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Bogen (Streichinstrument)

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Bogen
Bild:Bows-ViolaBassGdulkaKemence.jpg
Verschiedene Bogen von Bratsche, Kontrabass (deutsche Bogenform), Gadulka und Kemenche

Der Bogen ist bei Streichinstrumenten der mit Pferdehaaren (in der Regel vom Schimmel) bespannte Hartholzstab (meist aus Fernambuk oder Brasilholz), der durch Hin- und Herstreichen auf den Saiten durch den Stick-Slip-Effekt eine Schwingung und damit den Ton erzeugt.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Das untere Ende des Bogens mit der Spannvorrichtung für die Bogenhaare wird auch als Frosch bezeichnet, das obere Ende als Spitze. Die Strichrichtung, bei der man den Bogen auf der Saite von der Spitze zum Frosch bewegt, bezeichnet man als Aufstrich, die umgekehrte als Abstrich. Bei den Instrumenten der Geigenfamilie werden starke Zählzeiten bevorzugt mit dem Abstrich, schwache Zählzeiten bevorzugt mit dem Aufstrich gespielt. Bei Gamben ist die Strichrichtung umgekehrt. Die Bogenhaare werden mit Kolophonium eingerieben, dies erhöht den Reibungswiderstand zwischen Saite(n) und Bogen.

Der namhafte Violinist Giovanni Battista Viotti prägte den Leitspruch "Le violon, c'est l'archet". Dies verdeutlicht den hohen Stellenwert des Bogens für den Geiger, vor allem für Solisten und Kammermusiker.

Maße

Violinbogen:

ganze Länge mit Schraube 75 cm
Länge der Stange 73,5 cm
Spiellänge 65 cm
Stangendurchmesser (Stärke) abnehmend von 8,5mm (Frosch) auf 5,3mm (Spitze, Kopf)
Breite des Bezuges 8-9 mm
Gewicht zwischen 51 und 60 gr., durchschnittlich 55-57 gr.


Violabogen:

gleiche Länge wie Violinbogen
Stärke: 9mm bis 5,7mm
Gewicht 63-73 gr.


Violoncellobogen:

ganze Länge 70 cm
Spiellänge 61 cm
Stärke: 10,6mm bis 7,3mm
Breite des Bezuges 11-12 mm
Gewicht 70-75 gr.


Kontrabassbogen:

Deutsche oder Dresdener Form:

untere, mittlere und Halsstärke der Stange = 20, 15 und 10 mm
Gesamtlänge 68,5 cm
Stangenlänge 61 cm
Spiellänge 53 cm
Breite des Bezuges 1,8 cm
Höhe von Kopf und Frosch 5 cm
geringster Haarabstand 3,5 cm


Frz. oder Leipziger Form:

untere, mittlere und Halsstärke der Stange = 15, 12 und 9 mm
Gesamtlänge 70 cm
Stangenlänge 61,5 cm
Spiellänge 53 cm
Breite des Bezuges 1,7 cm
Höhe des Kopfes 4 cm
Höhe des Frosches 4,5 cm
Haarabstand 2,5 cm

Geschichte

Die Spannung des Bezuges bei den ersten Streichbögen wurde bei der Gambe mit dem Mittelfinger und bei der Violine mit dem Daumen erzeugt. Diese Bögen waren rund (aufwärts gewölbt).

In der Mitte des 17. Jahrhunderts waren die Bögen mit einer Zahnstange versehen, um die verschiedenen Spannungen verändern zu können. Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts haben europäische Bögen am Frosch eine Stellschraube, mit der die Spannung des Bezuges reguliert werden kann. Hierdurch wurden für neue Spieltechniken eine größere Bogenspannung möglich als das Material bei unveränderbarer Spannung dauerhaft aushalten könnte. Dies ermöglichte z.B. schnelleres Staccato, doch muss der Bogen nach jedem Gebrauch wieder entspannt werden, da sonst mit der Zeit die Bogenhaare reißen und das Holz sich verformen würde.

