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Bohuslav Balbín

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Bohuslav Ludvík Balbín, auch Bohuslav Balbinus (* 3. Dezember oder 4. Dezember 1621 in Königgrätz; † 28. November oder 29. November 1688 in Prag) war tschechischer Jesuit, Literat, Historiker, Erdkundler, Nationalist und Verfechter der tschechischen Sprache, aktiver Teilnehmer an der Rekatholisierung und gehörte zu den bedeutendsten Personen seiner Zeit.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Balbín war das siebente und jüngste Kind einer alten, aber verarmten tschechischen Adelsfamilie. Von seiner Mutter im katholischen Sinne erzogen, besuchte er die Jesuitenschulen in Jičín, Prag und Olmütz, ehe er 1636 in Brünn selbst in den Jesuitenorden eintrat. Er studierte zunächst Philosophie, dann Theologie. 1650 erhielt Balbín die Priesterweihe und arbeitete fortan 3 Jahre als Missionar, die längste Zeit aber als Lehrer an verschiedenen Jesuitenkollegien. Daneben ging er seinen eigenen Studien nach, die den Sehenswürdigkeiten der böhmischen Länder galten. Nachdem er zweimal einen Schlaganfall erlitten hatte und fast erblindet war, setzte er mit Hilfe eines Schreibers sein Werk fort.

Das Leben und die Werke

Bohuslav Ludvík Balbín war ein Kind einer bürgerlichen Familie als Nachkomme des Rittergeschlechts Balbínové z Vorličné. Bei der Taufe wurde er vom Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein gehalten, der vermutlich auch sein Pate war. Nach dem Tod seines Vaters wurde er durch Familienfreund Otto von Oppersdorf auf dem Schloss Častolovice erzogen, wohin er auch mit seiner Mutter umsiedelte. Beide wurde auch durch Nikolaus von Schönfeldt unterstützt. Als Kind war er oft krank, überlebte aber schließlich alle seine sechs Geschwister. Er war begeisterte Leser und interessierte sich vor allem für die Geschichte. So hatte er bereits mit sieben Jahren die Chronik von Václav Hájek z Libočan dreimal gelesen. Er wuchs in einer katholischen Gegend auf, die ihn und seinen Glauben stark prägten. Mit zehn Jahren besuchter er die Jesuitenschule, davor die Schule der Benediktiner in Braunau. Mit Fünfzehn trat er in den Jesuitenorden ein.

Er studierte an verschienen Orten: in Jičín, Prag, Olmütz, Brünn, Glatz. Das Studium an mehreren Orten war in dieser Zeit, vor allem bei den Jesuiten, nichts Außergewöhnliches. Er studierte klassische Sprachen, Literatur, Philosophie, vertiefte seine Beziehungen zur Geschichte Böhmens und der Heimat. In Olomouc war er unter dem Einfluss von Pater Mikuláš Leczy, dessen Lebensgeschichte er später niederschrieb. Die Ferien verbrachte er in Častolovice. Er begleitete Ota z Oppersdorfu bei der Jagd und lernte dabei die Schönheiten der Natur kennen.

Mit Fünfzehn wurde er Novize auf dem Kolleg in Brünn. Zwei Jahre später legte er das erste Gelübde der Armut, Reinheit und des Gehorsams ab. Mit achtzehn Jahren begann er das Studium der Philosophie an dem Prager Jesuitenkolleg Clementinum. Nach dem Erreichen des Bachelors, lehrte er auf dem Gymnasium des Heiligen Clement, damit er später – nach den Regeln des Jesuitenstandes – mit dem Studium der Theologie fortfahren konnte.

1642 legte er in Mähren sein Doktorat ab. In diesem Jahr begleitete er den spanischen kirchlichen Pädagogen Rodriguez Arriag durch Böhmen. Sechs Jahre später, als die Schweden Prag überfielen, nahm er an der Verteidigung der Karlsbrücke teil und wurde dabei schwer verletzt.

1646, zur Krönung des Ferdinand IV., erscheint sein erstes Werk "Legatio apollinis coelestis ad universitatem Pragensem". Es handelte sich dabei nicht um ein rein erdkundliches Werk, sondern wie zur Zeit des Humanismus üblich, um ein dichterisches Werk. Alle diese und seine späteren Werke verfasste er in Latein.

1649 wurden Balbín die Priesterweihen verliehen nebst dem Titel des Meisters der freien Kunst. Auf eigenen Wunsch wird er Missionär in Böhmen, so in der Gegend um Kunvald. Sein Bestreben ist es, die letzten Glaubensbrüder der Hussiten und die Protestanten zu bekehren. Dabei ging er im Gegensatz zu anderen Verfechter des Rekatholisierung milde vor. Nach Beendigung der Missionärstätigkeit kehrt er als Lehrer auf dem Gymnasium zurück. Er wechselte oft die Orte seiner Tätigkeit und begeisterte seine Schüler in der Lehre der nationalen Geschichte. 1661 muss er die Lehrtätigkeit beenden. Gründe waren ungenügender Ordensglaube und sein starker Nationalismus.

