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Desertifikation
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Desertifikation oder fortschreitende Wüstenbildung bezeichnet die Verschlechterung des Bodens in relativ trockenen (ariden, semiariden und trocken sub-humiden) Gebieten. Diese Bodendegradation bewirkt die Ausbreitung bzw. Entstehung von Wüsten oder wüstenähnlichen Verhältnissen. Die meist vorgelagerte Entwicklungsstufe der Steppenbildung wird als Versteppung bezeichnet.
Der Begriff stammt vom lateinischen desertus facere ab, was übersetzt „wüst machen“ oder auch „verwüsten“ bedeutet. Dabei meint der Begriff im Deutschen meist die Wüstenbildung anthropogenen Ursprungs im Gegensatz zur natürlichen Wüstenbildung. Voraussetzung hierfür ist der Eingriff des Menschen in das jeweilige Ökosystem.
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Ursachen
Desertifikation kann durch Ausblasung (Wind), Abschwemmung (Wasser), Versalzung und Skelettierung fortschreiten. Die wesentlichen Ursachen der Desertifikation beruhen auf menschlichen Handlungen, die Desertifikation ist also anthropogen. Daneben spielen aber auch natürliche Schwankungen der Niederschlagsmengen eine Rolle, indem durch Dürreperioden ein Desertifikationsprozess ausgelöst oder verstärkt werden kann.
Der häufigste Eingriff des Menschen in den Naturhaushalt der Trockengebiete besteht in der Überweidung, das heißt, der Viehbestand pro Fläche ist unter den gegebenen trockenen klimatischen Verhältnissen zu groß. Durch das Weiden wird deshalb die Pflanzendecke immer schütterer und der Boden wird aufgelockert. Die Folge ist eine zunehmende Erosion, wodurch dem Pflanzenwuchs die Basis noch weiter entzogen wird.
An zweiter Stelle ist eine unangepasste ackerbauliche Nutzung zu nennen. Verkürzte Brachezeiten, fehlerhafte Bewässerungstechniken, die Erosion begünstigendes Pflügen auf geneigten Flächen in Hangneigung und ungeeignete Pflanzen sind Ursachen von Bodenveränderungen, die zu geringerem Bewuchs und damit stärkerer Erosion führen. Durch chemische Stoffe wie Dünger oder Pestizide und maschinelle Verdichtung wird das Bodenleben beeinträchtigt, was bis zur Ausrottung von Regenwürmern führen kann.
Schließlich ist auch die Entwaldung in Trockengebieten als wichtige Ursache der Desertifikation zu nennen. Die Gewinnung von Ackerland und der Bedarf an Brenn- und Bauholz haben in vielen ariden Gebieten der Erde den Baumbestand dramatisch reduziert, insbesondere in vielen dichtbesiedelten Regionen Afrikas, in denen Holz auch heute noch den wichtigsten Energieträger darstellt.
Folgen
Nach Schätzungen des Millennium Ecosystem Assessment der Vereinten Nationen sind weit über eine Milliarde Menschen und etwa ein Drittel aller landwirtschaftlich nutzbaren Flächen der Erde von Bodendegradation und damit potenziell auch von Desertifikation betroffen. Dies gilt insbesondere für weite Teile Nordafrikas im Bereich der Sahelzone, für Südafrika, Zentral- und Südasien, Australien, Teile Nord- und Südamerikas sowie Südeuropa.
Die Folgen der Desertifikation sind aus ökologischer wie ökonomischer Hinsicht tiefgreifend und dabei fast durchweg negativ. Die land- und insbesondere forstwirtschaftliche Produktivität, Artenvielfalt und auch Individuenzahl nimmt markant ab, was gerade in ärmeren Ländern aufgrund der dort großen Abhängigkeit von natürlichen Ressourcen sowie durch die meist geringen Reserven und Ausweichmöglichkeiten schwerwiegende Folgen haben kann. Desertifikation verringert die Verfügbarkeit von elementaren Ökosystem-Dienstleistungen und gefährdet die menschliche Sicherheit. Sie stellt daher ein wichtiges Entwicklungshindernis dar, weshalb die Vereinten Nationen das Jahr 2006 zum Internationalen Jahr der Wüsten und Wüstenbildung proklamiert haben.
Gegenmaßnahmen
Eine wirksame Gegenstrategie zur Desertifikation lässt sich im Regelfall nur durch ein Maßnahmenpaket mit sowohl forst- und landwirtschaftlichen wie auch sozialen und politischen Aspekten umsetzen. So lassen sich beispielsweise Wiederaufforstungsprojekte zusammen mit der Anlage von Waldschutzstreifen nur dann dauerhaft umsetzen, wenn in der lokalen Bevölkerung einerseits ein Problembewusstsein und andererseits eine Alternative zum Feuerholz existiert. Dabei sind auch Fragen des lokalen Bevölkerungswachstums und der Verstädterung entscheidend, da sie derartige Alternativen oft unmöglich machen können.
