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Compliance (Medizin)

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In der Medizin spricht man von der Compliance bzw. Komplianz des Patienten. Damit wird der Umstand angesprochen, dass die Heilung vieler Krankheiten ein kooperatives Verhalten des Patienten voraussetzt. Im medizinischen Sinne kann man Compliance also mit Therapietreue oder konsequentem Befolgen übersetzen, sprich, ob der Patient das tut, was der Arzt ihm vorschreibt. Dies sind jedoch veraltete Vorstellungen von Compliance, in der Pflegewissenschaft wird diese naive Auffassung kritisiert(Evangelista 1999)und eine informierte und autonome Entscheidungsfähigkeit des betroffenen Menschen gefordert. Besonders wichtig ist Compliance bei chronisch oder psychisch Kranken in Bezug auf die Einnahme von Medikamenten, dem Befolgen einer Diät oder der Veränderung des Lebensstils.

Compliance kann vorliegen, wenn der Patient

  • von einer allgemeinen Krankheitsanfälligkeit überzeugt ist,
  • sich seiner Erkrankung gegenüber für besonders anfällig hält,
  • die Ernsthaftigkeit seines Leidens erkennt,
  • an die Wirksamkeit der Therapie glaubt,
  • mit der medizinischen Betreuung zufrieden ist oder
  • von seiner Familie in seinem Befolgungsverhalten unterstützt wird.

Therapietreue kann durch Psychoedukation geschult werden.

Auf den Patienten bezogen bedeutet Compliance: die Bereitschaft, ärztlichen Anweisungen zu folgen. Auf den Arzt bezogen bedeutet Compliance: die Bereitschaft, therapeutische Anweisungen und Strategien auf die Möglichkeit und Wünsche des Patienten abzustimmen. Der ärztliche Sprachgebrauch hat eine Tendenz, dieses zweite Bedeutungsfeld als unwichtigen Inhalt zu unterschlagen. Im angelsächsischen Sprachraum ist neuerdings der Begriff Adherence eingeführt worden.

Compliance in der Medizin wird eingrenzend auch als Patient Medication Compliance / Adherence bezeichnet. Das bedeutet, dass die richtige Tablette in der richtigen Anzahl zum richtigen (vom Arzt vorgeschriebenen) Zeitpunkt eingenommen wird. Neben speziellen Blistern gibt es auch elektronische Systeme, um die Tablettenentnahme zu überwachen und den Patienten akustisch oder optisch an die Einnahme des Arzneimittels zu erinnern.

Interessante Studienergebnisse zur Patient Medication Compliance findet man unter http://www.sanoris.de/medinet/. Die sanoris-Stiftung ist eine gemeinnützige Stiftung, die u.a. auch ein Projekt der Compliance-Forschung fördert. http://sanoris.de/de/index.shtml

Das Nichteinhalten von ärztlichen Ratschlägen bzw. die Nichterfüllung von therapeutisch notwendigen Pflichten wird in diesem Zusammenhang als Non-Compliance bezeichnet. Von intelligenter Non-Compliance spricht man, wenn der Patient aufgrund eigener rationaler Überlegungen oder Beobachtungen (z. B. eines fehlenden Therapieerfolges oder einer starken Nebenwirkung) eine tatsächlich falsche oder nicht sinnvolle Therapieanweisung der Arztes bewusst missachtet.

Inhaltsverzeichnis

Forschungsresultate

Schlechte Compliance kann tödlich sein. Eine Analyse stützt sich auf etwa 31.500 Patienten, die einen Herzinfarkt mindestens 15 Monate überlebt hatten und denen Statine, Betablocker und / oder Kalziumantagonisten verordnet worden waren. Die Compliance wurde als gut beurteilt, wenn die Patienten mindestens 80% der verordneten Medikamente einlösten, als mäßig, wenn sie 40-79% und als schlecht, wenn sie weniger als 40% einlösten. Die Mortalität innerhalb von 2,4 Jahren lag bei Patienten mit mäßiger Compliance gegenüber Statinen um 12%, bei schlechter um 25% höher als bei Patienten mit guter Compliance. Bei den Betablockern lagen die entsprechenden Werte bei 1 und 13%, bei den Kalziumantagonisten ergab sich keine Beziehung zwischen Mortalität und Zuverlässigkeit.[1]

Quellen

  1. Zitiert nach "Schlechte Comliance ist tödlich", MMW-Fortschr. Med. Nr. 5 / 2007 (149. Jg.), S. 22, zitiert nach J. N. rasmussen et al, JAMA, 297 (2007) 177-186

Literatur

Scherenberg, Viviane: Patientenorientierung - Compliance und Disease Management Programme. Verlag für Wissenschaft und Kultur (2003). ISBN 3-936749-43-4

Weblinks

Siehe auch

Partizipative Entscheidungsfindung

Wikipedia
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