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Castrum doloris

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Das Castrum doloris (lat. = "Trauerlager", "Trauergerüst") ist ein geschmücktes hölzernes Gerüst, das in der Renaissance und im Barock anlässlich des Todes von hochgestellten Personen errichtet wurde.

Am Castrum doloris (auch tumulus genannt) wurden nach dem Caeremoniale episcoporum die Exequien, genauer die Absolution des Verstorbenen, gefeiert. Es wurde im Kirchenschiff, nicht am Altar, errichtet und trug an sich den Leichnam des Verstorbenen. Bei Päpsten, Kardinälen und Bischöfen wurde dieser so ausgerichtet, dass das Haupt zum Altar zeigte, bei Laienchristen, z. B. Kaiser, König und Fürsten, hingegen die Füße, ebenso ein Trauergerüst ohne gegenwärtigen Leichnam (absente corpore).

Das Castrum doloris hatte die Funktion, den Verstorbenen in seiner Macht und Größe zu repräsentieren und war eine kurzfristige Dekoration für den Augenblick. Ein bleibendes Denkmal konnte es nur durch einen vom Gerüst angefertigten Kupferstich werden, die die reiche Ausschmückung dokumentierten.

Die Gerüste bestanden aus Holz, das durch bemalte Leinwand, Stoffe, Stuck, Gips und Karton verkleidet wurde. Diese Konstruktion wurde mit umfangreichen Malereien verziert, die die Größe des Verstorbenen hervorheben sollte. Die überreichen Ausschmückungen und der verschwenderische Reichtum, der zur Schau gestellt wurde, gehörte in das pathetische Weltbild, das vornehmlich dem Barock zuzuordnen ist. Die Freude an Spektakeln und festlichen Anlässen fand auch hier ihren Ausdruck und überstieg zuweilen die Grenzen der liturgischen Notwendigkeiten. Die Darstellung des Ruhmes und der eigenen Herrlichkeit rückte immerzu in den Vordergrund der Riten und Bräuche. Die Entwicklung sollte zeigen, dass der eigentliche Leichnam im Gegensatz der Trauerdekoration überflüssig wurde, sodass die Errichtung des Castrum doloris an Orten des fürstlichen Machtbereichs durchaus ausreichend war.

Die verschiedensten Künstler und Maler übertrafen sich gegenseitig mit den prunkvollsten Entwürfen, sodass in mehreren Kirchen verschiedene Trauergerüste aufgestellt wurden. Beim Tode von Leopold I. wurden in Wien alleine fünf Gerüste erbaut. Es zeigt sich, dass das Trauergerüst und die Darstellung der herrscherlichen Herrlichkeit den tatsächlichen Umständen der Regierungszeit widersprachen. Sie bilden ein idealisiertes Gesamtbild, das auf der Illusion von tugendhaften und verdienstvollen Fürsten beruhte.

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und dem Anfang des 18. Jahrhunderts waren die Festapparate besonders beliebt. Im gesamten mitteleuropäischen Raum, an weltlichen sowie auch an geistlichen Fürstenhöfen, beim Adel so auch beim Klerus und in Klöstern waren sie immer vertreten. Bei dem Geschlecht der Habsburger ist jedoch relativ früh eine besonders reichliche Ausschmückung des Castrum doloris, etwa mit Emblemen, zu verzeichnen.

Castrum doloris ist auch der Titel einer extraordinairen Abendmusik von Dietrich Buxtehude aus Anlass des Todes von Kaiser Leopold I. 1705 (BuxWV 134) Während das Textbuch erhalten ist, ist die Komposition verschollen.

Literatur

  • Magdalena Hawlik-van de Water: Der schöne Tod. Zeremonialstrukturen des Wiener Hofes bei Tod und Begräbnis zwischen 1640 und 1740. Wien/Freiburg/Basel 1989)
  • Liselotte Popelka: Castrum Doloris oder “Trauriger Schauplatz”. Untersuchungen zu Entstehung und Wesen ephemerer Architektur. Wien 1994
  • Benjamin Favrin: Praxis sollemnium functionum episcoporum. Editio altera. Pustet, Ratis´bonae 1926, 124-131.

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