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Der Brandner Kaspar
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Der Brandner Kaspar ist eine literarische Figur aus dem 19. Jahrhundert.
Inhaltsverzeichnis |
Inhalt
Der 72-jährige Brandner Kaspar ist ein schlitzohriger Schlosser vom Tegernsee. Gott selbst will ihn zu sich in den Himmel holen und der „Boandlkramer“ soll ihn auf seinem Weg nach oben begleiten. Aber mit Kerschgeist macht der schlaue Kaspar den Tod betrunken und ringt ihm mit falschem Kartenspiel weitere 18 Lebensjahre ab.
Doch bereits an seinem 75. Geburtstag trifft Brandner ein Schicksalsschlag. Seine geliebte Enkelin verunglückt in den Bergen und der Kaspar hat keine Freude mehr am Leben. Der Boandlkramer bietet ihm daraufhin an, den Himmel stundenweise auszuprobieren und in seiner Trauer sagt Kaspar zu und geht mit.
Er betritt im wahrsten Sinn ein Paradies: der bayrische Himmel hängt voller Weißwürste, es gibt Kartenspiele und – keine Preußen.
Selbst sein verstorbenes Weib und seine zwei Kinder findet er dort wieder, deshalb beschließt er, dass er einfach „oben“ bleibt und nichts mehr von seinen, noch übrigen, 15 Jahren „unten“ wissen will.
Fassungen
Urfassung
Die wenige Seiten umfassende Kurzgeschichte „Gschicht vom Brandner Kasper“ schrieb der Münchner Schriftsteller Franz von Kobell und wurde 1871 in den Fliegenden Blättern veröffentlicht.
Fassung von Joseph Maria Lutz
Auf Kobells Geschichte basierend, schrieb 1934 der Pfaffenhofener Autor Joseph Maria Lutz ein volkstümliches Theaterstück mit dem Titel „Der Brandner Kaspar schaut ins Paradies“. Die Uraufführung fand in Dresden statt und wurde seitdem auf über 100 Bühnen gespielt. Lutz´ Fassung setzt nicht auf überhitzte dramatische Knalleffekte, wie er selbst schrieb, sondern auf echte Gemütstiefe.
Fassung von Kurt Wilhelm
Der Ururneffe Kobells, Kurt Wilhelm, bearbeitete und inszenierte 1975 das Werk seines Vorfahren für das Residenztheater in München. Die Fassung „Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben“, 1975 uraufgeführt, wurde seitdem von über 60 Bühnen übernommen. Wilhelm fügte auch die „himmlischen Szenen“ hinzu.
Film, Funk und Fernsehen
- Auf der Basis der Lutz-Fassung bearbeiteten Erna Fentsch und Carl Wery den Stoff für den Film „Der Brandner Kaspar schaut ins Paradies“. Der 1949 mit Carl Wery und Paul Hörbiger in den Hauptrollen produzierte Spielfilm ist auch unter dem Titel „Das Tor zum Paradies“ bekannt.
- Im Jahr 1954 sendete der Bayerische Rundfunk ein ebenfalls auf der Fassung von J.M. Lutz basierendes Hörspiel unter dem Titel „Der Brandner Kaspar schaut ins Paradies“. Sprecher und Sänger waren unter anderem der Roider Jackl und Rudolf Vogel, Regie führte Alois Johannes Lippl.
- Die Inszenierung von Kurt Wilhelm wurde 1975 unter dem Titel „Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben“ mit Fritz Straßner und Toni Berger in den Hauptrollen für das Fernsehen des BR produziert. Diese Fassung wird jährlich an Allerheiligen vom Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt.
- Die Inszenierung von Christian Stückl, dem Intendanten des Münchner Volkstheaters, steht seit April 2005 auf dem Spielplan des Münchner Volkstheaters und wurde an Allerheiligen 2006 erstmals durch das Bayerische Fernsehen ausgestrahlt. Maximilian Brückner spielt den Boandlkramer, Alexander Duda den Brandner Kaspar. Die Jungen Riederinger wirken als Engerl und Putten blasmusikalisch mit.
Theater
Kurt Wilhelms Fassung „Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben“ steht seit der Uraufführung im Residenztheater immer wieder auf dem Spielplan der großen Münchner Theater.
Event
1969 eröffnete Dagmar Brandner (Dekorateurin) das heute deutschlandweit bekannte Kult- und Eventlokal „Brandner Kaspar“ in München. In Anlehnung an die literarische Geschichte verwandelt Frau Brandner dieses "In-Lokal" seit 1969 4 mal pro Jahr in immer wieder neue Theaterszenen sowohl an die Jahreszeiten wie auch an spezielle Anlässe angepasst und begeistert das Publikum jung und alt über Generationen hinweg. Der „Brandner Kaspar“ in München wird heute sehr oft für Parties und Feste gebucht.
Sonstiges
Die Geschichte des Tegernseer Büchsenmachers war auch Grundlage für einen Roman von Anton Maly, den er 1953 unter dem Titel „Der Brandner Kasper“ veröffentlichte.
Weblinks
- Infos auf der Homepage des Bayerischen Rundfunks
- Urfassung von Franz von Kobell bei Projekt Gutenberg-DE
- Homepage des Kult- und Eventlokals „Brandner Kaspar“ in München
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