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Chloroxide
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Chloroxide sind chemische Verbindungen zwischen dem Halogen Chlor und Sauerstoff. Seinen Oxidationsstufen entsprechend bildet Chlor eine Reihe von Oxiden, die im allgemeinen leicht zerfallen. In Gegenwart oxidierbarer Materie neigen Chloroxide zu Explosionen.
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Chlordioxid
Technisch wichtig ist nur Chlordioxid mit der Summenformel ClO2. Es besitzt eine Masse von 67,46 g/mol und ist bei Standardtemperatur ein gelb-rötliches Gas. Wenn es bei -59 °C gefriert, bilden sich explosive rote Kristalle. In flüssiger Form ist Chlordioxid rotbraun und besitzt einen von Chlor deutlich verschiedenen Geruch. Der Siedepunkt liegt bei ca. 10 °C. ClO2 ist in Wasser, alkalischen Lösungen und Schwefelsäure löslich. Die Lösungen in Wasser sind gelb und über einen weiten pH-Bereich erstaunlich unempfindlich gegen Hydrolyse, zu der Chlordioxid als gemischtes Anhydrid der Chlorsäure und der chlorigen Säure eigentlich neigen sollte. Bei pH-Werten > 10 und < 5,5 setzen jedoch bereits erhebliche Disproportionierungen ein, die je nach pH-Wert zu Chlorat-/Chloridbildung oder Chlorat-/Chloritbildungen führen (s.a. Chlorine Dioxide von W. J. Masschelein aus dem Jahr 1979). Wegen der explosiven Eigenschaften in allen Aggregatzuständen ist bei der Handhabung äußerste Vorsicht angebracht. Wässrige Lösungen sind dagegen nicht explosiv, soweit sie kein Chlordioxid-Luft-Gemisch von 10 Vol. % Chlordioxid erzeugen können. Dies ist bei Raumtemperatur bei wässrigen Lösungen mit einem Chlordioxidgehalt von >6 g/L gegeben. Chlordioxidlösungen mit einer Konzentration > 30 g/L explodieren bereits unter Luftabschluss.
Herstellung
Die Herstellung durch Mischen der Grundchemikalien erfolgt direkt vor Ort in Chlordioxidanlagen oder mit Zwei- oder Dreikomponentensystemen. Für die technische Herstellung eignet sich insbesondere das Chlorit-Salzsäure-Verfahren, das Chlorit-Chlor-Verfahren. Bei diesen Verfahren handelt es sich aufgrund der Spontanbildung von Chlordioxid um für den Anwender sehr gefährliche Darstellungsmöglichkeiten und sie müssen daher unbedingt in entsprechenden Reaktoranlagen durchgeführt werden. Die Einhaltung der MAK-Werte ist dagegen sichergestellt durch das Chlorit - Peroxodisulfat-Verfahren, da es hier zu keiner Spontanbildung von großen Mengen Chlordioxid kommen kann. Die verschiedenen Chlorat-Säure-Reduktionsmittel-Verfahren sind für die Darstellung großer Mengen Chlordioxid geeignet, wie sie z. B. in der Papierindustrie Verwendung finden. Ihr Einsatz bedingt, aufgrund der hohen Explosionsgefahr, zwingend den Einsatz von Reaktoren. Für die Trinkwasserdesinfektion sind nur die nach DVGW W 224 und W 624 beschriebenen Herstellverfahren zulässig. Da das Regelwerk W224 den Stand der Technik aus dem Jahre 1986 wiedergibt, sind dort bisher nur das Salzsäure-Chlorit- und das Chlor-Chlorit-Verfahren beschrieben. Das Regelwerk W 224 wird dahingehend überarbeitet, das auch das in der DIN EN 12671 "Produkte zur Aufbereitung von Wasser für den menschlichen Gebrauch Chlordioxid" genannte und in der Zeitschrift Vom Wasser Band 4 aus dem Jahre 2005 beschriebene Peroxodisulfat-Chlorit-Verfahren Aufnahme findet. Die Ausgangsstoffe Natriumperoxodisulfat und Natriumchlorit sind bereits zum heutigen Zeitpunkt als Vorprodukte für die Herstellung von Chlordioxid durch den Gesetzgeber zugelassen.
Verwendung
Chlordioxid (E926) wird zum Bleichen in der Textil-, Cellulose- und Papierindustrie verwendet und hat dort Chlor weitgehend ersetzt. Es findet Verwendung bei der Trinkwasserdesinfektion (Desinfektion), wo es ebenfalls Chlor in einzelnen Ländern weitgehend ersetzt hat, da es im Gegensatz zu Chlor auch stark viruzid und gegen viele Protozoen wirksam ist. Des Weiteren wird Chlordioxid zunehmend auch bei der Abfüllung von PET-Flaschen zur Desinfektion genützt. Es wird auch zur Desodorierung übelriechender Abfälle und Abwässer verwendet. Für letzteres ist es geeignet, da es im Gegensatz zu Chlor nicht chlorolytisch wirkt und daher keine persistenten Organochlorverbindungen in die Umwelt entlässt.
Chlordioxid als relativ stabiles freies Radikal überträgt sein ungepaartes Elektron leicht auf DNA, die dann bricht und so den Zelltod auslöst. Darauf scheint die starke Desinfektionswirkung zu beruhen. Es ist erstaunlich, dass höhere Organismen sehr unempfindlich gegen Chlordioxid sind. Die Toleranzschwelle für Chlordioxid liegt bei Vertebraten bei mehr als dem zwanzigfachen dessen, was üblicherweise zur Trinkwasserdesinfektion eingesetzt wird. Chlordioxid hat im Gegensatz zu Chlor keinen negativen Einfluss auf den Geruch und Geschmack von Wasser.
Andere Chloroxide
- Dichloroxid (Chlormonoxid, Cl2O) ist ein gelbbraunes Gas mit einer Molmasse von 86,91 g/mol. Bei Standardtemperatur ist es ein braunes Gas mit einer Dichte von 3,89 g/l. Chlormonoxid gefriert bei -116 °C, siedet bei 4 °C und ist explosiv.
- Dichlortrioxid (Cl2O3) ist bei –78 °C ein stabiler, dunkelbrauner Festkörper, der sich bei –45° langsam, bei etwa 0 °C explosiv zu Cl2 und O2 zersetzt. Dichlortrioxid besitzt eine Molmasse von 118,91 g/mol.
- Dichlorhexaoxid (Chlortrioxid, Cl2O6) ist eine tiefrote Flüssigkeit mit einer Dichte von 2,02 g/l und einer Molmasse von 166,91 g/mol. Sie gefriert bei 3,5 °C und siedet bei 203 °C. Es ist ein starkes Oxidationsmittel und reagiert unter Explosion mit vielen reduzierend wirkenden Stoffen.
- Dichlorheptaoxid (Cl2O7) ist ein farbloses Öl mit einer Dichte von 1,86 g/l. Es gefriert bei -92 °C, siedet bei 82 °C und besitzt eine Molmasse von 182,91 g/mol. Dichlorheptaoxid ist das Anhydrid der Perchlorsäure. Gewonnen wird Cl2O7 durch Dehydratisierung von Perchlorsäure mittels Phosphorpentaoxid. Dichlorheptaoxid ist explosiv und birgt ein dementsprechendes Gefahrenpotenzial.
Siehe auch
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