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Gemeinschaftliches Indexieren

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Gemeinschaftliches Indexieren (englisch collaborative tagging oder social tagging) ist eine Form der Indexierung (meist als tagging bezeichnet), bei der Deskriptoren (tags) durch eine größere Gruppe und mit Hilfe verschiedener Arten Sozialer Software zugeordnet werden. Die Indexierer kommen dabei spontan in offenen Gemeinschaften zusammen, ohne dass vorher detaillierte Indexierungsregeln festgelegt worden sind. Indexierte Objekte sind beispielsweise Lesezeichen (Soziale Lesezeichen), Blogeinträge oder Fotos. Die durch gemeinschaftliches Indexieren erstellten Sammlungen von Tags werden auch als Folksonomien (Kofferwort aus engl. folk und taxonomy) bezeichnet.

Gemeinschaftliches Indexieren wird vor allem zur Sacherschließung eingesetzt. Da die Techniken noch ziemlich neu sind, gibt es noch keine etablierte Theorie gemeinschaftlichen Indexierens. Es wird davon ausgegangen, dass sich eine große Anzahl von Nutzern auf sinnvolle und schlüssige Zuordnungen einigen, so dass sich also nach einiger Zeit eine von den Nutzern erstelltes Schlagwortsystem ergibt, das einen für Recherchezwecke brauchbaren Kernbestand an Begriffen enthält.

Beispiel: Versieht ein Nutzer seine Fotos aus Chicago in Flickr mit dem Tag Chicago, ermöglicht dies anderen Nutzern, die sich für Fotos, die mit Chicago in Verbindung stehen, interessieren, über die Tagsuche auch diese Fotos aus Chicago zu finden. Dieses Vorgehen kann bei Synonymen oder Abkürzungen problematisch sein, daher wird häufig mehr als ein Tag verwendet.

Ein populäres Beispiel ist Social Bookmarking, bei dem Weblinks über Tags zugänglich gemacht werden.

Ein Tag kann - abhängig vom Anbieter - aus einem oder mehreren Worten bestehen.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung und Ursprung

Die Entstehung des Kofferwortes Folksonomy aus "folk" (Leute) und "taxonomy" (Taxonomie), also etwa "Klassifizierung durch die Leute" wird auf Thomas Vander Wal zurückgeführt. Angewendet wurde das System zuerst auf der Webseite del.icio.us im Jahre 2003.

2004 führte Jon Udell aus, dass diese Art der Kategorisierung schon bekannt sei, neu sei allerdings die Möglichkeit des Feedback durch den einzelnen Nutzer.

Folksonomy und formale Klassifizierung

Im Gegensatz zu formalen Klassifizierungen durch professionelle Experten wie z.B. Bibliothekare gibt es bei der Folksonomy keine Instanz, die die zu verwendenden Schlagwörter festlegt und kontrolliert. Neben dem individuellen Nutzen für die Selbstorganisation des einzelnen Nutzers hat dieser die Möglichkeit, seine Tag-Sammlung der Allgemeinheit zugänglich zu machen. So können zum Beispiel Dokumente mit identischen Tags oder Nutzer mit ähnlichen Interessen (welche anhand ihrer Tags identifiziert werden) in Verbindung gebracht werden. Das Teilen der Tag-Zuordnungen der Einzelnen bietet der Gemeinschaft einerseits eine gute Suchmöglichkeit (gemeinsames Erschließen eines Informationsraumes), erlaubt es einzelnen Benutzern aber auch, über die Zuordnung der Tags zu Benutzern auf andere Objekte oder andere Sichtweisen aufmerksam zu werden.

Anwendung

Bild:Netbib tag cloud.jpg
Auszug einer tagcloud des Weblogs Netbib

Die Folksonomy findet ihre Anwendung hauptsächlich auf Internetseiten beziehungsweise in denen von ihnen angebotenen Gemeinschaften. Diese bieten ihren Nutzern die Möglichkeit eine bestimmte Art von Informationen wie zum Beispiel Soziale Lesezeichen, Fotos oder die Einträge ihrer Blogs zu verschlagworten. Andere Benutzer finden diese Informationen dann durch die Suche nach einem Schlagwort.

Gern bedient man sich der grafischen Darstellung einer Wortwolke (tag cloud) bei der die populärsten Schlagworte typographisch am größten dargestellt werden.

Vor- und Nachteile

Durch eine Folksonomie kann jeder Benutzer etwas zur Verschlagwortung beitragen. So verteilt sich zum einen der Kategorisierungsaufwand auf viele Schultern, zum anderen werden bessere Such-Ergebnisse erzielt, wenn die Informationsobjekte auch von denjenigen kategorisiert werden, die sie auch benutzen. Durch die zumeist große Zahl von Benutzern sollen Informationen und Zusammenhänge, die dem einzelnen nicht aufgefallen sind, sichtbar gemacht werden.

Für mehrere allgemeine Probleme der Kategorisierung wurde jedoch auch bei den Folksonomien noch keine Lösung gefunden. Durch die freie Auswahl der Schlagwörter kann es zu einer Zersplitterung der Kategorien kommen z.B. wird etwa die gleiche Sache von einigen Benutzern im Singular (Beispiel: Buch) und von anderen im Plural (Bücher) bezeichnet. Hinzu kommt bei internationalen Gemeinschaften eine Folksonomy in verschiedenen Sprachen (Buch, Bücher, Book, Books usw.). Bei zusammengesetzten Begriffen kann man sich, falls nur ein Wort und nicht mehrere technisch zugelassen sind, für ein Trennzeichen (open_access) oder die Zusammenschreibung entscheiden (openaccess).

Durch das Anzeigen einander ähnlicher Schlagwörter wird versucht, dieser Zersplitterung entgegenzuwirken. Als weiteres Korrektiv wird die Masse an Benutzern angesehen, die Nutzer dazu bringen könnte, sich an dem jeweils populärsten Schlagwort zu orientieren.

Ein weiterer Nachteil ist die Homonymieproblematik bei der Freien Verschlagwortung: Die genaue Bedeutung eines Tags hängt oft vom Kontext ab und kann auch für völlig verschiedene Konzepte stehen. So steht zum Beispiel das englische Wort „apple“ im allgemeinen Sprachgebrauch für die Frucht Apfel, während in der Computerindustrie die Firma Apple Computer und in der Musikbranche das Plattenlabel Apple Records gemeint sein kann.

Siehe auch

Literatur

  • Cameron Marlow, Mor Naaman, Danah Boyd, Marc Davis: Position Paper, Tagging, Taxonomy, Flickr, Article, ToRead. April 2006 (pdf)
  • Scott Golder, Bernardo A. Huberman: The Structure of Collaborative Tagging Systems. August 2005. [1]
  • Clay Shirky: Ontology is Overrated: Categories, Links, and Tags. Mai 2005. [2]
  • Marieke Guy, Emma Tonkin: Folksonomies – Tidying up Tags?. D-Lib Magazine 12, 1, 2006 [3]
  • Jakob Voss: Collaborative thesaurus tagging the Wikipedia way. April 2006 [4]
  • George Macgregor, Emma McCulloch: Collaborative Tagging as a Knowledge Organisation and Resource Discovery Tool. In: Library Review, Band 55, Nummer 5, 2006. [5]

Weblinks

Wikipedia
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