Das Kefk Network Wiki befindet sich im Testbetrieb.
Daseinskompetenz
Aus Kefk.
| Bild:Nuvola apps kcontrol.png | Dieser Artikel wurde auf den Seiten der Qualitätssicherung eingetragen. Hilf mit, ihn zu verbessern, und beteilige dich an der Diskussion! Folgendes muss noch verbessert werden: Wikifizierung; Relevanz unklar --Enlil2 19:35, 24. Apr. 2007 (CEST)
|
| Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Daseinskompetenz, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. |
Daseinskompetenz ist ein Begriff, der von der Gießener Haushaltswissenschaftlerin Prof. Dr. Annemarie von Schweitzer in die Diskussion eingebracht worden ist. Dies geschah vor allem in dem unter ihrer Federführung erstellten 5. Familienbericht der Bundesrepublik Deutschland von 1994 (fertiggestellt im Oktober 1993). Im gleichen Bericht wurde auch ein Schwerpunkt auf das Konzept "Humanvermögen" gelegt (Humankapital). Dafür ist ihr im Jahr 2003 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen worden. Größere Diskussionen scheint der Begriff Daseinskompetenz allerdings bisher nur in der Schweiz ausgelöst zu haben.
Der 5. Familienbericht kritisiert, daß im westlichen Bildungssystem nur Fachkompetenzen vermittelt werden für den jeweiligen beruflichen Lebensweg aber keine Daseinskompetenzen für den privaten und familiären zukünftigen Lebensweg des einzelnen jungen Menschen. Die Familienberichtskommission bezeichnet als Daseinskompetenzen die "Fähigkeit, sich selbst in komplexe Felder sozialer Beziehungen einzuordnen und mit diesen gestaltend umzugehen".
Der Familienbericht führt aus: Frauen und Männer "werden durch keinerlei kompetent und pflichtmässig angebotene Bildungsgüter auf die Gestaltung des Familienalltags vorbereitet. Gleichzeitig nehmen die Anforderungen an die Gestaltungsaufgaben rasant zu, bedingt durch die Pluralisierung der Lebensformen, der Erweiterung der Handlungs- und Entscheidungsspielräume und der hohen Glücks- und Zufriedenheitserwartungen an das Zusammenleben in Partnerschaft sowie mit Kindern. Probleme der Trennung und Scheidung, der Unterhalts- und Vermögenssicherung sowie der Begründung neuer Partner- und Elternschaften und neuer Lebenskonzeptionen werden durch Anwälte, Gerichtsentscheidungen, Sozialämter und Steuerberater begleitet. Eine Instanz zur Unterstützung der familialen Gestaltungskompetenz gibt es nicht. Hier muß jeder sehen, wie er zurecht kommt mit den Krisen und möglichen Katastrophen. Nicht unerhebliche Kranken- und soziale Kosten, Delinquenz, Drogen- und Medikamentenmißbrauch sowie gestörte Biographien dürften hier ihren Ursprung haben." (S. 115) "Fachkompetenzen sind für die Erfüllung bestimmter, in der Regel beruflicher Aufgaben erforderlich, Daseinskompetenzen dagegen betreffen die Lebensführung als Ganzes."
Im einzelnen werden genannt (S. 244):
- Die Kompetenz des Aktivierens der eigenen Kräfte und Anlagen, um den eigenen Lebensentwurf in jeder Lebensphase zu verwirklichen und dadurch den Trend selbst mitzubestimmen (partnerschaftliche eheliche Bindung, Weitergabe des Lebens).
- Die Kompetenzen des Alleinlebens und des Zusammenlebens (Sozialkund schließt Gemeinschaftskunde und Alleinseinkunde ein).
- Die Kompetenz, wegen der Unterschiedlichkeit der Entscheidungen und der Entwicklungsspielräume in sozialer Vielfalt zu leben (Pluralität der Lebensweisen in der eigenen - erweiterten - Familie und im Gemeinwesen).
- Die Kompetenz der Unterscheidung zwischen Selbstverwirklichung zugunsten anderer oder auf Kosten anderer (Egoismus oder partnerschaftliche Solidarität? Dienen und Teilen als Schlüsselkompetenzen der Daseinsbewältigung).
- Die Kompetenz des Denkens in Wirkungsketten, um die möglichen Folgen von Handlungen und Unterlassungen für sich selbst, für die Lebensgemeinschaft, für das Gemeinwesen abschätzen zu können (Folgen der Übernahme von Elternverantwortung oder von Kinderlosigkeit).
- Die Kompetenz der Unterscheidung von Planbarem und Unplanbarem, da das menschliche Leben zwar unplanbar, die Rahmenbedingungen jedoch planbar sind (Stabilität der Ehe, Nutzungsmöglichkeiten der Wohnung im Familienzyklus, Alterssicherung).
- Die Kompetenz der Integration von ökonomischem, ökologischem und anthropologischem Wissen, damit das Leben und die Lebensgrundlagen in ihrer Ganzheit gesehen, gepflegt und geschützt werden (Pflege der Gesundheit und der Netzwerke, Leben in ethnischer, religiöser und kultureller Vielfalt).
- Die duale Kompetenz der Kritik- und Lobfähigkeit, um das gegenseitige Verdecken von Glück und Unglück zu vermeiden (alltäglicher Kritiküberschuß und alltägliches Lobdefizit).
- Die Kompetenz, mit Krankheit, Schmerzen und Sterben, mit Gebrechen, chronischen Krankheiten und Behinderungen in Würde umzugehen (Gesundheitserziehung schließt Krankheitslehre ein, Gesundheit ist keine Bringschuld anderer Personen oder Institutionen).
- Die Kompetenz der eigenverantwortlichen und partnerschaftlichen Lebensführung in den verschiedenen Lebensaltern des Jungseins, Älterwerdens und Altseins (Gemeinsames Altwerden, Integration von Neuwissen und Erfahrungswissen, Leistungsausgleich der Generationen).
- Die Kompetenz, durch Veränderungsdenken dem Wandel die gewünschte Richtung und Prägung zu geben. Besitzstandsdenken dagegen blockiert die Gestaltung des Wandels. (Jede Familie, jedes Unternehmen, jeder Verband, jedes Gemeinwesen unterliegt Veränderungsdynamik.)
- Die Kompetenz des Vereinbarens langfristigen Denkens zugunsten der Zukunft sowie langfristig bindender biographischer Entscheidungen mit kurzfristiger Optimierung der eigenen Lebensverhältnisse und des gemeinschaftlichen Lebens unter Unsicherheitskonstellationen (Ehe und Kinder, Lebensunterhalt und Alterssicherheit)."
Weblinks
- 5. Familienbericht der Bundesrepbulik Deutschland (1994)
- http://www.gerechtigkeit-fuer-familien.de/start/bmfsfj_5_familienbericht.htm
- http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/25221/
- http://www.antjeschrupp.de/flugschrift/daseinskompetenz.htm
| Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Daseinskompetenz, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. |
