, die Beute an sich zu reißen und unterzutauchen. Johnny heuert unterdessen einen Faustkämpfer sowie einen Scharfschützen an, die während des Überfalls für Verwirrung sorgen sollen, und legt ein Depot in einem Mietbungalow an.

Trotz einiger Zwischenfälle gelingt der Überfall nach Plan. Der Zuschauer erfährt den Ausgang des Raubs allerdings erst, nachdem das Rennen auf der Bahn zum dritten Mal gestartet wurde. Am Ende rächt sich jedoch, dass George Peatty den Mund nicht halten konnte. Sherrys Liebhaber überrascht die Diebe in Marvin Ungers Wohnung, um ihnen die Beute abzujagen, die sich noch in Johnny Clays Händen befindet. Er trifft verspätet dort ein, nachdem alle bis auf George beim Feuergefecht getötet worden sind. Dieser bringt blutüberströmt zu Hause angekommen seine untreue Gattin und sich selbst um. Auch Johnny kann nicht wie erhofft vom Geldsegen profitieren: Die hastig in einem Koffer verstauten Geldscheine fallen beim Fluchtversuch vor dem Einladen ins Flugzeug auf dem Rollfeld zu Boden und werden fortgewindet.

Zur Produktion

The Killing war Kubricks erste Zusammenarbeit mit dem gleichaltrigen Produzenten James B. Harris, den er während der Dreharbeiten zu Killer's Kiss kennen gelernt hatte. Harris und seiner Familie ermöglichten durch ihre Kontakte zu Film und Fernsehen, dass Kubrick nun seinen ersten „richtigen“ Film drehen konnte. Ein Film, auf den Kubrick auch später noch voller Stolz zurückblickte.

Der Film basiert auf der „Pulp“- Erzählung Clean Break des Krimiautors Lionel White, deren Rechte zur Verfilmung Harris und Kubrick für 10.000 Dollar erworben hatten. „Der Roman von Lionel White, der die Vorlage für ’The Killing’ lieferte, war ein sehr guter schwarzer Spannungsroman. Das Aufbrechen der zeitlichen Kontinuität war schon im Buch selbst vorhanden. Dadurch wurde es interessanter als eine einfache Kriminalgeschichte. Diese Überblendungen in der Zeit, die wir verwendeten, waren vorgegeben. Das war es, was uns dabei gereizt hat, ganz abgesehen davon, dass die Geschichte intelligent gemacht war.“ (Kubrick, zit. n. Interview Stanley Kubrick 1968) Das Drehbuch verfasste Kubrick zusammen mit dem von ihm bewunderten Hard-Boiled-Krimiautor Jim Thompson (The Grifters).

In "The Killing" arbeitete Kubrick das erste Mal mit dem Schauspieler Sterling Hayden (Asphalt Jungle) zusammen. Im Vorfeld war allerdings auch Jack Palance für die Rolle des Johnny Clay im Gespräch. Kubrick über Hayden: „Er ist ein großer Schauspieler. Was dabei paradox erscheinen mag, ist, dass dieser wunderbare Schauspieler gar nicht gerne spielt. Er meint, das sei ein Beruf, der eines Mannes nicht würdig ist. Er ist von bemerkenswertem Charakter. So etwas findet man selten. Er ist eine richtige Persönlichkeit aus dem 19. Jahrhundert.“ (ebd.)

Der Film wurde mit einem Budget von etwa 330.000 Dollar in nur 24 Tagen abgedreht. 1956 veröffentlicht, erhielt der Film zwar einige gute Kritiken, wurde aber kein großer Erfolg. Allerdings spielte er die Investitionen wieder ein und schuf so die finanzielle Basis für Paths of Glory.

