Christian Kracht

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Christian Kracht (* 29. Dezember 1966 in Gstaad) ist ein schweizerischer Schriftsteller und Journalist. Er ist einer der bekanntesten Vertreter der deutschsprachigen Popliteratur der 1990er Jahre.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Krachts Vater, Christian Kracht sen., war jahrelang Generalbevollmächtigter Axel Springers. Kracht besuchte mehrere Elite-Internate, unter anderem die Schule Schloss Salem. Weitere Lebensstationen in Krachts Jugend waren die USA, Kanada und Südfrankreich. In Deutschland war Kracht als Journalist für B.Z., Tempo und Der Spiegel tätig. Mitte der 1990er Jahre ging er als Indienkorrespondent des Spiegels nach Neu-Delhi. Anschließend lebte Kracht für mehrere Jahre in Bangkok im Gebäude der ehemaligen jugoslawischen Botschaft und bereiste von dort aus verschiedene Staaten Asiens. Seine in der Welt am Sonntag veröffentlichten Reiseberichte sind unter dem Titel Der gelbe Bleistift (2000) in Buchform erschienen. Von Herbst 2004 bis Juni 2006 gab er gemeinsam mit Eckhart Nickel das Magazin Der Freund heraus. Er lebte zunächst am Redaktionssitz in Kathmandu. Kracht verließ Nepal mit der Redaktion aber, als die Unruhen in Nepal die Arbeitsbedingungen erschwerten. Das Magazin wurde danach in San Francisco fertiggestellt; dem ursprünglichen Plan gemäß erschienen acht Hefte.

Krachts erster Roman Faserland (1995) wurde von einigen Kritikern als richtungsweisendes Werk einer Welle deutschsprachiger Popliteratur ab Mitte der 1990er Jahre bezeichnet, andere zogen Parallelen zum Werk Bret Easton Ellis' oder sahen gar ein Plagiat.[1] Er setzt sich mit der modernen Konsumkultur, dem Zerfall des Nachkriegsmodells von der nivellierten Mittelstandsgesellschaft und der mit ihm verbundenen Krise der Identitätsfindung im individuellen und nationalen Rahmen auseinander.

In dem im September 2001 erschienen Roman 1979, der von der Kritik als Abgesang auf die Popliteratur gewertet wurde, schildert Kracht die Fragilität eines als dedakent beschriebenen westlich-großbürgerlichen Wertesystems und seine Ohnmacht gegenüber den östlich-totalitären Modellen Islamismus und Maoismus: Man sah Kracht auf dem Weg "in Richtung echten Ernst".[2] Der Roman erschien in unmittelbarer zeitlicher Nähe zu den Anschlägen vom 11. September 2001, was ihm zusätzliche Beachtung verschaffte.

Seit 2004 läuft eine Bühnenversion von 1979 an verschiedenen deutschsprachigen Theaterhäusern unter der Regie von Matthias Hartmann; am Schauspielhaus Zürich, am Schauspielhaus Bochum und am Niedersächsischen Staatstheater in Hannover.

Das Werk Krachts enthält verfremdende Anspielungen u.a. auf Thomas Manns Zauberberg, die sanft-ironischen Reiseberichte Robert Byrons und Hergés Die Abenteuer von Tim und Struppi. Im Stil der von Hergé entwickelten ligne claire sind auch die Illustrationen von Dominik Monheim in der 1998 bei Kiepenheuer & Witsch in Köln erschienen Erstausgabe der Ferien für immer, einem gemeinsam mit Eckhart Nickel verfassten Brevier über "die angenehmsten Orte der Welt", gehalten.

Kracht, der sich nicht als Schweizer, sondern als Kosmopolit versteht, ist eine der umstrittensten Figuren der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. In seinen wenigen Interviews gibt er sich, je nach Sichtweise, dandyistisch-schnöselig oder ironisch-distanziert; die Bedeutung seiner Interviewaussagen ist selten eindeutig. So sind auch Krachts oft als provokant empfundene Einlassungen zum Zeitgeschehen mitunter cum grano salis zu nehmen bzw. in ihrem Zusammenhang zu verstehen. Dies gilt etwa für das Interview, in dem er den Talibanführer Mullah Omar (genauer: die Taliban selbst) als "camp" bezeichnete:[3] Die moralische Wertung trat hier hinter der medienästhetischen zurück. Ähnlich mag es sich auch mit Krachts Vorwort zum Bildband Die totale Erinnerung (2006) verhalten, in dem von Nordkorea v.a. als einer riesigen Inszenierung die Rede ist, wobei die vermeintliche Nichtbeachtung tatsächlichen Leids manche Kommentatoren verärgert hat.[4]

Seinen eigenen, in 14 Sprachen übersetzten Büchern gegenüber äußert sich Kracht scheinbar selbstironisch – sie seien bloß "light entertainment"[3] – jedoch verbirgt sich hinter dieser Aussage kein geringer Anspruch: "Das höchste Erreichbare in der Kultur ist nach der Architektur die Komödie. Ich begreife meine Werke humoristisch".[5]

Einem breiteren Publikum bekannt wurde Kracht auch durch seinen Auftritt[6] in der Harald Schmidt Show. Ferner erschien er 1999 mit seinem Kollegen Benjamin von Stuckrad-Barre in einer Werbekampagne der Bekleidungskette Peek & Cloppenburg.[7]

Seit Mitte November 2006 ist er fester Kolumnist der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Seine jeden zweiten Samstag - im Wechsel zuerst mit Nicole Krauss, dann mit Jenny Erpenbeck - erscheinende Kolumne trägt den Titel "Brief aus...", darin berichtet Kracht aus einem beliebigen Ort auf dem Globus.

Ende Februar 2007 erschien, als Niederschlag einer Kilimandscharo-Besteigung mit Ingo Niermann, Metan, in dem es um die geheimnisvolle Macht des Gases Methan geht. Die ersten Rezensionen gaben sich ablehnend[8] bis verwundert: Was die beiden Dichter in der Folge dieser Reise da jedenfalls über die Erneuerung des Menschengeschlechts aus dem Geist des Furzes zusammenschwadronieren, ist wirklich beunruhigend. Oder auch einfach: großer Quatsch.[9]

Werke

Hörbücher

Auszeichnungen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. . Siehe etwa Ina Hartwig, "Standpunkt verschleiert" in der Frankfurter Rundschau vom 23. Dezember 2003
  2. . So Stefan Zweifel, "Trash Total", in Facts vom 7. April 2005
  3. . 3,0 3,1 Interview mit Volker Weidermann und Edo Reents, "Ich möchte ein Bilderverbot haben", in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 30. September 2001
  4. . So etwa Daniel Herbstreit, "Die Liebe zum Beton" in Der Tagesspiegel vom 14. September 2006
  5. . Interview von Daniel Arnet, "Kim Jong Kracht", in Facts vom 21. September 2006
  6. . Mitschnitt hier, ausgestrahlt 2001
  7. . Siehe hierzu die Äußerungen beider im Interview mit der Zeit, "Wir tragen Größe 46", Nr. 37/1999
  8. . So Harald Peters in der Welt am Sonntag vom 4. März 2007, "Über kleine und größere Stinker"
  9. . Volker Weidermann in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 4. März 2007, S. 30


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