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Das Marmorbild
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Das Marmorbild ist eine Novelle von Eichendorff aus dem Jahre 1818. Erstmals veröffentlicht in "Frauentaschenbuch für das Jahr 1819".
Inhaltsverzeichnis |
Handlung
Ein junger Edelman, namens Florio ist im Zwiespalt seiner Gefühle: Auf der einen Seite stehen Fortunato, ein Freund und Sänger, und Bianka ein Blumenmädchen, das ihn liebt.(Eckhardt)
Auf der anderen Seite stehen das zu Fleisch gewordenen Marmorbild der Venus und der Ritter Donati. Zwei unheimliche dunkle Figuren!
Die Erzählung beginnt, als Florio auf dem Weg in die Stadt Lucca, sein Vorbild, den Sänger Fortunato trifft. Am Abend wird in Lucca ein rauschendes Fest gefeiert, auf dem Florio sich in die schöne Bianca verliebt. Doch plötzlich stürmt ein bleicher, dunkler Ritter (Donati) in die Gesellschaft hinein und leert, ganz im Gegensatz zu der zwar fröhlichen, doch aber stets auf das rechte Maß achtenden Abendgesellschaft, hastig ein Glas Wein. Auch wenn sich Donati meistens an die maßvollen, eleganten Umgangsformen seiner Umgebung anpasst, durchbricht immer wieder ein diabolischer Zug seinen Charakter. Dies wird auch dadurch verstärkt, dass ihm von Eichendorff die symbolische Farbe grünlichgold zugeordnet wird.
- Als sie ans Tor kamen, stellte sich Donatis Roß, das schon vorher vor manchen Vorübergehenden gescheut,
- plötzlich fast gerade in die Höhe und wollte nicht hinein. Ein funkelnder Zornesblitz fuhr fast verzerrend
- über das Gesicht des Reiters und ein wilder, nur halb ausgesprochener Fluch aus den zuckenden Lippen, worüber
- Florio nicht wenig erstaunte, da ihm solches Wesen in der feinen und besonnenen Anständigkeit des Ritters
- ganz und gar nicht zu passen schien.
Als Florio in tiefer Nacht zu seiner Herberge zurückgekehrt ist, kann er keinen Schlaf finden und wird von der im Mondschein liegenden Landschaft fast magisch angezogen. Er schleicht sich also an seinem schlafenden Diener vorbei (oft als Gewissen oder Bewusstsein gedeutet) und entdeckt, als er - wie in Trance - durch den Park wandert ein marmornes Abbild der Göttin Venus, das in ihm eine starke, in seine Jugend zurückreichende Wehmut auslöst. Am nächsten Morgen versucht Fortunato Florios Sorgen zu verscheuchen, jedoch sucht er wieder den geheimnisvollen Weiher, an dessen Ufer das Marmorbild steht auf. Nun herrscht in dem Park fröhliche Betriebsamkeit, doch schon bald gerät er in einen unwirklichen Buchenhain, der ihn weiter zu einem prächtigen Palast führt. In diesem entdeckt er eine singende Edelfrau in Gestalt des Venusbildes, die wie ein Geist, ohne von ihm Notiz zu nehmen vorübergeht. Tiefbewegt eilt Florio weiter und entdeckt bei einem, nun wieder verfallenen Mauerwerk, den tot scheinenden Ritter Donati, den er weckt und nach der Identität der wundersamen Edeldame bestürmt. Dieser macht jedoch kaum klare Aussagen und verspricht Florio einen Besuch bei ihr am folgenden Tage. Am nächsten Tage, einem Sonntag, besucht Donati Florio, um ihn zur Jagd abzuholen, flieht jedoch beim Geläut der Kirchenglocken:
- Unterdes hatte sich der Glockenklang von den Türmen der Stadt erhoben und ging wie ein Beten durch die klare Luft.
- Da schien Donati erschrocken, er griff nach seinem Hute und drang beinahe ängstlich in Florio, ihn zu begleiten,
- der es aber beharrlich verweigerte. «Fort, hinaus!» - rief endlich der Ritter halblaut und wie aus tiefster geklemmter
- Brust herauf, drückte dem erstaunten Jüngling die Hand und stürzte aus dem Hause fort.
Florio ist erleichtert, als kurz darauf Fortunato «wie ein Bote des Friedens» zu ihm kommt, um ihm eine Einladung zu einem Feste am folgenden Abend zu überbringen. Er deutet auch an Florio werde dort eine «alte Bekannte» treffen. Er verbringt den Tag damit wieder durch den Park zu schweifen, doch der Palast, bei dem er tags zuvor die Venus erblickte ist fest verriegelt und verlassen.
Auf dem Maskenball in einem Landhaus trifft er wiederum eine mysteriöse Dame, als Griechin verkleidet und maskiert. Auch von dieser fremden Schönen fühlt er sich angezogen. Die 'Griechin' verwirrt Florio sehr, da er sie auf einmal neben sich und zugleich am anderen Saalende stehen sieht. Als sie verschwindet, sucht er sie und kann sie im Garten beim Singen eines Liedes belauschen. Er erkennt in ihr die schöne Dame, die der Statue gleicht.
Florio, von Sehnsucht übermannt, wird einige Tage später in das Schloß der schönen Dame geführt. Während der Begegnung mit ihr ertönt vor dem Fenster ein altes christliches Lied: plötzlich werden die Statuen und die Figuren auf den Wandteppichen lebendig, von Entsetzen gepackt stürzt er hinaus. Als er in Lucca ankommt, graut der Morgen; er beschließt abzureisen.
