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Buntpapier

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Buntpapier ist ein Sammelbegriff für Papiere, die nachträglich mittels unterschiedlicher Techniken von Hand oder mittels Maschinen veredelt werden. Sie dienen zum Umhüllen, Bekleben und Auskleiden von Gegenständen und Verpackungen, oder als künstlerischer Bedarf. Nicht als Buntpapier gelten Tonpapier und Tonkarton, die aus direkt in der Masse gefärbtem Stoff hergestellt werden.

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Japanisches Buntpapier
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Bastelei aus Buntpapier

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Japanische Suminagashi-Papiere aus der Heian-Zeit (794–1185) sind die ältesten überlieferten Beispiele des Buntpapiermachens. Auf entsprechend dekorierten Papieren wurden Gedichte niedergeschrieben. Auch in Persien wurden Marmorpapiere für kalligrafische Arbeiten verwendet. Europa lernte marmorierte Papiere über die Türkei kennen, wo man diese Ebru nannte.

Techniken und Sorten

Beim Dekorieren von Papier können eine Reihe von Techniken eingesetzt und auch miteinander kombiniert werden. Die Sortenbezeichnungen spiegeln zum Teil diese Techniken wieder (z. B. Modeldruckpapier, Walzendruckpapier, Schablonenspritzpapier), zum Teil benennen sie die Erscheinungsform der Oberflächen bzw. des Dekors (z. B. Holzmaserpapier, Moirépapier, Kalbslederpapier), oder beziehen sich auf Rohstoffe und Pigmente (Metallpapier, Glimmerpapier, Wollvelourpapier). Immer wieder wird versucht, das Erscheinungsbild historischer Techniken durch andere, oft preisgünstigere Verfahren zu imitieren.

gestrichene Papiere

Einfarbig gestrichene Kleisterpapiere gehören zu den einfachsten Gestaltungsformen. Die Kleisterfarben werden aus Stärkekleister und aus in Wasser löslichen Farbmitteln hergestellt und erlauben gezielte Abstufungen der Farbintensität. Zum Auftragen der Farbe werden vor allem Bürsten, Pinsel und Schwämme verwendet. Mit Stempeln, Rollen oder Walzen können in die noch feuchte Farbe Schmuckformen eingedrückt werden.

getunkte Papiere

Bei den getunkten Papieren wird die Farbe zunächst auf die Oberfläche von Wasser oder einem aus Carragheenmoos bzw. Traganth hergestellten Schleimgrund durch Spritzen oder Tropfen aufgebracht und mittels die Oberflächenspannung beeinflussender Treibmittel sowie unter Zuhilfenahme mechanischer Mittel (Stäbchen, Kämme etc.) in der gewünschten Form verteilt. Der so entstandene Farbenteppich wird anschließend mit einem Papierbogen komplett abgehoben, wodurch das Muster seitenverkehrt auf diesen übertragen wird. Beim japanischen Suminagashi-Papier wird Tusche auf Wasser verteilt, wobei Kieferharzöl als Treibmittel eingesetzt wird. Bei europäischen Marmorpapieren wird häufig Ochsengalle als Dispergiermittel eingesetzt. Bei den Marmorpapieren werden eine Vielzahl von Mustern unterschieden, die nur zum Teil nach den Formen (Steinmarmor, Adermarmor, Schneckenmarmor, Bukettmarmor, Wellenmarmor, Tigeraugenmarmor) benannt werden; andere Sortenbezeichnungen sind Antikmarmor, Wandamarmor, etc.

gedruckte Papiere

Alle Techniken des Druckens können grundsätzlich auch zum Veredeln von Papier verwendet werden. Erhabene Druckformen kommen beim Stempeldruck und beim Hochdruck zur Anwendung. Das Prägedruckverfahren wurde bei der Herstellung von Brokatpapieren eingesetzt. Im Tiefdruckverfahren wurden Buntpapiere als Kupferstiche oder als Walzendruckpapiere produziert. Die Lithografie erlangte unter den Flachdruckverfahren die größte Bedeutung für die Buntpapierfabrikation. Muster, die früher häufig mittels Schablonen auf das Papier übertragen wurden, werden heute oft im Siebdruckverfahren hergestellt.

geglättete, geprägte und gepresste Papiere

In der industriellen Buntpapierfabrikation erhält die Gestaltung der Papieroberfläche einen hervorgehobenen Stellenwert. Einfarbige Glanz- und Glacépapiere sind Buntpapiersorten, deren Oberfläche durch Kalandrieren, Bürsten oder Glätten mit dem Achatstein geglättet werden. Diese Oberflächen werden mittels Prägeplatten und Prägewalzen weiter veredelt. Typische Beispiele sind Moirémuster oder spezielle Lederimitationen, bei denen die Prägematrizen durch Abgüsse von originalen Ledermustern gewonnen werden.

gespritzte Papiere

Mit den Borsten einer Bürste oder eines Pinsels aufgebrachte braune Farbspritzer auf beige gestrichenem Grund sind charakteristisch für Kiebitzpapiere, da ihr Aussehen an das Erscheinungsbild entsprechender Vogeleier erinnert. Die Kombination hell- und dunkelgrauer Farbtöne ergibt Granitpapiere. Deckt man einen Teil des Grunds beim Aufsprühen oder Aufspritzen der Farbe mit entsprechend konturierten Schablonen ab, so lassen sich Schablonenspritzpapiere mit charakteristischen Farbverläufen herstellen.

tauchgefärbte Papiere

Bei tauchgefärbten Buntpapieren wird die Musterung auf indirektem Weg (Reservetechnik) erzeugt. Durch Wachsauftrag werden die Stellen abgedeckt, an denen keine Farbe aufgenommen werden soll. Nach Eintauchen in ein Farbbad und anschließendem Trocknen wird das Wachs durch Hitze entfernt. Wie bei dem Batik genannten indonesischen Textilfärbeverfahren lassen sich Muster auch durch Abbinden erzielen.