Weiterhin ist es notwendig, auch die ökonomischen und politischen Probleme der betroffenen Länder zu lösen, um eine wirksame und langfristige Bekämpfung der Desertifikation zu erreichen. Ein in der Entwicklungszusammenarbeit häufig diskutierter und vielversprechender Ansatz sind agrarforstliche Maßnahmen. Dabei werden auf Ackerflächen Bäume gepflanzt. Diese bremsen einerseits die Erosionswirkung des Windes und andererseits mindern sie aufgrund ihrer Schattenwirkung die Verdunstungsverluste und steuern so der Aridifizierung des Bodens entgegen.
Ein anderer Ansatz aus dem Iran ist die Berieselung mit Schweröl. Dabei werden Flugsand und Wanderdünen mit auf mindestens 40 Grad erwärmtem Schweröl berieselt. Das Öl dringt dabei nur fingernageltief in die Oberfläche ein und bindet den lockeren Sand der Oberfläche. Die Verdunstung wird gebremst und durch Zwischenräume, die gelassen werden, kann weiterhin Wasser einsickern. Im Winter ist unter der Schicht eine höhere Bodenwärme und nach wenigen Jahren hat sich die Ölschicht zersetzt und zerbröckelt. Im Schutz dieser Schicht kann sich zuvor ausgesäte Vegetation entwickeln, Gräser, Sträucher und gesetzte Baumstecklinge schlagen Wurzeln und durchbrechen die Schicht. Pro Hektar werden dabei etwa 2500 Liter Schweröl benötigt. In der Nähe der Stadt Ahwaz in der iranischen Provinz Chuzestan wurden auf diese Weise bereits über 60 Quadratkilometer Petro-Wald kultiviert. Diese Versuche mit Mettöl-Raffinerie-Rückständen wurden 1960 in Zusammenarbeit mit Exxon durchgeführt.
Siehe auch
- Wüste
- Ökosystemdienstleistungen
- Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD)
Literatur
- Aboubacry Athie: Die politischen Implikationen der Wasserverfügbarkeit in Afrika südlich der Sahara dargestellt am Beispiel der Sahelländer Westafrikas. 1. Auflage. wvb Wissenschaftlicher Verlag, Berlin Dezember 2002
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- Helmut Geist: The Causes and Progression of Desertification. Abingdon, Ashgate 2005
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- Horst G. Mensching: Desertifikation. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt März 1998
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- Millennium Ecosystem Assessment (Hrsg.): Ecosystems and Human Well-being: Desertification Synthesis. World Resources Institute, Washington (DC) 2005
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- Kayode Salau (Hrsg.): Bildkorrekturen. Der Desertifikation auf der Spur. Wie der Entwicklung der Boden entzogen wird. Internationale Weiterbildung und Entwicklung (InWEnt), Dezember 2005
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- United Nations Environment Programme (Hrsg.): Global Deserts Outlook. 2006
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- Jonas V. Müller, Maik Veste, Walter Wucherer, Siegmar-W. Breckle: Desertifikation und ihre Bekämpfung - eine Herausforderung an die Wissenschaft. In: Naturwissenschaftliche Rundschau. 59, Nr. 11, 2006
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Weblinks
Externe Links:
- GTZ CCD-Projekt: deutsche Schnittstelle der Desertifikationsbekämpfung
- Webseite zum International Year on Deserts and Desertification der UN (englisch)
- Deutsche Webseite zum International Year on Deserts and Desertification der UN (deutsch)
- FAO/UNCCD: Informationsportal zum Thema Desertifikation und Trockengebiete
Wiktionary: Desertifikation – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen - Lester R. Brown, The Earth Is Shrinking: Advancing Deserts and Rising Seas Squeezing Civilization (Earth Policy Institute, 15. November 2006 - vgl. Harald Maass, Die Wüste wächst: Die gelbe Gefahr - FR, 6. November 2006)
- Wie Pflanzen Wüsten in Schach halten ("Bild der Wissenschaft", 17. November 2006)
- GTZ: Der Begriff Desertifikation
- Nachrichten über Desertifikation, ihre Ursachen und Folgen von Inter Press Service
- Desertifikations-Infoseite vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
- UNEP Global Environment Outlook (GEO) 3 (mit Satellitenbildern)
- WWF: Desertifikation - Was wir alle dagegen tun können
- Wissensquiz zum UNO-Jahr der Wüste und der Wüstenbildung
- von
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