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Christologie
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Christologie (Wort/Lehre von Christus, von griech. χριστός - „der Gesalbte“ - und λόγος - Logos, „Wort, Lehre, Vernunft“) bezeichnet das theologische Nachdenken über die Person Jesus von Nazaret, ihre Auffassungen und Deutungen im Christentum. Die Christologie als zentraler Teilbereich der systematischen christlichen Theologie will die Frage nach der Identität („Natur“) und Bedeutung („Relevanz“) der Person Jesus Christus für dessen Gemeinschaft, die Kirche, für den einzelnen Gläubigen und für die Welt beantworten.
Überblick
Ausgangspunkt jeder christologischen Theorie ist das urchristliche Zeugnis des Neuen Testaments (NT). Dort stellt Jesus selbst seinen Jüngern die Frage ([[Evangelium nach Markus
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):
- Wer sagen die Leute, wer ich sei?
Darauf antworten diese zunächst mit den damaligen jüdischen Verständnisweisen: Johannes der Täufer, der als Prophet der Endzeit auftrat; der damals erwartete wiederkommende Elija; einer der Propheten. Demnach wurde Jesus noch nicht als möglicher Messiasanwärter wahrgenommen. Auf die weitere Frage:
- Und ihr, was sagt ihr, wer ich sei?
folgt das Glaubensbekenntnis des Simon Petrus:
- Du bist der Christus!
„Der Christus“ übersetzt den jüdischen Messiastitel ins Griechische: Die Christologie des NT legt also ursprünglich das Verhältnis der Person Jesu zum messianischen Erwartungshorizont des Judentums in der damaligen Verkehrssprache des römischen Weltreichs aus. Indem sie sich zu Jesu Messianität bekennt, unterscheidet sie sich von allen allgemeinen Verständnisweisen seiner Person, die ihn aus der biblischen Theologie und jüdischen Geschichte herauslösen. Sie entfaltet primär das Verhältnis Jesu, seines Wirkens und Ergehens, zu JHWH, dem Gott Israels, daraufhin sein Verhältnis zu den damaligen und heutigen Zeitgenossen. Dabei ist sich heutige Christologie durchweg der Vielfalt und Mehrdimensionalität der Jesus im NT beigelegten Hoheitstitel bewusst, die keine einfachen Antworten erlauben.
In der Christentumsgeschichte wird die christologische Lehrentwicklung oft in Hauptepochen und entsprechende Haupttypen eingeteilt:
- die trinitarische Christologie der Alten Kirche: Sie ging im Anschluss an Joh 1 von der Identität des historischen Jesus mit dem ewigen Sohn Gottes aus und fragte von da aus, wie der ewige Gott das Menschsein annehmen konnte. Ihr Interesse war also darauf gerichtet, Gottes Identität in seiner Menschwerdung festzuhalten.
- die reformatorische Christologie: Sie ging vom Tod Jesu aus und fragte von dort aus, was dieser für Gottes Wesen und des Menschen Heil bedeute. Ihr Interesse war darauf gerichtet, das Heil des Einzelnen gerade im Menschsein und Sterben des Sohnes Gottes zu entdecken.
- die anthropozentrische Christologie: Sie ging von allgemein menschlichen Daseins- und Verstehensbedingungen aus und interpretierte das Gottsein Jesu als Bestätigung und Erfüllung des vorab definierten wahren Menschseins. Ihr Interesse war auf die Akzeptanz der christlichen Religion unter den Bedingungen des aufgeklärten historischen Selbstbewusstseins gerichtet.
Seit der von Karl Barth inspirierten dialektischen Theologie der 1920er Jahre haben verschiedene moderne Theologen die Christologie aus den dogmatischen Alternativen der Vergangenheit herauszuführen und die Pole zu vermitteln versucht. Dabei ist es zu einer Vielfalt neuer Entwürfe gekommen, in denen zum einen
- der Dialog mit dem Judentum,
- die Ökumene und
- die gegenwärtigen ökologischen, ökonomischen und friedensethischen Menschheitsprobleme
eine tragende Rolle spielen.
Urchristliche Bekenntnisaussagen im Neuen Testament
Das Neue Testament (NT) enthält eine Fülle von Titeln und Hoheitsaussagen über Jesus, die nicht ohne Weiteres harmonisierbar sind. Der Artikel Jesus Christus im Neuen Testament beschreibt deren theologische Aussageabsichten, der Artikel Jesus von Nazaret dagegen jene Worte und Taten Jesu, die heute überwiegend für historisch gehalten werden.