Balbín hatte auch später große Probleme mit seinen Vorgesetzten und isolierte sich immer mehr und widmete sich seinem erdkundlichen Werk. Er erkannte die Gefahr der Germanisierung nach der Schlacht am Weißen Berg und begann für den Erhalt der tschechischen Sprache und Kultur zu kämpfen.

Er sammelte bereits in seiner Missionärszeit alte Schriften und Bücher. Nicht jedoch um diese zu verbrennen, sondern um die nationale Geschichte zu dokumentieren. Durch seine Kritik an die Obrigkeit, vor allem dem höchsten Landbeamten und Stellvertreter Bernard Ignác Bořita z Martinic, der auch den Druck seiner Auszüge aus der Geschichte Böhmens nicht genehmigte, musste er später Prag verlassen.

Bohuslav Balbín war ein großer, allerdings unkritischer Bewunderer des Václav Hájek z Libočan, der auf sein Schreiben einen großen Einfluss hatte. Er übernahm von Hájek auch einige historische Fehler – zu Gunsten der glorreichen tschechischen Geschichte. Sein erstes historisches Werk, bestehend aus zwei Büchern „Diva Vartensis seu Origines et Miracula magnae Dei hominumque Matris Marie, quae a tot retro saeculis Wartae in limitibus Silesiae comitatusque Glacensis … colitur“ erschien 1665. Es behandelte den Marienwallfahrtsort Wartha an der Grenze zwischen Schlesien und der Grafschaft Glatz. Das 304 Seiten starke Buch behandelt im ersten Teil den Wallfahrtsort und seine Geschichte, der zweite Teil die Wunder. Das Buch hatte großen Erfolg und wurde bald in Deutsche Sprache übersetzt. Später schrieb er ähnliche Bücher über die Wallfahrtsorte Tuřany bei Brünn und über das Denkmal der Jungfrau Maria vom Heiligen Berg bei Příbram. Von den Jesuiten wurde er daraufhin beauftragt die Geschichte des Ordens in Böhmen zu bearbeiten. Das Gesamtwerk wurde von ihm jedoch nie beendet. Allerdings sah er in einigen Schriften die Schwierigkeiten und das des Jesuiteordens voraus, in denen diese verfolgt und deren Verdienste aberkannt werden. Sein Lebenswerk sah er in der Niederschrift der tschechischen Geschichte. Zuerst schrieb er einen lateinischen Auszug aus der Geschichte Böhmens "Epitome historica rerum Bohemicarum" über den Beginn des Christentums im Lande bis 1526. Hier hob er vor allem die Herrschaft des Kaisers Karl IV. hervor, dessen Ära er für den Höhepunkt der böhmischen Geschichte hielt. Allerdings bestanden die Zensoren auf die Revidierung vieler Kapitel, vor allem derjenigen, die sich auf die Herrschaft der Österreicher und die Steuern bezogen. 1672–73 in Klatovy schrieb Balbín "Dissertatio apologetica pro lingua Slavonica, praecipue Bohemica" (Schutz der slawischen Sprache). Dieses anonym erschienene Werk ist sein bekanntestes Buch, das seinerzeit verboten war. Balbín verteidigt hier das Recht auf eine eigene Sprache, verurteilt den abtrünnigen Adel und äußert Meinungen gegen die herrschende Kaste, aber auch das Beamtentum, Schule und Kirche. Das Werk beendet er mit einem Gebet, dass „der Heilige Wenzel nicht uns und die Zukünftigen aussterben lasse…“ Das Buch wurde erst 1775 durch František Martin Pelcl publiziert. In tschechischer Sprache erschien es erst 1896. 1676 kehrt Balbín nach Prag zurück. Drei Jahre später veröffentlicht er den ersten Teil seines Hauptwerks, welches insgesamt aus 30 Büchern bestehen sollte, das er allerdings nie beendete: "Miscellanea historica regni Bohemiae" (Vielfalt aus der Geschichte des böhmischen Königreichs), dessen Teil eine Ausarbeitung der böhmischen kulturellen Geschichte "Bohemia docta" („Gelehrtes Böhmen“) war. Dieses Teilwerk betrachtet die Geschichte der böhmischen Literatur und des kulturellen Bemühen Böhmens. Die Vielfalt, obwohl im Geist des Katholizismus geschrieben, zeugt von Balbíns Liebe zur Heimat, Land und seiner Geschichte. Das erste Buch "Liber naturalis" handelt von der Naturgeschichte Böhmens. Das zweite Buch "Popularis" von seinen Einwohnern, das dritte "Chorographicus" von Topographie und Ortsbeschreibung. Das Buch „Hagiographicus“ oder „Bohemia sancta“ ist eine Sammlung aller 134 Heiligen Böhmens, Seliggesprochenen, Märtyrer und derer Wunder. Es folgt das Buch „Parochialis“ oder „Sacer dotalis“ über Pfarreien, „Episcopalis“ über das Erzbistum Prag, „Regalis“ Handel von böhmischen Herrschern und „Epistolaris“ erwähnt rechtsstaatliche Verträge. Zwei Bücher sind der Genealogie der böhmischen Geschlechter gewidmet. Dieses Buch wurde ein zweites Mal 1770 von J. Diesbach mit eigenen Anmerkungen, herausgegeben. Ein weiteres Buch handelt von Gerichten und Ämtern in Böhmen „Liber curialis seu de magistratibus et officiis curialibus regm Bohemiae“.