Die frühen Barockbögen waren in etwa 10 bis 15 Gramm leichter als die modernen und häufig aus Schlangenholz gefertigt. Erst ab 1700 wurden die Bögen verlängert, um lang anhaltende Noten besser ausführen zu können.

1929 erfand Dr. Hans Baumgart zu Rastatt einen Bogen, bei dem sich während des Spiels die Spannung mit einem mechanischen Hebel verändern ließ. Hierdurch sollte es möglich werden, mehr als 2 Saiten gleichzeitig anzustreichen. Er wurde von Berkowski und dem Konzertmeister Rolph Schroeder weiterentwickelt, konnte sich jedoch bislang nicht durchsetzen.

In der neueren Zeit werden Streichbögen aus Carbonfaser angeboten. Diese genügen den Ansprüchen fortgeschrittener Schüler und Amateure, auch werden sie vereinzelt von Solisten gespielt.

Bogenhaltung

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Bogenhaltung (Violine)
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Bogenhaltung (Violoncello)

Violin-, Bratschen- und Cellobögen werden vom Daumen am Frosch gehalten, während Zeige- und kleiner Finger den Bogen ausbalancieren. Mittel- und Ringfinger liegen locker auf.

Beim Kontrabass gibt es verschiedene Bögen. Der so genannte französische Bogen ist wie ein Violinbogen aufgebaut und wird genauso gehalten. Solche Bögen werden z.B. in Frankreich, Italien, England und teilweise den USA verwendet. Im deutschsprachigen Raum wird fast ausschließlich der deutsche Bogen verwendet. Solche Bögen haben einen sehr breiten Frosch, dessen Außenkante in der Handfläche gehalten wird, während der Daumen über der Bogenstange liegt. Der Mittelfinger stützt zusätzlich an der Stange. Der kleine Finger balanciert am Frosch aus. Der Zeigefinger liegt locker auf. Prinzipiell ist die deutsche Bogenhaltung eher auf Kraftübertragung ausgelegt, während die französische Haltung eher agil ist.

Bekannte Bogenbauer

Die Vorlagen zu den modernen Bögen lieferten der Engländer John Dodd (1752–1839), dem es als erstem gelang, das Holz so zu spalten, dass es nicht mehr brach, sowie der Deutsche Christian Wilhelm Knopf (1767–1837), der die Froschbahn aus Metall erfand, und der französische Bogenbauer François Tourte (1747–1835), der unter dem Einfluss der Geiger Viotti, Kreutzer und Paganini dem Bogen die heutige Form gab und als erster Fernambukholz verwendete, um die Elastizität und Sprungkraft erheblich zu erhöhen.
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goldmontierter Bogen aus der Ouchard Werkstatt in Mirecourt

Jean Baptiste Vuillaume war ebenfalls als großer und innovativer Meister des Bogenbaus bekannt, der Tourtes Werk fortsetzte. Viele der namhaften französischen und deutschen Meister wie Hermann Richard Pfretzschner kamen aus seiner Schule.


Weitere bekannte Bogenbauer sind die Engländer John Dodd, W. E. Hill, die Franzosen Dominique und François Peccatte, Eugène Sartory, Victor Fétique, François Nicolas Voirin, Emile François Ouchard, Morizot, Lotte, Alfred Joseph Lamy, sowie Nicholas Kittel, Albert Nürnberger, Gustav Prager und die Bogenbauerfamilie Pfretzschner in Deutschland.


Weblinks

  • BACH.Bogen Geschichte und Beschreibung des Rundbogens oder sogenannten "Bachbogens".
  • Thomas M. Gerbeth Webseite eines Bogenmachers mit ausführlichen Informationen über die Entwicklungsgeschichte des Streichbogens.


Siehe auch: Strich (Streichinstrument), Streichinstrument, Kolophonium

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