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Demokratischer Frieden

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Der Begriff Demokratischer Frieden entstammt der Politikwissenschaft und entwirft die Hypothese, dass zwischen demokratischen Staaten keine kriegerischen Auseinandersetzungen stattfinden. Die Theorie des Demokratischen Friedens lässt sich in einen normativen und einen objektivistisch-analytischen Strang unterteilen. Die normative Spielart des Demokratischen Friedens entwickelt ein Demokratisierungspostulat mit der Begründung so zur Befriedung der internationalen Beziehungen beizutragen. Der objektivistisch-analytische Strang des Demokratischen Friedens beschäftigt sich mit Verifikation bzw. Falsifikation der o.g. Hypothese und beleuchtet ausführlich auch die Widersprüchlichkeit des Demokratischen Friedens: Während Angehörige rein demokratischer Staatengruppen stets friedvoll zu interagieren scheinen, verfolgen Demokratien gegenüber Nicht-Demokratien häufig höchst aggressive Außenpolitiken. Während für die Politikwissenschaft der objektivistisch-analytische Strang von größerer Bedeutung ist, führen Außenpolitiker häufig normativ eingefärbte Überlegungen zum Demokratischen Frieden an. Letzteres beispielsweise ist an der ersten Amtszeit der US-amerikanischen Bush-jr.-Administration aufzuzeigen, die ihre Kriege im Nahen Osten unter anderem mit dem Argument rechtfertigte, eine Demokratisierung der Region trage zur weltpolitischen Sicherheit im Allgemeinen bei.

Inhaltsverzeichnis

Erklärungsansätze

Das Theorem steht in der Tradition der Philosophie von Immanuel Kant - insbesondere seiner Schrift Zum ewigen Frieden. Kant entwickelt unter anderem den Gedanken, dass Kriege häufig vor allem im Interesse von politischen Machthabern seien, nicht aber im Interesse von Staatsbürgern liegen, die im Kriegsfall im Gegensatz zu Regierungen kostspieligere Ressourcen, zum Beispiel Menschenleben während einer Schlacht, zur Verfügung stellen müssten. Daraus folgt, dass ein Staat, in dem politische Entscheidungen bei der Mehrheit der Staatsbürger liegen, also eine Demokratie, tendenziell friedliche Außenpolitiken betreiben wird. Gleichwohl steht dem der empirische Befund gegenüber, dass Demokratien durchaus Kriege gegen Nicht-Demokratien beginnen. Neben die ursprüngliche Kant'sche Erklärung hat die moderne Politikwissenschaft daher weitere Ansätze gestellt. Häufister Erklärungspfad für den demokratischen Frieden sind die starken ökonomischen Interdependenzen die Kriege unwirtschaftlich machen würden. Sie würden zu einer massiven Schädigung der nationalen Ökonomien führen. Ein weiterer Erklärungsansatz hebt auf die "Wertegemeinschaft" von Demokratien und ihre gemeinsame Verpflichtung für das Völkerrecht ab.

Standort in der Theorielandschaft

Das Theorem des Demokratischen Friedens gilt als wichtiger so genannter liberaler oder subsystemischer Ansatz innerhalb der Theorien über Internationale Beziehungen. Im Gegensatz zum klassischen Realismus zeichnen sich derartige Ansätze wie beispielsweise der Utilitaristische Liberalismus oder der Konstruktivistische Liberalismus (auch: Ideationistischer Liberalismus) dadurch aus, nicht nur die zwischenstaatliche Ebene Internationaler Beziehungen zu beleuchten. Sie erklären Politikergebnisse auf internationaler Ebene vielmehr durch eine Beleuchtung der innersystemischen Verfasstheit der jeweils beteiligten Staaten. Liberal angesetzt kann die außenpolitische Friedfertigkeit eines Staates also beispielsweise, wie im Fall des Demokratischen Friedens, mit Verweis auf den Demokratisierungsgrad seines eigenen politischen Systems erklärt werden.

Politikerklärungen des Demokratischen Friedens können beide von der Politikwissenschaft im Bereich der Internationalen Beziehungen grundgelegten Handlungslogiken verwenden: das Modell des homo oeconomicus sowie das des homo sociologicus. In ersterem Fall erklären Autoren den Demokratischen Frieden auf Basis des Rational-Choice-Modells, so beispielsweise jener oben genannte ursprüngliche Erklärungsansatz, der darauf verweist, die Mehrheit der Bürger eines Staates hätten selten Interesse an einem Krieg. Zur zweiten Kategorie zählen Arbeiten, die sich mit dem Thema einer Wertegemeinschaft unter Demokratien befassen.

Forschung in Deutschland

In der deutschen Politikwissenschaft beschäftigt sich insbesondere die HSFK - Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung in Frankfurt a. M. mit dem Thema des Demokratischen Friedens. Darüber hinaus arbeitet der Tübinger Politologe Andreas Hasenclever zum Thema.

Kritik

Das Theorem des Demokratischen Friedens sieht sich unterschiedlicher und zum Teil harscher Kritik ausgesetzt. Die häufigsten Kritiken sind:

  • Es gebe keinen wesentlichen Unterschied zwischen den Wirtschaftsbeziehungen von Demokratien untereinander und denen einer Demokratie z.b. mit einer Diktatur.
  • Eine westliche Wertegemeinschaft oder etwas derartiges lasse sich empirisch nicht belegen.
  • Der Bruch oder die Befolgung von Völkerrecht hänge nicht mit der inneren Verfasstheit eines Staates zusammen.

Literatur

Hasenclever, Andreas: Liberale Ansätze zum "demokratischen Frieden", in: Schieder, Siegfried u. Spindler, Manuela (Hrsg.): Theorien der Internationalen Beziehungen, Opladen 2003, S. 199ff.

Risse-Kappen, Thomas: Democratic Peace – Warlike Democracies? A Social Constructivist Interpretation of the Liberal Argument. in: European Journal of International Relations. Vol. 1(4), 1995, 491-517.

Weblinks

Wikipedia
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