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Colchicin

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Strukturformel
Bild:Colchicin.svg
Allgemeines
Name Colchicin
Andere Namen (−)-(aR,7S)-Colchicin
Summenformel C22H25NO6
CAS-Nummer 64-86-8
Kurzbeschreibung blassgelbes kristallines Pulver welches sich bei Lagerung an der Luft dunkel färbt
Eigenschaften
Molmasse 399,43 g·mol−1
Aggregatzustand fest
Dichte ?
Schmelzpunkt 277 °C
Siedepunkt ?
Dampfdruck ?
Löslichkeit

löslich in Wasser, Ethanol und Chloroform; in Petrolether praktisch unlöslich

Sicherheitshinweise
Gefahrstoffkennzeichnung
Gefahrensymbole
Bild:Hazard T.svg
T+
Sehr giftig
R- und S-Sätze R: ?
S: ?
weitere Sicherheitshinweise
MAK ?
LD50 (oral, Ratte) Mensch: 1,6 mg·kg−1
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Colchicin ist ein giftiges Alkaloid aus der Gruppe der Colchicin Alkaloide und zählt zu den Tropolon-derivaten.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Er wurde früher zur Behandlung von Gicht, einer Erkrankung aus dem rheumatischen Formenkreis, eingesetzt. Heute kommt er nur noch bei akuten Gichtanfällen oder bei Unverträglichkeit von Alternativen zum Einsatz.

Vorkommen

Colchicin findet sich nicht nur in den Samen der Herbstzeitlose (0,5%), auch in den Blüten (bis zu 1,8 %), die Knolle enthält ca. 0,2 % und die Blätter 0,03 %. Es tritt in Begleitung seines Alkohols (−)-Colchicein auf.

Image:(-)-Colchicein.gif

Wirkung

Colchicin ist ein so genannter Mitose-Hemmstoff, der die Ausbildung der Spindelfasern hemmt, indem er an freie Mikrotubuli Untereinheiten bindet und diese nicht mehr für den Spindelfaseraufbau zur Verfügung stehen. Die weiteren Mitose-Vorgänge werden dabei jedoch nicht unterbrochen, sondern durchlaufen nach wie vor sämtliche Mitosephasen sowie die Zellteilung. Wegen des fehlenden Spindelapparates kommt es jedoch nicht zur korrekten äquatorialen Ausrichtung der Chromosomen, wie es in der Metaphase normalerweise der Fall ist. Auch das Aufteilen der Schwesterchromatiden während der Anaphase unterbleibt aufgrund fehlender Spindelfasern. Bei der Teilung entsteht so je eine Zelle mit und eine ohne Zellkern, wobei letztere nicht lebensfähig ist. Die andere Zelle verdoppelt nun in der Interphase die Chromatiden und führt zur Polyploidisierung. Als Folge sterben tierische Zellen ab, während es bei pflanzlichen Zellen zur Vergrößerung der Zellen kommt, was für die Züchtung von Pflanzenrassen bedeutsam ist. Bei der Erstellung von Karyogrammen werden so Chromosomen gewonnen, die sich lichtmikroskopisch gut beurteilen lassen.

Medizinische Bedeutung

Colchicin kann als Tablette o. ä. genommen werden und beseitigt die oft extremen Gelenkschmerzen bei Gicht sehr zuverlässig. Dies kann auch als Test benutzt werden, ob es sich um Gicht handelt. Aufgrund der geringen therapeutischen Breite soll eine Einzeldosis von 2 mg und eine Tagesdosis von 6 mg nicht überschritten werden. Bei 12 mg gab es bereits Todesfälle. Colchicin darf nicht während der Schwangerschaft eingesetzt werden. Heute werden bevorzugt andere Schmerzmittel wie Indometacin oder Acetylsalicylsäure aus der Gruppe der NSAR verwendet.

Bei Patienten mit familiärem Mittelmeerfieber kann die lebenslange Einnahme von Colchicin die Entstehung einer Amyloidose verhindern.

Die Wirkung beruht wahrscheinlich auf einer Hemmung der Einwanderung von Entzündungszellen in die Gelenke. Als Nebenwirkung kommt es zu schweren Durchfällen, weil auch die Epithelzellen des Darmes sehr teilungsaktiv sind und empfindlich reagieren. Bei Überdosierung wird die Niere geschädigt. Bei längerer Anwendung kommt es zu Schäden des Knochenmarks und Haarausfall. Die Ausscheidung erfolgt zum Teil unverändert über die Nieren, aber auch über die Galle mit enterohepatischem Kreislauf (Halbwertszeit: 4–5 h).

In entsprechender Dosis eingenommen werden Zellteilungsprozesse im Körper verhindert, dadurch kommt es überall im Körper zur Bildung nichtfunktionsfähiger Zellen, deren Beseitigung das Immunsystem überlastet. Dies führt zu schweren Vergiftungserscheinungen und kann lebensgefährlich sein. Bei der Einnahme von Colchicum-Arzneien darf eine Höchstdosis nicht überschritten werden. Obwohl das Mittel pflanzlicher Herkunft ist, fällt es unter die rezeptpflichtigen Medikamente und sollte nie ohne Kontrolle durch den Arzt eingenommen werden, da gerade Kinder, ältere Menschen und Schwangere gefährdet sein können.

Wikipedia
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