Kritiken

  • „Ein ausgezeichnetes Portrait des Verbrechens, ungewöhnlich straff und kühn inszeniert und nach einem klaren, knappen Drehbuch gespielt.“ („New York Herald Tribüne“ v. 21. Mai 1956)
  • „Obwohl ‚The Killing’ sich aus bekannten Zutaten zusammensetzt und nach anderen Erläuterungen fragt, entwickelt sich hier ein unterhaltendes Melodrama.“ („New York Times“ v. 21. Mai 1956)
  • „Eine derbe Kost für den Actionmarkt, wo er besser als ein durchschnittlicher Kassenschlager ausgebeutet werden kann.“ (Lionel White in „Variety“ v. 23. Mai 1956)
  • „Dieser Kriminalfilm ist typisch amerikanisch, hart in der Handlung, realistisch in der Gestaltung und Darstellung. Was ihm jedoch fehlt, ist eine vertretbare Moral.“ (Evangelischer Film Beobachter Nr. 872/1956)
  • „Abgeschmackt sind einige der allzu ausgedehnten Szenen mit einem der beteiligten Luxusweibchen. Geschmackliche Unsicherheit verraten außerdem einige Großaufnahmen von blutig zusammengeschossenen Gangstern. Gut gewählt sind die charakteristischen und untereinander stark kontrastierenden Gesichter der Verbrecher. Sehr dicht ist auch die Regie.“ (Katholischer Filmdienst Nr. 5484/1956)
  • „In der Anlage erinnert dieser (dritte) Film des jungen Autor-Regisseurs Stanley Kubrick an Jules Dassins 'Rififi'. Ihm fehlen dessen formalistische 'tours de force', dafür hat er ihm dramaturgische und stilistische Geschlossenheit voraus. ... Gestaltung und menschliche Wärme heben diesen Film weit über die anderen Vertreter seines Genres, es ist dies wohl der beste amerikanische Kriminalfilm seit John Hustons ‚Asphalt Jungle’ von 1949.“ (Filmkritik 2/1957, S. 28)
  • „Ein ausgezeichneter Film mit viel Spannung, mit schnellen Schnitten, einem nervös abgestuften Stil und verstohlenen kleinen Charakterstudien.“ (Pauline Kael: Kiss Kiss Bang Bang. Boston 1968)
  • „Die verlebten Gesichter der alternden Gauner - die einzige junge männliche Figur ist bezeichnenderweise der Rivale - benötigen nichts weiter als eine normale Glühbirne über ihrem Kopf und die einfachsten Kamera-Aufbauten, um jeder Szene reale Atmosphäre zu geben. Der Dialog von Jim Thompson, dem Autor von Thrillern wie ‚The Getaway’ und ‚The Killer Inside Me’, eröffnet Kubrick Möglichkeiten der Charakterisierung, die seine Kamera leicht ausbauen kann.“ (Walker 1972, S. 62 f.)
  • „Man sollte einen Film wie The Killing nicht unnütz aufwerten. Er wurde mit bescheidenen Mitteln gedreht und war, im Gegensatz zu Kubricks anderen (späteren) Arbeiten, ausschließlich als Unterhaltungsfilm konzipiert. Trotzdem zeigt Kubrick Dinge auf, die in späteren Filmen wiederzufinden sind. So zum Beispiel seine distanzierte, negative Einstellung zu den Personen. ... Natürlich handelt es sich hier um einen Humor der allerschwärzesten Sorte. ... Zu diesem Zeitpunkt [1950er Jahre] aber ist "The Killing" schon wegen seiner Bösartigkeit bemerkenswert.“ (DeVries 1973, S. 9 f.)

Bedeutung

Selbst wenn dieser Film nur bedingt dem Film Noir zuzurechnen ist, so hat dessen Ästhetik in Gestalt stets präsenter Gittermuster doch ihren Niederschlag gefunden: Schatten von Fensterkreuzen und Vorhängen auf Decken und Wänden; Kamerablicke durch die vertikalen Stäbe eines eisernen Bettgestells; George hinter seinem vergitterten Wettschalter und dem Geländer einer Wendeltreppe; der Papageienkäfig in der Wohnung des Ehepaars Peatty; am Ende Johnny hinter dem Maschendraht am Flughafen.

Wie bei einem Puzzle entsteht aus den in der Chronologie ständig vor- und zurückschreitenden Sequenzen erst nach und nach ein Gesamtbild. Anhaltspunkte über die zeitlichen und räumlichen Zusammenhänge liefert dem Zuschauer dabei ein Off-Kommentar, der, gleichsam einer akustischen Stechuhr, exakt über den Zeitpunkt einer jeden Handlung informiert, aber auch dem inneren Monolog der Figuren eine Stimme gibt.

Literatur

  • Interview Stanley Kubrick (mit Renaud Walter). In: Positif Nr. 100-101 (Dez. 1968), S. 19ff.
  • Norman Kagan: The Cinema of Stanley Kubrick. New York 1972
  • Alexander Walker: Stanley Kubrick directs. London 1972
  • Daniel DeVries: The Films of Stanley Kubrick. Michigan 1973
  • Horst Schäfer (Hrsg.): Materialien zu den Filmen von Stanley Kubrick. Duisburg 1975

Weblinks


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