Auch Fortunato verläßt die Stadt, und Florio schließt sich ihm und seinen zwei Begleitern an. Die Begleiter entpuppen sich als »das Mädchen mit dem Blumenkranze«, Bianca, und ihr Onkel. Fortunato berichtet in einem Lied vom Zauber der heidnischen Venus, die einmal im Jahr wieder unter den Menschen weilt und in ihrem Tempel Jünglinge verführt. Florio erkennt, als sie an einer Ruine vorbeiziehen, die Stelle wieder, wo der Garten der schönen Dame war; er begreift, daß er das Opfer eines Spuks war und wendet sich Bianca zu.
Entstehungsgeschichte
Obwohl das Marmorbild eine Novelle der Romantik darstellt, kam doch die Anregung dazu vom Barockdichter E.G. Happel. Dieser veröffentlichte 1687 eine Gespenstergeschichte in der ein junger Reisender in Lucca in den Bann einer "teuflischen Frau" gerät, aber noch einmal mit dem Schrecken davonkommt. Auch einzelne Szenen und Figuren z.B. der Ritter Donati kommen bereits bei Happel vor.
Obwohl Eichendorff also viel von diesem früheren Werk übernommen hat meint er in einem seiner Briefe, die Quelle war
- "[...]irgendeine Anekdote aus einem alten
- Buche, ich glaube es waren Happelii
- Curiositates, die entfernte Veranlassung,
- aber weiter auch nichts gegeben hat.."
Die Thematik der Statuenbelebung (die übrigens auch wieder bei Happel zu finden ist) hat eine lange Tradition. Angefangen mit dem römischen Dichter Ovid, der ca. 46 v.Chr. geboren wurde, hat dieser Stoff im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Veränderungen erfahren. Im Mittelalter schließlich stand der Gegensatz zwischen christlicher Erlösungsvorstellung und heidnischer Antike im Vordergrund.
Auf dieser Grundlage schrieb Eichendorff also die Novelle und sandte sie dem befreundeten Ehepaar de la Motte-Fouqué zu. Beide waren große Bewunderer Eichendorffs und der Mann, Friedrich, außerdem Herausgeber des "Frauentaschenbuchs" (einer literarischen Zeitschriftenreihe). In der Ausgabe von 1819 erschien dort "Das Marmorbild".
Interpretation
Fortunato und Bianka verkörpern die helle Seite im Buch, das Christentum, die Erlöserreligion für Eichendorff.
Venus verkörpert hingegen die alte römische Religion: Die Göttin Venus, die dafür bekannt war, dass sie mit den Herzen junger Männer spielte. Es werden Traumwelt und Illusion der realen nüchternen Welt gegenübergestellt, ähnlich wie E.T.A. Hoffmanns Erzählung "Der goldene Topf". Florio entscheidet sich für Bianka, symbolisch also gegen das "sich Verlieren" in der Traumwelt der alten Zeit.
Das Marmorbild ist in die Literaturgattung der Romantik einzuordnen.
Epochenspezifische Merkmale
Eichendorffs Novelle zeigt Merkmale der romantischen Epoche auf: So wurde im Laufe der Zeit der Begriff Romantik erweitert in Richtung der empfindsamen und phantasievollen Schriften, was auf diese Geschichte sicherlich zutrifft. In der Romantik flüchtete man in seine Erinnerungen aus einer guten Zeit.
Bei Eichendorff findet man auch viele solcher Stellen: "Es rauschen die Wälder, schlagen die Nachtigalle, plätschern die Brunnen und blitzen die Ströme" Und immer wieder kommt die Stille und die Ruhe vor. Man weiss nie genau ob Florio etwas träumt oder ob er sich wirklich in der Situation befindet.
Die Welt der Romantik ist äußerst naturverbunden. Es werden auch viele Adjektive benutzt um die Stimmung besser beschreiben zu können. Im Text kommen viele Gedichte vor, was für Eichendorff typisch ist. Der starke christliche Glaube an Gott in dieser Zeit kommt bei diesem Buch ebenfalls sehr oft zum Vorschein. So wird beispielsweise über den Tod geschrieben, dass man von Gott in den Himmel aufgenommen werden würde und dort die Erlösung fände.
Die Realität wird extrem romantisiert, was man an den Träumen Florios sieht. Die Mädchen und Frauen sind dann immer noch schöner und herrlicher als dort, wo er sie zum ersten Mal gesehen hat.
Ein weiteres Merkmal, das besonders in vielen Gedichten von Eichendorff eine bedeutende Rolle spielt, ist der Gegensatz zwischen Tag und Nacht. In "Das Marmorbild" wird der Tag von Fortunato und dem Blumenmädchen verkörpert, er steht für das Wirkliche und die reelle Umsetzung der persönlichen Entwicklung. Die Nacht, die in dieser Novelle vom Ritter Donati und der Venus dargestellt wird, beinhaltet etwas Bedrohliches. In der Nacht träumt der Mensch und vergeudet sozusagen seine Zeit mit Gedanken und Träumen, die mit der Realität nicht zu tun haben. Ein weiterer Konflikt dieser Parteien geht mit der Religion einher: Wie oben genannt, verkörpern der Ritter Donati und die Venus den alten griechischen Glauben und stehen somit als starker Gegensatz zum Christentum, das von dem Sänger Fortunato und dem Blumenmädchen verkörpert wird.
