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Deutsch-Mittelafrika
Aus Kefk.
Die Formung der Kolonie „Deutsch-Mittelafrika“ war eines der am hartnäckigsten verfolgten deutschen Kriegsziele im ersten Weltkrieg.
Zentrales Ziel der deutschen Kolonialpolitik war ein möglichst geschlossenes Kolonialreich in Zentralafrika durch Landbrücken zwischen den Kolonien Ostafrika, Südwestafrika und Kamerun.
In den deutsch-britischen Verhandlungen zur Aufteilung der portugiesischen und belgischen Afrikabesitzungen gab es erste konkrete Pläne. Im Juli 1913 einigten sich die Partner auf den Anspruch Deutschlands auf Angola, außer dem Grenzgebiet zu Nordrhodesien, sowie auf Sao Tomé und Principe, während England Mosambik bis zum Lugenda beanspruchte. Ein Vorschlag des Staatssekretärs des Reichskolonialamtes Wilhelm Heinrich Solf zur Beschneidung des Belgisch-Kongo, mit Katanga und dem äußersten Nordosten an England, der Region nördlich des Kongo an Frankreich, sowie einer breiten Verbindung zwischen Angola und Deutsch-Ostafrika an das Reich, scheiterte letztlich am britischen Widerstand. Ansprüche gegen das verschuldete Portugal durchzusetzen, erschien eben viel leichter, als gegen das wirtschaftlich prosperierende Belgien.
Ein weiterer Vorschlag von Solf, der im August und September 1914 ein konkretes Mittelafrikaprojekt entwarf, war die "Verteilung der afrikanischen Kolonien Frankreichs, Belgiens und Portugals", das Reichskanzler Bethmann Hollweg schließlich in sein Septemberprogramm einschloss. Das neue geschlossene mittelafrikanische Kolonialreich Deutschlands sollte folgende Gebiete umfassen: Angola, die Nordhälfte von Mosambik, Belgisch-Kongo, mit den Kupfergruben Katangas als wertvollstem Einzelobjekt, Französisch-Äquatorialafrika bis auf die Höhe des Tschadsees, Dahomé und das Gebiet südlich des Nigerbogens bis Timbuktu. Dieses Projekt der Schaffung eines "zusammenhängenden mittelafrikanischen Kolonialreiches" blieb, in manchen Bereichen noch stark erweitert, fortan grundsätzlich ein Bestandteil der amtlichen deutschen Kriegsziele.
Im Frühjahr 1918 stimmt Solf sogar den Forderungen des deutschen Kolonialvereines zu. Nach diesen Forderungen sollten deutsch werden: die "Flussgebiete des Senegal und Niger und südlich von diesen bis zum Meere" (also mit Nigeria), neben den alten Forderungen in Zentralafrika; - die Herrschaft vom Kap Verde bis zum Oranje im Westen, Nordrhodesien, Nordmosambik, Uganda, Kenia, Madagaskar, die Komoren und Dschibuti im Osten. An Stützpunkten für die Erhaltung des zukünftigen Weltreiches forderte der Admiralstab im Mai 1917 die Azoren, Dakar mit Senegambien als Hinterland (andernorts auch die Kapverdischen- und Kanarischen Inseln sowie Madeira), Valona oder das Nutzungsrecht für Cattaro oder Alexandrette, Réunion, Osttimor, Neukaledonien, Yap und Tahiti.
Insgesamt gesehen spielte das "Mittelafrikaprojekt" und das Stützpunktprogramm in der deutschen Kriegszielpolitik aber nur eine untergeordnete Rolle, glaubte man doch, sie durch einen Sieg in Europa wie von selbst zu erreichen. Andererseits wurde das Ziel Mittelafrika im weiteren Verlaufe des Krieges von liberal gesinnten Politikern mehr und mehr als Ersatz- und Ablenkungsziel für die Nation, fort von wilden Annexionsforderungen in Europa, benutzt. Kolonien waren für Deutschland eher Aufputz und Ausdruck seiner (Welt-)Macht. Die deutschen Konzepte für ein geschlossenes Mittelafrika erwarteten von ihrer Verwirklichung den sichtbaren Beweis der deutschen Weltmacht und rechneten, dass Mittelafrika für Deutschland die Bedeutung erlangen würde, die Indien für England hatte. Aber Schwerindustrie und Banken hatten schon vor dem Krieg wenig Interesse an "Kolonialreichen, die im Monde liegen", gezeigt und drängten auf die europäische Expansion.
Literatur
- Rolf Peter Tschapek: Bausteine eines zukünftigen deutschen Mittelafrika. Deutscher Imperialismus und die portugiesischen Kolonien, Deutsches Interesse an den südafrikanischen Kolonien Portugals vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg. 2000, ISBN 3-515-07592-5 (Rezension)
