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Desinfektion

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Laut dem Deutschen Arzneimittelbuch (DAB) bedeutet „Desinfektion“: „Totes oder lebendes Material in einen Zustand versetzen, dass es nicht mehr infizieren kann“.

Zur Desinfektion verwendet man verschiedene Desinfektionsmittel. Je nach ihrem Einsatzort werden Händedesinfektionsmittel, Flächendesinfektionsmittel und Instrumentendesinfektionsmittel unterschieden.

Technisch unterscheidet man zwischen Desinfektion und Sterilisation. Von Desinfektion spricht man bei einer Keimreduktion um einen Faktor von mindestens 105, soll heißen: von ursprünglich 100.000 vermehrungsfähigen Keimen (so genannte koloniebildende Einheiten - KBE) überlebt nicht mehr als ein Einziger. Ab einem Faktor von mindestens 106 wird von Sterilisation gesprochen.

Bei der Desinfektion der Hände unterscheidet man zwischen der so genannten „hygienischen“ und der „chirurgischen“ Händedesinfektion.

Inhaltsverzeichnis

Desinfektionsmittel

Desinfektionsmittel Bakterien Sporen Pilze Viren Anwendung
Oxidationsmittel bakterizid sporozid fungizid viruzid Haut, Schleimhaut, Oberflächen, Instrumente
Halogene
(Chlor, Iod)
bakterizid langsam sporozid fungizid viruzid Chlor: Oberflächen, Wasser
Iod: Haut, Schleimhaut
Alkohole bakterizid wirkungslos fungizid viruzid Haut, Schleimhaut, Oberflächen, Instrumente
Aldehyde bakterizid langsam sporozid fungizid viruzid Oberflächen, Instrumente
Phenole bakterizid / bakteriostatisch wirkungslos fungizid viruzid (variabel) Haut, Schleimhaut, Oberflächen, Instrumente
Ethylenoxid bakterizid wirkungslos fungizid viruzid Oberflächen, Instrumente, thermostabile Arzneimittel, Lebensmittel
Detergenzien bakterizid (variabel) wirkungslos fungistatisch wirkungslos Haut, Schleimhaut
Chlorhexidin bakteriostatisch wirkungslos fungistatisch virustatisch Haut, Schleimhaut

Bekannte Desinfektionsmittel und ihre Wirkstoffe

  • Sagrotan ist der Markenname eines Desinfektionsmittels für Gegenstände, Haut und Flächen. Es ist wirksam gegen schädliche Bakterien, Pilze und spezielle Viren. Wirksame Bestandteile des Mittels sind 1-Propanol, Ethanol und Glyoxal. Jahrelang wurde es fast ausschließlich in Kliniken und Krankenhäusern verwendet, hat aber in der Zwischenzeit auch Eingang in die Haushalte gefunden. Diese Produkte wurden vor dem Krieg in Deutschland und werden heute noch zusätzlich in den USA unter dem Markennamen Lysol vertrieben, in Großbritannien unter dem Markennamen Dettol (Hersteller Reckitt Benckiser).
  • Sterillium ist der Markenname eines Desinfektionsmittels zum Einreiben der Haut. Sterillium ist bakterizid, fungizid, tuberkulozid, begrenzt viruzid (inkl. Hepatitis B, Hepatitis C, HIV (gem. RKI-Empfehlung Bundesgesundheitsblatt 01/2004)). Wirksam gegen Herpes-, Influenza A-, SARS-Virus; Adeno-, Papillom- und Rotavirus. Wirksame Bestandteile des Mittels sind 2-Propanol, 1-Propanol und Mecetroniumetilsulfat. Wird hauptsächlich im professionellen Bereich eingesetzt.
  • Sagrotan in seiner ursprünglichen Zusammensetzung bestand aus 10g 2-Benzyl-4-chlorphenol; 44,7g 4-chloro-3-methylphenol; 70g 2-hydroxybiphenyl pro Liter Konzentrat. Hiervon genügte ein Esslöffel pro Eimer Wasser, um insbesondere in Krankenhäusern sterile Bedingungen zu schaffen. Das in Spraydosen käufliche "SAGROTAN Hygiene-Spray" besteht zu 93,9% aus Ethanol mit einer Spur (0,05g) Benzalkoniumchlorid als Wirkstoff. (Quellen: Etiketten der Original-Packungen)

Probleme beim Einsatz von Desinfektionsmitteln

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Resistenzen

Desinfektionsmittel müssen professionell und strategisch verwendet werden. Eine gewohnheitsmäßige Anwendung im Haushalt ist dagegen eher nachteilig. Unsachgemäße Anwendung kann zu Bildung von mutationsbedingten Resistenzen führen. Oft weisen gegen Desinfektionsmittel widerstandsfähige Bakterien auch eine erhöhte Antibiotikaresistenz auf.

Schädigung der Haut

Desinfektionsmittel schädigen die wichtige Hautflora nicht langfristig. Sie wird vom Mittel angegriffen (gelöst) und auf der Hand wieder verteilt. Nach Trocknung des Desinfektionsmittels an der Luft ist die vorher vorhandene Hautflora in großen Teilen immer noch vorhanden. Eine wirkliche Schädigung erfolgt erst bei zu häufigem Händewaschen vor der Desinfektion der Hände. Durch das gewöhnliche Händewaschen, z. B. mit Seife, wird die Hautflora angegriffen, gelöst und abgewaschen.

Auswirkungen auf die Umwelt

Wenn Desinfektionsmittel nicht richtig entsorgt oder bedenkenlos im Haushalt eingesetzt werden, gelangen sie in die Kläranlagen und stören dort das wichtige Zusammenspiel einer Vielzahl von Bakterienarten, wodurch die Reinigungswirkung herabgesetzt wird. Viele Desinfektionsmittel wirken zudem ökotoxisch auf Gewässer.

Desinfektion von Flüssigkeiten

Die Desinfektion von Abwässern, Trinkwasser oder flüssigen Medien kann durch verschiedene Verfahren erfolgen. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen chemischen und physikalischen Verfahren zur Desinfektion.
Besonders gebräuchliche chemische Verfahren basieren auf der Zugabe von Chlor, Chlordioxid, Wasserstoffperoxid oder Ozon.
Gebräuchliche physikalische Verfahren basieren auf der Erhitzung des Mediums (Pasteurisation oder Dampfdruck im Autoklav) oder der Bestrahlung mit UV-Licht.

Literatur

  • Anonymus: Liste der vom Robert Koch-Institut geprüften und anerkannten Desinfektionsmittel und -verfahren. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz 46(1), S. 72 – 95 (2003), ISSN 1436-9990
  • M. Klude, U. Seebacher, M. Jaros: Potenzielle Gefährdung von Mensch und Umwelt durch Desinfektionsmittel in der Krankenhaushygiene. Eine vergleichende Bewertung. Krankenhaus Hygiene und Infektionsverhütung 24(1), S. 9 - 15 (2002), ISSN 0720-3373
  • Udo Eickmann, Jochen Türk, Renate Knauff-Eickmann, Kerstin Kefenbaum, Monika Seitz: Desinfektionsmittel im Gesundheitsdienst. Informationen für eine Gefährdungsbeurteilung. Gefahrstoffe - Reinhaltung der Luft 67(1/2), S. 17 - 25 (2007), ISSN 0949-8036

Weblinks

Siehe auch

Händedesinfektion, Sterilisator, Oligodynamie

Wikipedia
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