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Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung

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Die Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung m.b.H. (kurz: Degesch) mit Sitz in Frankfurt am Main war ein Chemieunternehmen, das sich sich mit dem Vertrieb von Schädlingsbekämpfungsmitteln (vor allem Entwesungsmitteln) befasste und diese zeitweilig auch als Serviceleistung in Silos und Warenlagern anwandte. Sie war die Inhaberin des Patents zur Herstellung von Zyklon B, das im Nationalsozialismus auch für die Massentötungen eingesetzt wurde.


Inhaltsverzeichnis

Beteiligungen

Die Degesch war an zwei Firmen beteiligt:

  • Tesch & Stabenow GmbH (Testa) von 1927 bis 1942 mit 55%, danach im Alleinbesitz von Bruno Tesch - für das Gebiet östlich der Elbe
  • Heerdt-Lingler GmbH (HeLi) - für das Gebiet westlich der Elbe. Diese Firma wurde von 1941 an in Personalunion vom Geschäftsführer der Degesch, Dr. Gerhard Peters, geleitet.
  • 1979 fusionierte die nach dem Krieg neu gegründete Testa mit der Heerdt-Lingler GmbH (HeLi) unter finanzieller Beteiligung der Degesch[1].

Gründung

Das Kaiser-Wilhelm-Institut für physikalische Chemie und Elektrochemie unter der Leitung von Fritz Haber beschäftigte sich mit dem Problem des Massenauftretens von Nagern in Mühlen und der Verlausung in Massenunterkünften um 1915. Das Institut entwickelt gleichfalls Kampfgase für den Kriegseinsatz. 1917 wurde der Technische Ausschuss für Schädlingsbekämpfung TASCH gegründet, in dem das KWIin und die Firma DEGUSSA vertreten waren. Im April 1917 erfolgte die erste Durchgasung mit Blausäure unter Leitung dieses Ausschusses, der nach Ende des Ersten Weltkriegs aufgelöst wurde. [1]

Vor der Auflösung der TASCH am 31.März.1919 wurde auf Initiative Fritz Habers [1] am 13. März 1919 in Berlin die Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung mbH unter Beteiligung des Deutschen Reiches als gemeinnütziges Wirtschaftsunternehmen gegründet. Das Stammkapital von 1.010.000 Mark wurde von zehn Firmen erbracht, unter anderem der DEGUSSA und der BASF.

Firmengeschichte 1919-1945

1920 erfolgte die Verlegung des Stammsitzes nach Frankfurt/Main, später nach Friedberg/Hessen. Fritz Haber entwickelte als Mitarbeiter nach dem I.Weltkrieg ein auf Blausäurebasis schnell wirkendes Gas zur Dezimierung von Mäuseplagen [1]. Er verbesserte das riskante amerikanische Verfahren in dem er Blausäure (mit Stabilisator und Warnstoff), auf einem porösen Trägermaterial aufbrachte. Durch das langsame Lösen der Blausäure vom Trägermaterial war es sicherer[1].

Ab 1922 wurde die Firma privatrechtlich geführt. Die Degussa wurde Alleingesellschafterin; die Geschäftsführung übernahm Dr. Walter Heerdt, der 1922 ein Verfahren zur Aufsaugung der niedrig siedenden Blausäure in Kieselgur fand (DRP 438.818 ausgegeben am 27. Dezember 1926, patentiert ab 20. Juni 1922). 1922 nahm die Degesch Verhandlungen mit der Dessauer Zuckerraffinerie GmbH über die Produktion von Zyklon B auf. 1924 genehmigten die Behörden die Produktion. Im Auftrag und auf Rechnung der Degussa stellte die Dessauer Zuckerraffinerie GmbH nun Zyklon B her, welches dann provisionsfrei an die Degesch ausgeliefert wurde.[1]. Diese hatte dazu eine eigens eingerichtete Außenstelle in Dessau. Der Verkauf ihrer Produkte erfolgte über die Firmen „Tesch & Stabenow“ und „Heerdt-Lingler“.

