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Burg Wittelsbach
Aus Kefk.
| Burg Wittelsbach | |
|---|---|
|
Die gotische Burgkirche auf der Kernburg | |
| Entstehungszeit: | um 1000 |
| Burgentyp: | Hügelburg |
| Erhaltungszustand: | Reste in neueren Teilen |
| Ständische Stellung: | Grafen |
| Ort: | Oberwittelsbach |
| Geographische Lage: | Koordinaten: 48° 28′ 07″ N, 11° 10′ 34″ O48° 28′ 07″ N, 11° 10′ 34″ O |
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Burg Wittelsbach war eine Burganlage in Oberwittelsbach, einem Stadtteil von Aichach.
Sie wurde bereits um 1000 urkundlich erwähnt. Im Jahre 1083 zog der Scheyerner Graf Otto III. von Scheyern von der Burg Scheyern in die Burg Wittelsbach. Seit 1115 nannten sich die Grafen von Scheyern Pfalzgrafen von Wittelsbach. Daher gilt die Burg als Stammsitz der Wittelsbacher.
1209 wurde die Burg zerstört und nicht wieder errichtet. An der Stelle der Burg wurde eine Kirche errichtet, aus der sich die Ortschaft Oberwittelsbach entwickelte, die bis 1978 selbständig war.
Im Andenken an die Burg werden Teile des Landkreises Aichach-Friedberg als Wittelsbacher Land bezeichnet.
Geschichte
Die erste Wehranlage (ca. 35 x 45 m) auf dem östlichen Sporn des Burghügels wurde nur durch einen Abschnittswall unbekannter Zeitstellung gesichert, dem sicherlich ein Graben vorgelagert war. Im Hochmittelalter errichtete man auf der Wallkrone eine Schildmauer und verbreiterte den Halsgraben. Dieser Graben endete ungefähr an der Westmauer der späteren „Sühnekirche“. Gleichzeitig entstand eine steinerne Ringmauer um die Hauptburg.
Als die Grafen von Scheyern die Burg Anfang des 12. Jahrhunderts übernahmen, wurde der alte Halsgraben zugeschüttet. Auch die Schildmauer verschwand, die Ringmauer wurde verstärkt, teilweise erneuert und nach Westen erweitert. Die neue Kernburg hatte ungefähr die doppelte Ausdehnung der alten Wehranlage. Im Vorfeld legte man zwei geräumige Vorburgen an. Der Halsgraben dieser Burg ist noch erhalten.
Diese Veste der Wittelsbacher soll angeblich 1209 nach dem Bamberger Königsmord gewaltsam zerstört worden sein. Die archäologischen Grabungen der Jahre 1978 bis 1980 ergaben hierfür aber keine eindeutigen Nachweise. Die Ruinen wurden offensichtlich eher langsam zur Gewinnung von Baumaterial abgetragen. Brandschutt konnte nicht gefunden werden, die Burg wurde wohl nur geräumt und verlassen.
Nach der Auflassung der Burg diente das Gelände kirchlichen Zwecken. Ob hier ein Zusammenhang mit der ehemaligen Burgkapelle besteht, ist völlig spekulativ. Es fehlen jegliche schriftlichen und mündlichen Überlieferungen über die Anfänge dieser Umnutzung.
Im 15. Jahrhundert entstand die erhaltene spätgotische Kirche auf dem Burgplatz. Der Überlieferung nach soll es sich hierbei um eine "Sühnekirche" der Wittelsbacher (Ludwig der Kehlheimer) zur Wiedergutmachung der Bamberger Bluttat handeln. Allerdings finden sich hierzu keine Hinweise in den Quellen.
Wohl ab dem 16. Jahrhundert siedelten sich einige Kleinbauern und Söldner auf dem Burggelände an. Die bescheidenen Anwesen wurden im 19. Jahrhundert beseitigt, um das neugotische „Wittelsbacher-Nationaldenkmal“ errichten zu können. Das Denkmal wurde am 25 August 1834 vor den Augen hunderter Schaulustiger eingeweiht. Insgesamt sollen sich in und um Aichach über zwanzigtausend Festbesucher aufgehalten haben, darunter 1000 berittene Bauern. Der Regent Ludwig I. ließ sich allerdings durch den Regierungspräsidenten Ritter von Link vertreten. Als Stammsitz des Königshauses entwickelte sich Oberwittelsbach zum beliebten Ausflugsziel, das auf zahlreichen Stichen und Lithographien dargestellt wurde.
Am 9. September 1857 besuchte mit König Max II. erstmals wieder ein Wittelsbacher die Stammburg seiner Ahnen.
