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Central Artery (Boston)
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Beim Projekt der Central Artery in Boston handelt es sich um die unter dem Namen "Big Dig" bekannte, seit 1992 durchgeführte Tieflegung einer zentralen Stadtautobahn und Untertunnelung des Charles River, eines der aktuell aufwändigsten Tiefbauprojekte der Welt.
Eine Tieflegung der seit 1959 durchs Zentrum Bostons führenden sechsspurigen "Central Artery" wurde seit den 1970er Jahren intensiv diskutiert. Die auf eine Kapazität von 75.000 Autos pro Tag ausgelegte Hochstraße war mit über 200.000 Autos pro Tag hoffnungslos überlastet, zudem zeigte die Stahlträgerkonstruktion deutliche Ermüdungserscheinungen: Eine schrittweise Sanierung des existierenden Bauwerks (und die damit verbundenen Verkehrsbehinderungen) hätten ein jahrelanges totales Verkehrschaos in der Bostoner Innenstadt bewirkt. Weiters legten die negativen urbanistischen Effekte einer Stelzenautobahn speziell in potenziell hochpreisigen innerstädtischen Immobilienlagen eine Tunnellösung nahe. Mit der Neugestaltung der "Hauptschlagader" des Individualverkehrs verbanden schließlich umweltpolitisch Engagierte die Hoffnung auf eine erneuerte, grünere Innenstadt und die Bostoner Architektenschaft die Hoffnung auf vermehrte Bauaufträge in den frei werdenden zentralen Lagen. Auch sollte eine direkte autobahnmäßige Verbindung unter dem Fluss zum Flughafen der Stadt geschaffen werden.
1982 begannen die Vorstudien, und im April 1987 billigte der US-Kongress die Finanzmittel. Auf dem Höhepunkt der Bauarbeiten waren 5.000 Arbeitnehmer mit dem Central-Artery-Projekt beschäftigt. 2004 konnte die Stelzenautobahn abgebaut werden. Errichtet wurde bzw. wird (mit über 80 Prozent Bundesmitteln) ein technokratischer Kompromiss. Die tief gelegte Stadtautobahn ist nun auf 240.000 Fahrzeuge pro Tag ausgelegt, die (noch in Fertigstellung befindliche) Oberflächengestaltung ist etwas weniger grün ausgefallen als dies sich umweltbewegte Bürgerinitiativen vorgestellt haben. Die urbanistischen Auswirkungen gelten aber als positiv. Insbesondere konnte so die Abschneidung Bostons von seiner in den letzten Jahrzehnten erfolgreich revitalisierten Waterfront beseitigt werden. Gegenwärtig (Anfang 2007) sind die Arbeiten am Central-Artery-Projekt zu 98 Prozent beendet. Die Gesamtkosten belaufen sich nach aktueller Mitteilung der Massachusetts Turnpike Authority auf 14,6 Milliarden Dollar, das ist mehr als das Fünffache der ursprünglich anvisieren 2,6 Milliarden Dollar. Die durch die Tieflegung der Stadtautobahn gewonnenen Freiflächen werden etwa 11 ha betragen, die CO 2-Belastung Bostons soll durch das Bauwerk um etwa 12 Prozent sinken.
Literatur
Robert Schediwy: Städtebilder: Reflexionen zum Wandel in Architektur und Urbanistik, LIT Verlag Wien 2005, ISBN 3-8258-7755-8 (insbes. S 47ff)
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