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Blutrache

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Bild:Poster Mjaft gjakmarrjes.JPG
Poster „Genug! Blutrache“ aus Albanien

Die Blutrache ist ein Prinzip zur Sühnung von Verbrechen, bei dem Tötungen durch Tötungen zu rächen. Es stellt die Ultima Ratio der Konfliktbewältigung innerhalb der Fehde dar.

Hierbei straft die Familie des Opfers den Täter und seine Familie, oftmals auch um die Familienehre wiederherzustellen. Unter Familie ist dabei zum Teil nicht nur die biologische Verwandtschaft zu verstehen, sondern auch ein Clan oder eine (Verbrecher-)Bande. Ein Ausgestoßener, für den sein Clan keine Blutrache üben würde, ist in diesem System schutzlos.

Bekanntestes Beispiel ist die aus Süditalien stammende Vendetta.

Inhaltsverzeichnis

Archaische Wurzeln

Die Blutrache ist ein wesentliches Element vieler archaischer Gewohnheitsrechts-Ordnungen auf der ganzen Welt. Theoretisch gilt hierbei das Talionsprinzip („Auge um Auge“, „Blut für Blut“ oder „Leben für Leben“). Das heißt, dass durch den Tod des Mörders der Konflikt beendet werden sollte. Dabei ist es nicht unüblich, dass beide Familien unter Hinzuziehung eines Schlichters (oft auch eines Richters) in einem Treffen das Vorgehen abklären. In der Tradition anderer Völker ist die Strafe dagegen oftmals schlimmer als das vorangegangene Verbrechen. Die Blutrache kann dann zu langen, blutigen Auseinandersetzungen führen, da die bestrafte Familie meist Rache für die Strafe nimmt, die andere Familie wiederum dafür Rache nimmt.

Das erste Verbot der Blutrache findet sich bereits in verschiedenen babylonischen Gesetzessammlungen (ca. 2000 v. Chr.) wie dem Codex Hammurabi.

Vorkommen in der Neuzeit

Auf dem Balkan − speziell in Griechenland auf Kreta, im Norden Albaniens und in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens wie Serbien, Montenegro oder Bosnien und Herzegowina − in östlichen Teilen der Türkei (kan davası: „Blutsangelegenheit“) und bei den Tschetschenen wird die Blutrache zum Teil noch heute praktiziert.

Vendetta ist der italienische Begriff für Blutrache. Sie ist die ursprünglich aus Sizilien stammende Variante des Talions, aber auch in Kalabrien und auf Sardinien vorkommend. Auch auf Korsika ist dieser Begriff das Synonym für die Blutrache.

In den 1990ern war insbesondere Nordalbanien wegen Blutrache und Ehrenmorden berüchtigt. Die Täter halten sich aber meist nicht mehr an die detaillierten Vorschriften des mündlich überlieferten Gewohnheitsrechts Kanun, das unter anderem die Blutrache regelte. In Albanien wird die Blutrache als Hakmarrëje bezeichnet.

Blutrache und rechtstaatliche Gesetzgebung sind eigentlich nicht vereinbar. jugoslawische Gerichte trugen ihr Rechnung, indem sie Bestimmungen des Gewohnheitsrechts anerkannten und sich ihrer bei der Rechtsprechung bedienten. Migranten bringen mit anderen Sitten immer auch ihr Ehrgefühl mit, so dass es auch in Westeuropa zu verschiedenen Blutrache-Fällen kam. Westliche Gerichte beurteilen diese Selbstjustiz in der Regel als Mord oder Totschlag.

Literatur

Darstellungen

  • Peter Zihlmann: Blutrache in Basel – Eine Mutter im Banne archaischer Traditionen. Orell Füssli, Zürich 2007, ISBN 3-280-06084-2

Dichtung und Romane

Wikipedia
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