Im Zuge der Vorbereitungen der Ausstellung „Wittelsbach und Bayern“ begannen die Planungen einer archäologischen Grabung auf dem Burggelände, die von 1978 bis 1980 unter der Trägerschaft des Bezirkes Schwaben durchgeführt wurde. Anschließend mauerte man einige Fundamente über das Bodenniveau auf. Die heute sichtbaren Mauerzüge sind auf diese Arbeiten zurückzuführen.
Beschreibung
Etwa 150 Meter nordöstlich der Kernburg liegt eine kleine Turmhügelburg auf einer Geländerippe, deren Funktion und genaue Zeitstellung unklar ist. Die beiden Burgplätze werden durch ein Bachtal getrennt.
Die Burg der Wittelsbacher bestand aus der länglichen Kernburg im Osten und den beiden Vorburgen im Westen. Wall und Graben (nördlicher Auslauf erhalten) der inneren Vorburg sind größtenteils planiert und überbaut (Landwirtschaftliche Anwesen, neugotisches Benefiziatenhaus), die Erdwerke der äußeren Vorburg besonders im Bereich des Spielplatzes noch gut zu verfolgen. Die Straße nach Aichach verläuft im ehemaligen Grabenbereich.
Hinter dem zugeschütteten Graben der ersten Burg erhebt sich die spätgotische Burgkirche, ein einschiffiger Backsteinbau mit Satteldachturm und eingezogenem Chor. Die Westfassade wurde im 19. Jahrhundert verändert, auch die Maßwerke stammen aus dieser Zeit. Die seitlich und östlich sichtbaren Mauerzüge sind Aufmauerungen der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts.
Über dem nördlichen Auslauf des Halsgrabens steht seit 1834 das „Wittelsbacher-Nationaldenkmal“. Das hohe neugotische Fialentürmchen geht auf einen Entwurf Joseph Daniel Ohlmüllers zurück.
Der Grundriss der Gesamtanlage verläuft bogenförmig. Die Hänge der Kernburg fallen etwa 20 m steil ins Tal. Im Süden sind hier zwei Hanggräben vorgelagert, die man eigentlich eher dem frühmittelalterlichen Burgenbau zuordnen würde. Die Burg war insgesamt ungefähr 200 m lang (Kernburg etwa 115 m) und im Vorburgbereich 90 m breit.
Bei den Ausgrabungen kam im Bereich des ersten Halsgrabens vor der Kirche ein runder Zisternenschacht aus Backsteinen zum Vorschein, dessen Boden mit Teilen mehrerer Mahlsteine ausgelegt war. Der zugehörige Sickerschacht war mit Steinschutt gefüllt. Kurz vor der Aufgabe der Burg dürfte die Zisterne als Abfallgrube benutzt worden sein. Offenbar hatte sie ihren eigentlichen Zweck der Wassergewinnung nur unzureichend erfüllt. Die Sohle des Schöpfschachtes (Breite etwa 2 Meter) liegt ungefähr 6 Meter unter dem heutigen Bodenniveau.
Die Ringmauer bestand aus Sandsteinbrocken, welche wohl aus ehemaligen örtlichen Vorkommen stammen, die zum Burgenbau vollständig abgebaut wurden. Die Mauer war etwa 1,50 m breit, die freigelegten Steinlagen bis zu 1,70 m hoch. Im Bereich eines älteren Grabens sind noch 20 Steinlagen bis zur Höhe von 3,20 vorhanden. Nach Beendigung der Grabungsarbeiten wurden die Grabungsschnitte wieder verfüllt.
Literatur
- P. Fried: Hochadelige und landesherrlich-wittelsbachische Burgenpolitik im hoch- und spätmittelalterlichen Bayern. In: Die Burgen im deutschen Sprachraum (Vorträge und Forschungen, herausgegeben vom Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte, Bd. 19, T. 2
- Robert Koch: Ausgrabungen in der Burg Wittelsbach bei Aichach – Ein Vorbericht über die Ergebnisse bis Mai 1980. Augsburg, 1980
- Robert Koch: Die Ausgrabungen in der Burg Wittelsbach bei Aichach 1978-1979. In: T. Grad (Hrsg.): Die Wittelsbacher im Aichacher Land, 1980
- Horst Lechner, Wolfgang Brandner: Aichach bei Wittelsbach - Historische Ansichten aus vier Jahrhunderten. Augsburg, 1999. ISBN 3-89639-191-7
- Helmut Rischert: Burgställe im Landkreis Aichach-Friedberg. In: Heimatkundliche Beiträge aus dem Augsburger Raum 1, 1975.
- Wilhelm Störmer: Probleme der frühen Wittelsbacher im Aichacher Raum. Vorträge d. Arbeitstagung am 25./26. April 1980 geh. im Landratsamt Aichach im Auftr. d. Landkreises Aichach-Friedberg. (Altbayern in Schwaben, 1979/80). 1980
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