Bohuslav Balbín ist auch Autor von Büchern über religiöse Geschichte und dem Leben des Johann von Nepomuk und anderer Heiliger. Er hinterließ eine Schrift, in der er die Orte und Geschichte beschreibt, die der Jungfrau Maria gewidmet sind oder nach ihr benannt wurden. Für seine Schüler schrieb er 1666 „Verisimilia humanorum disciplinarum“, elf Jahre später Auxilia poetices.“ Über das Leben des Erzbischofs Ernst von Pardubitz handelt „Vita venerabilis Arnesti primi archiepiscopi Pragensis“. In „Origines illustrissimorum comitum de Guttenstein, ubi refertur Vita B. Hroznatae“ verarbeitet er den Ursprung der Grafen von Guttenstein und beweist, dass dieses Geschlecht dem berühmten Geschlecht Hroznaty abstammt. Bohuslav Balbín schrieb auch Gedichte und veröffentlichte diese in „Examen melissaeum“. Die letzte beendete Arbeit ist das Leben des würdigen Vaters Mikuláš Leczycký „Vita vener. Patris Nicolai Lancicii“.

Das gesamte Werk Balbíns ist gekennzeichnet durch wahren Glauben und Loyalität zu den Habsburgern auf der einen Seite und der herzlichen Liebe zu seiner Heimat, seiner Sprache und Kultur auf der anderen Seite. Er war begeisterter Literat, dessen Blindheit und der Tod 1683 ihn daran hinderten, noch mehr Werke zu veröffentlichen. Er starb vier Tage vor seinem 67. Lebensjahr gegen acht Uhr abends. Balbín wurde in der Krypta der Kirche St. Salvator in Prag begraben.

Werke

Auf Grund seiner häufig wechselnden Aufenthaltsorte hatte Balbín Gelegenheit, in allen wichtigen Bibliotheken und Archiven Nachforschungen anzustellen, die er vor allem in seinem auf 20 Bände angelegten Werk Miscellanea Historica Regni Bohemiae, von dem 10 Bände erschienen, verarbeitete. Da er alle wichtigen kulturgeschichtlichen Denkmäler Böhmens beschrieb, sowie die Natur, die Bewohner, die böhmischen Heiligen und die tschechische Sprache behandelte, wurde er in der Zeit der Gegenreformation, in der alle tschechischen nationalen Äußerungen fast zum Erliegen gekommen waren, zum wichtigsten Verteidiger des tschechischen Volkstums. Wegen seiner kenntnisreichen und illustrativen Darstellungen erhielt Balbín den Titel eines "Titus Livius de la Bohéme". Balbín verfasste seine Werke in lateinischer Sprache.

  • Legatio Apollinis coelestis ad universitatem Pragensem etc. – herausgegeben bei der Krönung Ferdinand IV. (1646). Für diese Schrift musste er Prag verlassen und hielt sich dann in Klatovy auf.
  • Epitome rerum Bohem – Auszug aus der böhmischen Geschichte
  • Dissertatio apologetica pro lingua Slavonica, praecipue Bohemica – Verteidigung der slawischen Sprache, insbesondere der tschechischen. Da es zu fachmännisch war, fand es keine Verbreitung.
  • Diva Vartensis – in Schlesien auf Varta.
  • Diva Turzanensis – in Tuřany (Mähren)
  • Diva S. Monti – Heiliger Berg bei Příbram
  • Origines Comit. de Guttenstein – Ursprung der Grafen z Guttenštejna
  • Vita venerab. Arnesti – Das Leben des Arnošt z Pardubic
  • Miscellanea historica regni Bohemiae – Böhmische Geschichte
    • Liber naturalis – Die Natur Böhmens
    • Liber popularis – Die Bevölkerung
    • Liber chorographicus - Ortsbeschreibung
    • Liber hagiographicus – auch Bohemia sancta – Von Heiligen
    • Liber parochialis – auch Sacer dotalis – Von Pfarreien
    • Liber episcopalis – Das Prager Erzbistum
    • Liber regalis – von Herrschern
    • Liber epistolaris - Vertragssammlung
    • Bohemia docta – Das gelehrte Böhmen, befasst sich mit der böhmischen Literatur und Lehre
    • Liber curialis seu de magistratibus et officiis curialibus regem Boohemiae – Buch über Gerichte und Ämter der tschechischen Krone
  • Quaesita oratoria - Lehrbuch
  • Verisimilia humaniorum disciplinarum - Lehrbuch
  • Examen Mellisaeum - Gedichte

Familienverhältnisse

Vater: Lukáš Balbín – königlicher Burggraf der Herrschaft von Pardubice Mutter: Zuzana geborene Vodičková

Weblinks

Wikipedia
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