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Bund der Vertriebenen
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Der Bund der Vertriebenen (BdV) ist der Dachverband der deutschen Vertriebenenverbände in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins.
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Aufbau
Der BdV ist zweigliedrig in 21 Landsmannschaften, welche die Herkunftgebiete der Vertriebenen repräsentieren, und in 16 Landesverbände für die Bundesländer organisiert. In den einzelnen Verbänden des Bundes sind (nach eigenen Angaben) rund zwei Millionen Mitglieder organisiert. Dabei ist es jedoch keineswegs notwendig, Opfer von Vertreibung zu sein, um Mitglied in einem Vertriebenenverband zu werden. Auch Nachkömmlinge und Ehepartner von Nachkömmlingen können einem Vertriebenenverband beitreten. Weiterhin befasst sich der Bund mit der Betreuung von Aussiedlern und Spätaussiedlern.
Finanzierung
Der Bund der Vertriebenen wird aus Bundesmitteln gefördert. Im Jahre 1995 betrug diese institutionelle Förderung über 3,5 Mio. DM. Davon wurden vom BdV 320.000 DM an seine Mitgliedsverbände weitergeleitet. Die Förderung erfolgt aus Mitteln der „Zuwendungen an zentrale Organisationen und Verbände, die der Eingliederung der Aussiedler, Übersiedler, Vertriebenen und Flüchtlinge dienen“. Unter der rot-grünen Bundesregierung wurde die Förderung heruntergefahren. Sie betrug in den Jahren 2002 bis 2004 jährlich 920.000 €. Der Bund der Vertriebenen wird staatlich gefördert, weil an der Erfüllung seiner Aufgaben ein Bundesinteresse besteht. Zu diesen Aufgaben gehören die Integration der Aussiedler und Spätaussiedler, die soziale und kulturelle Unterstützung der deutschen Volksgruppen und Minderheiten, die Verständigung und Zusammenarbeit mit den Nachbarvölkern und die Pflege des Kulturgutes der Vertriebenen und Flüchtlinge als Teil des deutschen und europäischen Erbes. Die Bundesregierung bedient sich hierzu auch der Einrichtungen der Vertriebenenverbände.
Gesetzliche Grundlagen dieser Aufgaben:
§ 95 BVFG (Bundesvertriebenengesetz) lautet:
„(1) Organisationen der Vertriebenen, Flüchtlinge und Spätaussiedler, deren Zweck nicht auf wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb gerichtet ist, dürfen Vertriebene, Flüchtlinge und Spätaussiedler im Rahmen ihres Aufgabengebietes in Rechts-, Steuer- und Wirtschaftsfragen unentgeltlich beraten. Sie bedürfen hierzu keiner besonderen Erlaubnis. Diese Tätigkeit kann ihnen im Falle missbräuchlicher Ausübung untersagt werden. Das Nähere bestimmt die Bundesregierung durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates.“
§ 96 BVFG verpflichtet Bund und Länder, das Kulturgut der Vertreibungsgebiete im Bewusstsein der Vertriebenen, des gesamten deutschen Volkes und des Auslandes zu erhalten. Die Mitgliedsverbände des Bundes der Vertriebenen und seine ehrenamtlichen Mitarbeiter nehmen ihre Aufgaben mit großer fachlicher Kompetenz wahr. Diese Kompetenz wird allgemein anerkannt.
In den nach § 22 Bundesvertriebenengesetz (BVFG) gebildeten Beirat für Vertriebenen-, Flüchtlings- und Spätaussiedlerfragen, der die Aufgabe hat, die Bundesregierung in diesen Fragen zu beraten, entsenden die Vertriebenenverbände gemäß § 23 Abs. 1 BVFG allein sechzehn Vertreter. Auch auf Landes- und Kommunalebene bestehen Vertriebenenbeiräte, in denen die Sach- und Fachkompetenz der Vertriebenen gefragt ist.
