Blut-Hirn-Schranke
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Unpolare Stoffe wie Alkohol, Nikotin, LSD, MDMA, Heroin, Narkosegase usw. können diese Schranke überwinden, weil sie fettlöslich sind. Wasserlösliche Stoffe müssen über die Transportsysteme der Endothelzellen in das Gehirn geschleust werden.
Die Blut-Hirn-Schranke kann bei Entzündungen, Durchblutungsstörungen und verschiedenen Erkrankungen gestört oder geschädigt werden.
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Aufbau
Die Zellen, die die Blutgefäße aufbauen, werden als Endothelzellen bezeichnet. Normalerweise sind kleine Blutgefäße (Kapillaren) fenestriert (gefenstert), sodass ein Stoffaustausch für Nährstoffe stattfinden kann. Ausnahmen finden sich in der Niere und im ZNS, wo die Endothelzellen besonders abgedichtet sind. Diese Abdichtung, die in den Blutgefäßen des Gehirns Blut-Hirn-Schranke genannt wird, wird durch die Tight junctions (Zonulae occludentes) der Blutgefäße gebildet. Tight junctions sind aus Proteinen aufgebaut, die mit den gleichen Proteinen der Nachbarzelle eine sehr dichte Verbindung eingehen.
Die Endothelzellen haben damit großenteils unter Kontrolle, welche Substanzen auf dem parazellulären Weg in das Gehirn eindringen können, und welche nicht.
Die Ausbildung der Tight junctions (Zonulae occludentes) wird durch eine spezielle Gliazellart, die Astrozyten induziert, die mit ihren Fortsätzen die Endothelzellen umgeben (Membrana gliae limitans perivascularis) und diese somit zur Ausbildung der Verschlusskontakte anregen.
Geschichte
Die Existenz einer solchen Barriere wurde zum ersten Mal im späten 19. Jahrhundert von dem Bakteriologen Paul Ehrlich bemerkt. Er experimentierte mit Farbstoffen, vor allem Aniline, die er in den Blutkreislauf von Ratten injizierte. Diese Farbstoffe färbten alle Organe mit Ausnahme des Gehirns ein.
1913 injizierte Ehrlichs Schüler Edwin Goldmann den Farbstoff direkt in das Rückenmark und fand heraus, dass in diesem Fall das Gehirn durchaus eingefärbt wurde, der Rest des Körpers jedoch Farbstoff-frei blieb. Dadurch wurde klar gezeigt, dass eine Barriere zwischen dem Blutkreislauf und dem Nervensystem existiert. Die dafür verantwortlichen Strukturen wurden in den Blutgefäßen vermutet, konnten jedoch nicht gefunden werden. Erst mit der Etablierung der Elektronenmikroskopie in den 1960er-Jahren konnten diese Strukturen, die Tight junctions, visualisiert werden.
Assoziierte Krankheiten
Verschiedene Krankheiten haben eine Veränderung der Permeabilität der Blut-Hirn-Schranke zur Folge. Bei der Autoimmunerkrankung Multiple Sklerose beispielsweise wird bei einem Schub partiell die Blut-Hirn-Schranke im Gehirn oder entlang des Rückenmarks durchlässig, T-Lymphozyten können sie passieren und greifen das Myelin an, das die Erregungsweiterleitung durch die Nervenfasern erleichtert.
Das Bakterium Vibrio cholerae greift Proteine der Blut-Hirn-Schranke an, was zu einer Öffnung der Barriere und anschließenden Entzündung des Gehirns führen kann.
Beim Collie und mit ihm verwandten Hunderassen schließlich führt ein Gendefekt (MDR1-Defekt) dazu, dass die Blut-Hirn-Schranke z. B. für Wirkstoffe bestimmter Medikamente durchlässig wird, so dass es auch zu Todesfällen kommen kann.
Auch der Erreger der Borreliose, Borrelia burgdorferi, der durch Zeckenbiss übertragen wird, kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden, was zu einem Befall des Nervensystems führt und schwerste Schäden verursacht.
Trivia
"Blut-Hirn-Schranke" ist auch eine unter Narkoseärzten (Anästhesiologen) weit verbreitete scherzhafte Bezeichnung für das Tuch, das während einer Operation den Bereich, in dem sich die Chirurgen aufhalten ("Blut") von dem Bereich trennt, in dem sich der Narkosearzt aufhält ("Hirn").
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