Als typische Beispiele unter vielen mitsamt den markanten Belegstellen seien hier nur genannt:
- der „Heilige Gottes" ([[Evangelium nach Markus
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- Sohn Davids ([[Evangelium nach Markus
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- Sohn Gottes ([[Evangelium nach Markus
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- [[Brief des Paulus an die Römer
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|Röm]] 1,3 EU
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- [[Evangelium nach Markus
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- Menschensohn ([[Evangelium nach Markus
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- [[Evangelium nach Markus
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- König der Juden ([[Evangelium nach Markus
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),
- Erlöser (Heiland),
- Lamm Gottes ([[Evangelium nach Johannes
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|Joh]] 1,29 EU
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),
- Hoherpriester ([[Brief an die Hebräer
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|Heb]] 3,1 EU
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),
- Logos ([[Evangelium nach Johannes
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|Joh]] 1,14 EU
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)
- guter Hirte, Brot des Lebens, Licht der Welt (Johannesevangelium)
- Rabbi/Meister/Lehrer (Synoptiker)
- Kyrios (Herr, Gott Israels) (z.B. [[Evangelium nach Lukas
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|Lk]] 24,34 EU
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)
Die Frage, wie der gekreuzigte Jude Jesus so viele Titel auf sich ziehen und als Erlöser der ganzen Welt verkündet werden konnte, so dass daraus eine neue Religion wurde, beschäftigt die historische Forschung spätestens seit der Aufklärung. Zentral ist dabei die Frage, welches Selbstverständnis der historische Jesus hatte. Hielt er sich selbst für den, den andere in ihm sahen?
Die Antworten sind in der NT-Forschung vielfältig und umstritten. Um die Diskussion zu strukturieren, differenziert sie
- explizite Christologie: Titel und Hoheitsaussagen, die in Selbstaussagen Jesu auftreten
- evozierte Christologie: Titel und Hoheitsaussagen, die er bei seinen Zuhörern hervorruft und für sich gelten lässt
- implizite Christologie: Worte und Handlungen Jesu, die eine besondere göttliche Vollmacht ausdrücken und damit spätere Hoheitsaussagen begründen konnten.
Bei allen drei Varianten wird diskutiert, ob und welche Titel Jesus selbst schon zu Lebzeiten benutzte oder hervorrief - oder ob auch sie Glaubensaussagen der Christen sind, die erst nach Ostern (also der Auferstehung Jesu) formuliert wurden.
Die implizite Christologie war nach Darstellung des NT wohl die Hauptursache für seine Kreuzigung: Da er sich in seinen Worten und Taten als souverän gegenüber den Satzungen Israels und auch den römischen Besatzern zeigte, wurde er als gefährlich für den Fortbestand des Kultes und die öffentliche Ordnung eingestuft.
Explizit spricht Jesus von sich nur als „Menschensohn". Auch seine eigene, wahrscheinlich historische Gottesanrede „Vater, Papa" (aramäisch familiär: Abbah) betonte eventuell ein besonders intimes Verhältnis zu Gott, könnte aber auch allgemein üblich gewesen sein unter aramäisch sprechenden Juden.
Die jüdischen Titel „Sohn Davids" (z.B. [[Evangelium nach Markus
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) und „Sohn Gottes" ([[Evangelium nach Markus
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usw.) sowie die römische Bezeichnung „König der Juden" ([[Evangelium nach Markus
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|Mk]] 15,2 EU
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) fehlen in Eigenaussagen Jesu; nur selten und indirekt taucht der griechische „Christus"-Titel auf. Jesus widerspricht diesen Prädikationen aber auch nicht, wenn andere ihn so nennen. Nur im Markusevangelium widerspricht Jesus seiner öffentlich Benennung als „Sohn Gottes", um der Welt nicht vorzeitig seine wahre Identität zu verraten: Dies repräsentiert die Theologie des „Messiasgeheimnisses", mit dem der Evangelist Jesu Heilwirken ([[Evangelium nach Markus
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|Mk]] 3,11 EU
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) und seinen Kreuzestod ([[Evangelium nach Markus
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|Mk]] 15,39 EU
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) nachträglich deutete.
Der „Kyrios"-Titel und der „Sohn Gottes"-Titel tauchen vorwiegend im Kontext von nachösterlichen Visionsberichten und späterer Gemeindetheologie auf, vor allem in den urchristlichen Credoformeln. Als älteste Glaubensbekenntnise gelten:
- Jesus ist der Herr (z.B. in [[Vorlage:Phil (Bibel)|Phil]] 2,11