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Carl Hildebrand von Canstein
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Leben
Nach dem „Studium juris historicum et politicum“ in Wittenberg promovierte er 1687 in Frankfurt an der Oder zum Dr. jur.
Nach einer anschließenden zweijährigen Grand Tour durch Holland, England, Frankreich, Italien und Österreich wurde Carl-Hildebrand 1688 durch den Tod von Kurfürst Friedrich Willhelm von Brandenburg, besser bekannt als Großer Kurfürst, nach Berlin zurückgerufen. Dort schlug er die Laufbahn eines Hofbeamten ein. 1692 wurde er als Offizier nach Flandern geschickt, wo er an der Amöbenruhr erkrankte. Auf dem Krankenbett gelobte er, sein Leben der Verbreitung der Heiligen Schrift zu widmen, wenn er überlebe.
Nach seiner Genesung lernte Carl Hildebrand 1694 den großen Theologen und Vordenker des Pietismus, Philipp Jakob Spener kennen, dessen finanzieller Förderer er wurde. Die Diskussionen mit Spener bestimmten sein theologisches Weltbild. Über Spener lernte Carl Hildebrand später auch August Hermann Francke kennen, dessen Freund er wurde (Ihr umfangreicher Briefwechsel ist in Buchform veröffentlicht). Francke baute in Halle ein diakonisches Zentrum auf, die später so genannten Franckesche Stiftungen zu Halle.
Von Francke inspiriert beschloss Carl Hildebrand, sein Vermögen für den Aufbau einer Bibelgesellschaft in Halle zu verwenden. Die 1710 gegründete Bibelanstalt ist die älteste Bibelanstalt der Welt und trägt bis heute den Namen Cansteinsche Bibelanstalt. Ziel war es, Bibeln als „Massendruck“ möglichst preiswert herstellen zu können (siehe auch "Stehender Satz"), um das Studium der Heiligen Schrift in deutscher Sprache auch weniger wohlhabenden Menschen zu ermöglichen. So kostete das Neue Testament 2 Groschen (ca. 1 Euro), eine Gesamtausgabe war schon für 6 Groschen (ca. 3 Euro) zu haben – ein buchhändlerischer Gewinn wurde nicht erzielt. Zu Lebzeiten Carl Hildebrands wurden zusammen 180.000 Bibeln und Neue Testamente gedruckt und verbreitet, bis 1800 stieg diese Zahl auf 2,7 Millionen Exemplare.
Carl Hildebrand starb am 17. August 1719 und wurde in der Marienkirche in Berlin am Alexanderplatz beigesetzt, wo heute eine Gedenktafel an ihn erinnert. Da er kinderlos blieb, vermachte er sein nicht unbeträchtliches Vermögen, seine märkischen und brandenburgischen Güter sowie seinen Anteil an Herrschaft und Burg Canstein im Sauerland seiner Stiftung.
Siehe auch
Werke
- "Ohnmaßgeblicher Vorschlag, wie Gotteswort den Armen zur Erbauung um einen geringen Preis in die Hände zu bringen sei", Halle 1710.
- "Harmonie u. Ausl. der hl. vier Evangelisten", 9 Bde., Halle 1718.
Literaturauswahl
- Plath, Karl Heinrich Christian: C. H. Frhr. v. C., 1861.
- Bertram, Oswald: Gesch. der C.schen Bibelanstalt, 1863.
- Ritschl, Albrecht: Gesch. des Pietismus II, 1884, 513 ff.
- Schürmann, August: Zur Gesch. der Buchhandlung des Waisenhauses u. der C.schen Bibelanstalt zu Halle an der Saale, 1898.
- Fries, Wilhelm: Die C.sche Bibelanstalt u. ihr Stifter C. H. v. C., 1910.
- Hauß, Friedrich: Väter der Christenheit II, 1957, 33 f.
- Geprägs, Adolf: C. H. Frhr. v. C. Der Gründer der ersten Bibelanstalt, in: Menschen vor Gott, hrsg. v. Alfred Ringwald, II, 1958, 76 f.
- Hoffmann-Aleith, Eva: Der Frhr. Aus dem Leben des Frhr. C. H. v. C. Roman, 1960.
- C.sche Bibelanstalt: Die bleibende Bedeutung des Pietismus. Zur 250-J.feier der v. C.schen Bibelanstalt, hrsg. v. Oskar Söhngen, 1960 (109-131: v. C.s »Ohnmaßgeblicher Vorschlag«).
- Urner, Hans: C. H. Frhr. v. C. 250 J. C.ische Bibelanstalt, in: Zeichen der Zeit 14, 1960, 382 ff.
- Leppin, Günther: C. H. Frhr. v. C. Ein Christ in den Spannungen seiner u. unserer Zeit, 1967.
- Söhngen, Oskar: C. u. seine Bibelanstalt, in: Die Bibel in der Welt 10, 1967, 105 ff.
- Schicketanz, Peter: der Briefwechsel Carl Hildebrand von Cansteins mit August Hermann Francke, in: Aland, Peter (Hrsg. - Im Auftrag der Historischen Kommission zur Erforschung des Pietismus): Zur Geschichte des Pietismus, Berlin 1972.
- Ders.: Carl Hildebrand von Canstein: Leben und Denken in Quellendarstellungen, Tübingen 2002.
- Spener, Philipp Jakob: Schriften; Bd. 15 – Nachdr. der Ausg. Halle (1711) 1987.
Weblinks
- Julius August Wagenmann: Canstein, Karl Hildebrand Freiherr von und zu. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Bd. 3, S. 764–765.
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- Eintrag (mit Literaturangaben) im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon (BBKL)
- Canstein Bibelzentrum Halle
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Canstein, Carl Hildebrand Freiherr von |
| KURZBESCHREIBUNG | Gründer der Cansteinschen Bibelanstalt in Halle |
| GEBURTSDATUM | 4. August 1667 |
| GEBURTSORT | Lindenberg |
| STERBEDATUM | 17. August 1719 |
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