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Dänisch-Hallesche Mission
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Die Dänisch-Hallesche Mission war das erste organisierte Missionsunternehmen in der protestantischen Kirchengeschichte.
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Geschichte
Im Jahr 1704 beschloss der dänische König Friedrich IV. in der südostindischen Handelskolonie Tranquebar eine Überseemission zu gründen.
Am 9. Juli 1706 betraten die deutschen Missionare Bartholomäus Ziegenbalg (1682/83-1719) und Heinrich Plütschau (1676/77-1752) indischen Boden.
Tranquebar wurde zum Ausgangspunkt protestantischer Missionstätigkeit in Südindien.
Aufgrund der politischen und religiösen Verbindungen zwischen dem dänischen Königshof und pietistischen Kreisen in Deutschland sowie der persönlichen Kontakte zwischen den ersten Missionaren und August Hermann Francke entwickelten sich die Franckeschen Stiftungen in Halle zu einem der wichtigsten Träger der Missionstätigkeit. Die pietistischen Kreise in Halle um Francke und dessen Nachfolger zeichneten für einen Zeitraum von fast 150 Jahren für die Auswahl und Ausbildung neuer Kandidaten zur Aussendung nach Indien verantwortlich.
Ab 1710 beteiligte sich die Society for Promoting Christian Knowledge (SPCK) finanziell und logistisch an der Mission. Mit der Gründung des Missionskollegiums in Kopenhagen versuchte das dänische Königshaus, seine Position als Initiator und Förderer der Mission weiter zu festigen.
Von Tranquebar aus erweiterte die Dänisch-Hallesche Mission ihren Einflussbereich beständig. 1728 trat in Madras mit Benjamin Schultze (1689-1760) offiziell der erste Missionar in anglikanische Dienste. Als weitere Missionsstationen folgten Cuddalore, Kalkutta, Tirucchirappalli und Tanjore.
War mit dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts ein Rückgang der Missionstätigkeit zu verzeichnen, verlor die Tranquebarmission zu Beginn des 19. Jahrhunderts stark an Einfluss. Die politischen und gesellschaftlichen Bedingungen in Europa, die Auswirkungen der napoleonischen Kriege auf Deutschland ließen das Interesse der bisherigen Unterstützergruppen sinken. Die Tranquebarmission bestand offiziell bis zum Verkauf der dänischen Niederlassung in Tranquebar an die Engländer 1845. Bereits seit dem Ende der dreißiger Jahre gab es keine der dänischen Krone unterstellten Missionare mehr in Tranquebar.
Die 1836 in Deutschland gegründete „Evangelisch-lutherische Missionsgesellschaft zu Dresden“, ab 1848 „Evangelisch-Lutherische Missionsgesellschaft zu Leipzig“ verstand sich als Nachfolgeorganisation der Dänisch-Halleschen Mission und entsandte 1840 mit Heinrich Cordes ihren ersten Missionar.
Leistungen
Die Dänisch-Hallesche Mission war eine international und ökumenisch arbeitende Organisation. Ihre Trägerinstitutionen gehörten unterschiedlichen Nationen und Konfessionen an. Die europäischen Missionare waren auf die Unterstützung indischer Mitarbeiter angewiesen, die einen wesentlichen Teil der Bekehrungsarbeit vor Ort leisteten.
Als grundlegende Voraussetzung für die Missionsarbeit beschäftigten sich die Missionare mit den lokalen Sprachen und übersetzten Teile der Bibel, christliche Erbauungsliteratur und Gesangbücher ins Tamil und Telugu, aber auch Portugiesische. Durch den Aufbau von missionseigenen Druckereien verfügten sie über Möglichkeiten, eigene Arbeiten unmittelbar vor Ort und in kurzer Zeit zu drucken.
Das Schulwesen nahm eine zentrale Stellung im Rahmen der Missionsstrategie ein. Die Bildungsinhalte richteten sich nach den örtlichen Erfordernissen und nach den Besonderheiten der Kastenstruktur. Auch Mädchen erhielten eine Elementarbildung. Mit der Handwerksausbildung und dem Realienunterricht lehnten sich die Missionare an das Vorbild der Franckeschen Stiftungen in Halle an. Für die Arbeit an den Schulen bildeten sie eigene Lehrer und Lehrerinnen aus.
Die Missionare bemühten sich ständig um Informationen und aktuelle Fachliteratur, die sie gezielt für eigene Untersuchungen nutzten. Sie standen im Gedankenaustausch mit indischen Gelehrten und mit Wissenschaftlern anderer europäischer Nationen. Mit ihren Briefen, Berichten und Tagebüchern, die in Halle publiziert und weltweit vertrieben wurden, prägten sie das Indienbild des 18. Jahrhunderts maßgeblich. Ihre Forschungen auf den Gebieten der Religion, Sprachwissenschaft, Ethnologie, Naturkunde und Medizin beeinflussten die Wissensentwicklung in Europa.
In Archiv und Bibliothek der Franckeschen Stiftungen zu Halle und des Evangelisch-Lutherischen Missionswerks in Leipzig werden heute ca. 35.000 Handschriften und Drucke aufbewahrt, die von der herausragenden Tätigkeit der Missionare in Südindien zeugen.
Weblinks
- Franckesche Stiftungen zu Halle
- Evangelisch-Lutherisches Missionswerk Leipzig
- Bartholomäus Ziegenbalg in dem Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon mit Literaturangaben
- Artikel Bartholomäus Ziegenbalg in der Allgemeinen Deutschen Biographie (ADB) Bd. 45, S. 155-159
- Heinrich Plütschau in dem Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon mit Literaturangaben
- Artikel Heinrich Plütschau in der Allgemeinen Deutschen Biographie (ADB) Bd. 53, S. 85-87
- Artikel Johann Heinrich Karl Cordes in dem Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon
- Artikel Johann Heinrich Karl Cordes in der Allgemeinen Deutschen Biographie (ADB) Bd. 47, S. 521-525
- "Conversations in Tarangambadi: Caring for the Self in Early Eighteenth Century South India" von Eugene F. Irschick(auf Englisch) Ladezeit abwarten!
Literatur
Andreas Gross, Y. Vincent Kumaradoss, Heike Liebau (Hg.): Halle and the Beginning of Protestant Christianity in India, Volume 1-3: Halle: Franckesche Stiftungen 2006