1930 wurde die IG Farben Mitgesellschafterin der Degesch. Sie war an ihr mit 30% beteiligt. 1936 änderte sich das Gesellschafterverhältnis erneut. Nun gehörte die Degesch zu 42,5% der IG Farben, zu 42,5% der Degussa und zu 15% dem Theo Goldschmidt Konzern.[1]. Bis 1930 stieg der Bedarf auf 100.000 kg monatlich. [1]

2003 bekannte sich die Degussa unter Vorstandsvorsitzenden Professor Dr. Utz-Hellmuth Felcht als ehemalige Miteigentümerin der Degesch dazu, dass die Degesch Zyklon B herstellte, welches zwischen 1941 und 1944 systematisch für Massenmorde an den Menschen in den Vernichtungslagern eingesetze wurde. Daran verdiente die Degesch pro Jahr 200000 RM [1].

Firmengeschichte nach 1945

Auch nach Ende des Zweiten Weltkrieges führte die Degesch ihr angestammtes Geschäft fort. Nach Zwangsauflösung der I.G. Farben waren folgende Gesellschafter beteiligt:

1986 wurde die Degesch an einen Wettbewerber, die Detia Freyberg GmbH in Laudenbach veräußert, die das Geschäft unter der Firma Detia-Degesch GmbH fortführt. Sowohl die Detesch als auch die Detia Freyberg GmbH stellen weiterhin ein blausäurehaltiges Entwesungsmittel unter den Namen Cyanosil und Zedesa Blausäure für das Inland und als Zyklon für das Ausland her [1].

Eine Tochterfirma DEGESCH America, Inc vertreibt Begasungsmittel in den USA [1] Eine weitere Firma Degesch de Chile Ltda existiert in Chile[1]

Strafrechtliche Folgen

Im IG-Farben-Prozess hatte sich der Geschäftsführer der Degesch, Dr. Gerhard Friedrich Peters, als Zeuge selbst indirekt belastet. Er sei von Kurt Gerstein über die Tötung von Menschen mit Zyklon B informiert und um Lieferung des Gases ohne die übliche Beimengung von Warn- und Reizstoff ersucht worden.

1949 stand Peters deshalb vor dem Schwurgericht in Frankfurt und wurde wegen Beihilfe zum Mord zunächst zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Das Strafmaß wurde 1953 im Revisionsverfahren rechtskräftig auf sechs Jahre festgesetzt; Peters trat die Strafe an. Doch 1955 wurde Peters im Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen, da erfolglose Beihilfe durch Strafrechtsänderungsgesetz vom August 1953 nach höchstrichterliche Auslegung nicht mehr strafbar war. Es sei nicht sicher, dass mit den gelieferten 3.970 kg Gift ohne Reizstoff Menschen getötet worden seien, denn Gerstein habe das Zyklon B teilweise als verdorben bezeichnet und dem beabsichtigten Tötungszweck entzogen.

Auch der Vorsitzender des Vorstandes von 1939 bis 1945, Hermann Schlosser [1], hatte sich als Zeuge der Anklage im Prozess gegen den Vorstand der IG Farben durch seine Aussage der Beihilfe verdächtig gemacht. Er wurde im Februar 1948 verhaftet, jedoch schon im April freigesprochen; später konnte er wieder als Vorstandsvorsitzender amtieren.[1].

Der Inhaber der Liefer-Firma Tesch & Stabenow sowie sein Geschäftsführer wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Einzelnachweise


Literatur

  • Jörg Friedrich: Die kalte Amnestie. NS-Täter in der Bundesrepublik. Fischer TB 4308; Frankfurt/M 1984 ISBN 3-596-24308-4 (Seite 204 bis 213 kritischer Bericht über Zyklon-B-Prozess gegen Peters)

Weblink

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