Hersteller

Buntpapiermacher

Viele der handwerklichen Buntpapiermacher in der Frühen Neuzeit sind namentlich nicht bekannt. Allerdings haben viele Verleger von Brokatpapieren ihre Erzeugnisse mit Herkunftsangabe und Bestellnummer versehen. Unter den Brokatpapierverlegern sind vor allem Firmen in Augsburg (Johann Georg Eder, Johann Christoph Ledergerber, Johann Christian Leopold, Abraham Mieser, Johann Carl Munck, Johann Michael Munck, Georg Christoph Stoy), Nürnberg (Georg Reimund, Georg Daniel Reimund, Johann Michael Reimund, Paul Reimund, Georg Nikolaus Renner) und Fürth (Johann Köchel) hervorzuheben. Auch bei Modeldruckpapieren, so z. B. französischen Dominotier-Papieren, sind oft Herkunftsangaben und Bestellnummern eingedruckt.

Seit dem ausgehenden 19. Jahrhunderts sind eine Vielzahl künstlerisch ambitionierter Buntpapierdesigner und Buntpapiermacher bekannt.

Buntpapierfabriken

Erste Ansätze zur Buntpapierfabrikation in industriellem Maßstab unternahm 1805 Gottfried Heinrich Wilisch (1771-1837) in Schneeberg. In Aschaffenburg entstand aus der 1810 konzessionierten Werkstatt des aus Neuwied stammenden Buchbinders Johann Daniel Knode 1811 die Buntpapierfabrik des Handelsmanns und Bankiers Alois Dessauer (1763-1850). Eine rasch wachsende Belegschaft – 50 (1815), 140 (1826), 200 (1832) – arbeitete anfänglich noch ausschließlich in Handarbeit. Der Verkauf erfolgte nicht nur innerhalb von Europa, sondern auch nach Süd- und Nordamerika und nach Australien. Seit 1843 konnten nicht nur Bogen verarbeitet werden, sondern auch Papier in Rollenform. Walzendruckpapiere wurden sowohl im Hochdruck als auch im Tiefdruck als billige Massenware produziert. Seit 1856 dienten Bürstenstreichmaschinen zur Herstellung einfarbig gestrichene Glacé- und Chromopapiere.

Anwendungsgebiete

Zu den Anwendungsgebieten von Buntpapier gehören neben Bucheinbänden das Überziehen von Mappen und Kartonagen, das Auskleiden von Hutschachteln und Koffern, von Schränken und Schubladen, das Bekleben von Fernrohren und Musikinstrumenten, das Ausschmücken von Puppenstuben.

Am Buch wird Buntpapier als Vorsatzpapier und als Einbandbezugspapier verwendet. Marmoriertechniken können zudem zur Marmorierung des Buchschnitts eingesetzt werden.


Museen und Sammlungen

Siehe auch

Literatur

  • Josef Phileas Boeck: Die Marmorirkunst. Ein Lehr- und Handbuch für Buchbindereien, Buntpapierfabriken und verwandte Geschäfte. Unveränd. Nachdr. d. 2. Aufl. [1896]. Schäfer, Hannover 1987, ISBN 3-88746-186-X
  • Anne Chambers: Marmoriertes Papier. Ein praktischer Leitfaden. Haupt, Bern, Stuttgart 1988. ISBN 3-258-03961-5
  • Gabriele Grünebaum: Buntpapier. Geschichte, Herstellung, Verwendung. DuMont, Köln 1982, ISBN 3-7701-1406-X
  • Albert Haemmerle: Buntpapier. Herkommen, Geschichte, Techniken, Beziehungen zur Kunst. 2. Auflage. Callwey, München 1977
  • Traudel Hartel: Buntpapiere selber machen. Urania, Stuttgart 2004, ISBN 3-332-01547-8
  • Josef Halfer: Die Fortschritte der Marmorierkunst. 2., verb. u. verm. Auflage. Wilhelm Leo, Stuttgart 1891
  • Ernst Wolfgang Mick: Altes Buntpapier. Harenberg Kommunikation, Dortmund 1979, ISBN 3-88379-140-7
  • Einen Miura: Die Kunst des Marmorierens. Eine Anleitung zur Herstellung marmorierter Papiere. Haupt, Bern, Stuttgart 1991.
  • Gisela Reschke: Wolkenkleister, Marmor und Brokat. Historische Buntpapiere. Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1997
  • Nedim Sönmez: Ebru. Marmorpapiere. Maier, Ravensburg 1992, ISBN 3-473-48104-1
  • August Weichelt: Buntpapier-Fabrikation. 3., bearb. Auflage. Verlag der Papier-Zeitung, Carl Hofmann, Berlin 1927.

Weblinks

Wikipedia
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