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Chronologiekritik

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Die Chronologiekritik beschäftigt sich kritisch mit der historischen Chronologie. Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Autoren und Thesen, die behaupten, dass bestimmte Abschnitte der Zeitrechnung und Geschichtsschreibung aufgrund von Irrtümern, aber auch Fälschungen, fehlerhaft seien.

Im Fokus der Chronologiekritik stehen insbesondere die Datierung des Endes der letzten Eiszeit sowie die tradierten Geschichtsschreibungen des Alten Ägyptens und des Frühmittelalters.

Das Feld der Chronologiekritiker ist breit gestreut, sowohl in Bezug auf die Aussagen ihrer Thesen, als auch auf ihre (berufliche) Herkunft. Viele der aufgestellten Thesen werden als nicht wissenschaftlich abgelehnt bzw. gelten als widerlegt. Wegen des zum Teil unwissenschaftlichen Arbeitsstils einiger Kritiker und auch wegen derer in der Regel nicht geschichtswissenschaftlichen Ausbildung wird der Chronologiekritik oft der Vorwurf gemacht, eine Pseudowissenschaft zu sein.

Inhaltsverzeichnis

Die Thesen der verschiedenen Autoren

Nachfolgend sind die bekanntesten Kritiker der tradierten Geschichtsschreibung aufgeführt. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Jean Hardouin

Der mit der Sichtung und Ordnung der Kirchengeschichte beauftragte Jesuit Jean Hardouin (latinisiert auch Harduinus, 1646–1729) kam durch seine Arbeit zum Ergebnis, dass (mit wenigen Ausnahmen) alle antiken Schriften spätere Fälschungen des 13. bis 16. Jahrhunderts seien.

Nikolai A. Morosow

Nikolai Alexandrowitsch Morosow (1854–1946) vermutete in seinem Buch Die Offenbarung Johannis – Eine astronomisch-historische Untersuchung, dass entweder die Offenbarung des Johannes oder die Herrschaft des Domitian um etwa drei Jahrhunderte zu alt datiert sind.

Immanuel Velikovsky

Immanuel Velikovsky (1895–1979) beschäftigte sich mit der Geschichte des alten Ägypten. Er rekonstruierte diese unter der Annahme einer zeitlichen Übereinstimmung des Exodus mit der unter anderem im Ipuwer-Papyrus beschriebenen Katastrophe. Daneben verfolgte er den Ansatz, dass „dunkle Jahrhunderte“ ein Fehler der Geschichtsschreibung seien und als Fiktion zu betrachten sind. Folgend verkürzte er den Zeitablauf um das Mittlere Reich. Da sich alle antiken Chronologien an der ägyptischen orientieren, führe die Verkürzung zur Streichung von etwa 550 Jahren aus der herkömmlichen Chronologie. Seine Arbeiten sind in der Zeitalter im Chaos-Reihe zusammengefasst.

Wilhelm Kammeier

Wilhelm Kammeier (1889–1959) kann wohl als Erfinder der These vom „Erfundenen Mittelalter“ gelten, die später von Heribert Illig und Uwe Topper weitergeführt wurde. Dass Kammeier heute nicht mehr entsprechend gewürdigt wird, mag mit seiner deutschnationalen Haltung, die als dem Nationalsozialisten nahestehend verdächtigt wird, zusammenhängen. Tatsächlich hat Kammeier seine These jedoch bereits Anfang der 20er Jahre entwickelt.

Heribert Illig

Heribert Illigs These des Erfundenen Mittelalters (Phantomzeitthese) postuliert, dass die Zeit zwischen dem 7. und 10. Jahrhundert n. Chr. durch Fälschungen der ottonischen Geschichtsschreiber in die Chronologie eingefügt wurde und dass Karl der Große nie existiert hat.

Daneben forscht(e) Illig zusammen mit Heinsohn ebenfalls zur ägyptischen Chronologie. Dabei folgten sie ursprünglich Velikovsky in seinem chronologiekritischem Ansatz, erweiterten diesen aber, indem sie sich nicht primär nur auf biblische Quellen stützen.

Gunnar Heinsohn

Gunnar Heinsohn versuchte Illigs These im Blick auf die Carolus- und Pippin-Münzen zu überprüfen und kam zu dem Ergebnis, dass vermutlich alle Carolus-Münzen von Karl dem Einfältigen stammen und die karolingische Münzreform auf Pippin den Älteren zurückgeht.

Hans-Ulrich Niemitz

Hans-Ulrich Niemitz unterstützt wie Heribert Illig die Theorie einer erfundenen Zeitspanne im frühen Mittelalter (Phantomzeit) und zweifelt die Korrektheit der Radiocarbonmethode an.