Geschichte
Die Vorgänger-Organisationen des Bundes der Vertriebenen verabschiedeten am 5. August 1950 die Charta der deutschen Heimatvertriebenen. Diese wurde am 6. August 1950 vor dem Stuttgarter Schloss feierlich verkündet und gilt als Grundgesetz der deutschen Heimatvertriebenen und als erste Veranstaltung des seither jährlich als Gedenktag begangenen Tages der Heimat.
Der BdV selbst entstand am 27. Oktober 1957 durch den Zusammenschluss der „Vereinigung der Landsmannschaften (VdL)“ und des „Bundes vertriebener Deutscher (BvD)“. Während der BvD sich eher als politisches Kampforgan der Vertriebenen zur Wiedererlangung der alten Heimat sah, war der VdL eher auf die kulturellen und sozialen Fragen der Vertriebenen orientiert. Dies führte in den Anfangsjahren zu mancherlei heftiger Auseinandersetzung im neuen Verband.
Am 6. September 2000 gründete der BdV die Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen, die die Errichtung eines Dokumentationszentrums über Vertreibungen in Berlin zum Ziel hat. Eine erste Ausstellung fand vom 11. August bis 29. Oktober 2006 unter dem Namen „Erzwungene Wege“ im Kronprinzenpalais in Berlin statt.
Der Einsatz der Vertriebenen und ihrer Verbände für Frieden, Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit und Völkerverständigung wurde wiederholt von den höchsten Repräsentanten der Bundesrepublik Deutschland gewürdigt. Am 2. September 2006 wird der Bundespräsident Horst Köhler die Festansprache zum „Tag der Heimat“ halten.
Der Bund der Vertriebenen nimmt heute die Interessen der von Flucht, Vertreibung und Aussiedlung betroffenen Bevölkerungsgruppe, unabhängig von einer Mitgliedschaft, im Ganzen wahr.
Die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen Erika Steinbach beurteilt Anfang März 2007 die Regierung Polens als rechtsextrem.[1]
Präsidenten
- Georg Baron Manteuffel-Szoege (CSU, VdL) und Linus Kather (GB/BHE, BvD) als gleichberechtigte Vorsitzende (1957–1959)
- Hans Krüger (CDU) (1959–1963)
- Wenzel Jaksch (SPD) (1964–1966)
- Reinhold Rehs (SPD, ab 1969: CDU) (1967–1970)
- Herbert Czaja (CDU) (1970–1994)
- Fritz Wittmann (CSU) (1994–1998)
- Erika Steinbach (CDU) (1998—)
Kritik
Ein Großteil der Mitglieder der Mitgliedsverbände des Bundes der Vertriebenen bekennen sich zu den rechtsstaatlichen Grundsätzen der Bundesrepublik Deutschland und deren aktuellen Grenzen. Der Autor Georg Restle wirft in einem Beitrag des Fernsehmagazins Monitor des Westdeutschen Rundfunks dem Vertriebenenverband vor, dass eine Auseinandersetzung oder Distanzierung von Mitgliedern, die beispielsweise rechtsextremistisches oder geschichtsrevisionistisches Gedankengut vertreten, nicht stattfinde[2].
Literatur
- Ahonen, Pertti: After the expulsion: West Germany and Eastern Europe 1945–1990. Oxford 2003. Oxford University Press. ISBN 0199259895 (Ausführliche Studie, die schwerpunktmäßig die Rolle der Vertriebenenorganisationen bei der Formulierung der westdeutschen Ostpolitik untersucht.)
- Stickler, Matthias: Ostdeutsch heißt Gesamtdeutsch. Organisation, Selbstverständnis und heimatpolitische Zielsetzungen der deutschen Vertriebenenverbände 1949–1972. Düsseldorf 2004. Droste Verlag. ISBN 3770018966.
Weblinks
Quellen
- ↑ Ftd:Steinbach nennt polnische Regierung „rechtsextrem“
- ↑ [1] Kritischer Bericht des WDR über Rechtsextremisten im BdV
Baron Manteuffel-Szoege und Linus Kather | Hans Krüger | Wenzel Jaksch | Reinhold Rehs | Herbert Czaja | Fritz Wittmann | Erika Steinbach
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