Anatoli Fomenko

Anatoli Fomenko meint, durch statistische Auswertung des Quellenmaterials – unter anderem der Almagest von Claudius Ptolemäus – herausgefunden zu haben, dass dieses Werk um das Jahr 1000 entstand und damit die Zeit Jesu nur etwa 1000 Jahre zurückliege.[1] Daraus entwickelte er seine Neue Chronologie. Unterstützung fand Fomenko unter anderem bei Eugen Gabowitsch und Garri Kasparow.[2]

Den Ansatz von Fomenko haben Igor Davidenko und Yaroslav Kesler fortgeführt.[3] Auch Uwe Topper und Christoph Marx haben sich in ihren Rekonstruktionsversuchen auf Fomenkos Kritik und seine Methode der statistischen Textanalyse bezogen.

Gerard Serrade

Gerard Serrade gilt als der radikalste Chronologiekritiker. Seine These: Alle Datierungen vor 1582 (gregorianische Kalenderreform) sind falsch. Unsere Geschichte ist nur ein abstraktes Gebilde der Historiker.[4]

Uwe Topper

Uwe Topper erweiterte Illigs These dahingehend, dass Mohammed circa 297 Jahre früher gelebt habe und damit die Gründung des Islam (622) mit der Verurteilung des Arius auf dem Konzil von Nicäa im Jahr 325 zusammenfällt. Später neigten Toppers Veröffentlichungen eher der 1000-Jahres-Theorie Fomenkos zu. Wie Fomenko behauptet er, dass alle außereuropäische Geschichtsschreibung, zum Beispiel aus Indien und China, relativ rezente Fälschungen sind.

Christoph Marx

Christoph Marx wirkte als Übersetzer der Bücher Immanuel Velikovskys und unterstützte deren Herausgabe in deutscher Sprache. In der Folge gründete er die „Gesellschaft zur Rekonstruktion der Menschheits- und Naturgeschichte“. Insbesondere in der Annahme von Katastrophen in historischer Zeit, deren Verdrängung und der damit verbundenen falschen Geschichtsschreibung folgte er Velikovsky. Dem Katastrophismus weiter verbunden, entwickelte Marx im Folgenden die These eines „Letzten großen Rucks“ (LGR) im Trecento. Mit einer dadurch erfolgten Verschiebung der Erdachse erklärt er die Fehler im Julianischen Kalender. Damit entwickelte er einen völlig anderen Erklärungsansatz, der mit Heribert Illigs These der Phantomzeit unvereinbar ist.

Hans-Joachim Zillmer

Hans-Joachim Zillmer versucht ähnlich wie Anatoli Fomenko und Uwe Topper zu belegen, dass das uns bekannte und niedergeschriebene Altertum erst vor gut 1000 Jahren begann und durch gefälschte Geschichtsschreibung weit in die Vergangenheit projiziert und mittels gleichartiger Wiederholungen vermehrt wurde. Zillmer kommt so zu dem Schluss, dass das Römische Reich in Rom nie existierte, sondern die wahren Römer einerseits Etrusker waren, die Rom gründeten, und andererseits antike Griechen darstellten, die südlich der Etrusker auch in Süditalien und Sizilien (Gracia Magna) herrschten. Als Grund für den Bruch in der Geschichte versucht Zillmer eine große Naturkatastrophe (Katastrophismus) im 6. Jahrhundert und unter Streichung von 3 Jahrhunderten analog der These von Heribert Illig im 9. Jahrhundert zu belegen.

Siehe auch

Quellen

  1. Anatoli T. Fomenko: Empirico-Statistical Analysis of Narrative Material and its Applications to Historical Dating. Dordrecht 1994, ISBN 0792326040.
  2. Garry Kasparov: Mathematics of the Past
  3. Igor Davidenko, Yaroslav Kesler: Book of Civilization (with preface by Garry Kasparov). Moskau 2001
  4. Gerard Serrade: Leere Zeiten – oder: Das abstrakte Geschichtsbild. Logos, Berlin 1998, ISBN 3897220164.

Literatur

  • Heribert Illig: Hat Karl der Große je gelebt?. Ullstein, Berlin 2004, ISBN 3-548-36429-2. (Erstauflage: 1994)
  • Wilhelm Kammeier: Neue Beweise für die Fälschung der Deutschen Geschichte. Adolf Klein Verlag, Leipzig 1936.
  • Georg Menting: Die kurze Geschichte des Waldes - Plädoyer für eine drastische Kürzung der nacheiszeitlichen Waldgeschichte. Mantis, Gräfelfing 2002, ISBN 3-928852-23-X.
  • Gerard Serrade: Leere Zeiten – oder: Das abstrakte Geschichtsbild. Logos, Berlin 1998, ISBN 3897220164.
  • Uwe Topper: Erfundene Geschichte. Unsere Zeitrechnung ist falsch – leben wir im Jahr 1702?. Herbig, München 1999, ISBN 3-7766-2085-4.
  • Hans-Joachim Zillmer: Kolumbus kam als Letzter. Als Grönland grün war: Wie Kelten und Wikinger Amerika besiedelten. Langen Müller, München 2004, ISBN 3-7844-2952-1.

Weblinks

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