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Blinky Palermo

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Blinky Palermo (* 2. Juni 1943 Leipzig; † 17. Februar 1977 Kurumba/Malediven) war ein deutscher Maler, Environment- und Objektkünstler.

Leben und Werk

Blinky Palermo wurde als Peter Schwarze geboren und kurz darauf zusammen mit seinem Zwillingsbruder Michael vom Ehepaar Heisterkamp adoptiert. Seit 1952 lebte er in Münster, wo er auch ab 1961 die Werkkunstschule besuchte. Ab 1962 studierte er an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Bruno Goller. 1964 wechselte er in die Klasse von Joseph Beuys. Dort gab sich Peter Heisterkamp den Namen "Blinky Palermo", adaptiert nach dem bekannten italienisch-amerikanischen Mafioso und Boxpromotor Blinkey Palmero. Angeblich brachte ihn sein späterer Freund und Künstlerkollege Anatol Herzfeld auf den Namen (Brinkmann, H.: Anatol - Lebenszeiten Arbeitszeiten; S. 102), da der Künstler in seinem Beatnik-Outfit mit Lederjacke, Hut und Sonnenbrille eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Manager des Boxers Sonny Liston hatte. Anderen Quellen zu Folge war der Namenswechsel die Reaktion auf eine Aussage des Kunstlehrers Beuys: "Mit dem Namen Heisterkamp kannste nie was werden als Künstler."

Schon in der Studienzeit bildeten sich enge Freundschaften zu den Künstlerkollegen Sigmar Polke, Gerhard Richter und Imi Knoebel. Blinky Palermo arbeitete im Laufe seiner kurzen Karriere mit unterschiedlichen Medien und Techniken. Eine erste Abweichung vom üblichen Tafelbild waren seine Wandobjekte und Stoffbilder. Letztere fertigte er von 1966 bis 1972 an. Diese "Bilder" bestanden aus zusammengenähten, auf Rahmen gespannten, handelsüblichen Textilstoffen. "Rothkos aus dem Textilkaufhaus" meinten manche Kritiker hier zu erkennen. Dieser gewissermaßen respektlose Ansatz, schrieben andere, "hätte Marcel Duchamp gewiss sehr gefallen".

Ab 1968 und bis 1973 widmete sich Palermo auch der Wandmalerei und Wandzeichnerei. U.A. in Kunstgalerien entstanden mehr als 20 Arbeiten dieser Art, von denen heute keine mehr erhalten ist. Palermo fertigte derartige Werke auch im Ausland, z.B. in Edinburgh und Brüssel an. "Blinky Palermos ortsbezogene Arbeiten machen Raumbezüge anschaulich" (Hamburger Kunsthalle).

1969 zog Blinky Palermo nach Mönchengladbach, 1970 unternahm er gemeinsam mit dem Freund und Künstlerkollegen Gerhard Richter eine Reise nach New York, wo er sich ab 1973 ein Studio einrichten sollte.

1972 beteiligte sich Blinky Palermo an der Documenta 5 in Kassel.

Ab 1974 fertigte der Künstler seine sogenannten Metallbilder an. Acrylfarben wurden auf Aluminium- und Stahlplatten aufgebracht. Wie bei seiner Wandmalerei blieben auch bei den Metallbildern Raumbezüge wichtig: nicht das einzelne Bild steht im Mittelpunkt, sondern Gesamtwirkung und Interaktion mehrerer Werke im Raum. Bei fast allen Palermo-Schöpfungen ist die Präsentation und Hängung der Bilder/Objekte sehr wichtig und Teil des Werks.

1975 vertrat Palermo zusammen mit Baselitz und Polke Deutschland auf der XIII.Bienal de Sao Paulo. Gezeigt wurden seine Metallbilder.

1976 kehrte der Künstler vorübergehend nach Düsseldorf zurück. Es entstanden neue Metallbildserien.

Am 17. Februar 1977 verstarb Blinky Palermo überraschend auf einer Urlaubsreise. Es ist von Herzversagen, an anderen Stellen von "ungeklärten Umständen" die Rede. Immerhin 70 Palermo-Ausstellungen fanden zu Lebzeiten des Künstlers statt.

Blinky Palermo-Retrospektiven gab es 1984 im Kunstmuseum Winterthur und 1993 im Kunstmuseum Bonn, 1983 waren Palermo-Werke im Rahmen einer Gruppenausstellung im Museum of Modern Art (MoMA) zu sehen. Seit einigen Jahren wird im Freistaat Sachsen ein Blinky-Palermo-Stipendium vergeben. Palermos Stil inspirierte u.A. den Künstler Günther Förg, sein überraschendes Ende thematisierte Julian Schnabel in seiner Malerei.

Einschätzung

Nicht zuletzt wegen seines frühen und teilweise ungeklärten Todes ist Blinky Palermo eine "mythische Figur der Nachkriegs-Kunst" (Laura Cummings) geworden, eine Art "James Dean der Kunstszene". Seine Arbeiten würden auch Zeugnis geben von einem großen, nicht ganz realisierten Talent und Potential. Vor allem Palermos Farbfeld-Wandmalereien werden als Erweiterung der Malerei in den Raum begriffen; die sonst unsichtbare architektonische Umgebung wurde mit ihrem Beitrag zur Wirkung des Kunstwerkes sichtbar gemacht. Andere sehen hier die Mystifizierungsmaschinerie des Kunstmarktes am Werk, welche einen Künstler verklären will, der im Grunde nur ein "Innenarchitekt mit hochfliegenden Ideen" (Jonathan Carter) gewesen sei.

Auf jeden Fall bleibt Palermo ein schwer einordbarer Künstler: er steht weder für die einfach darstellende, noch für die rein abstrakt-konzeptuelle Kunst. Manche interpretieren ihn als Minimalisten, andere sehen dafür zu viele sinnliche und taktile Qualitäten am Werk. "Den Konflikt zwischen Klecks und scharfer Kante löste er nie auf" (Adrian Searle). Bei Palermo treffen Zitate der Wirklichkeit, wie z.B. das Design eines Flipperautomaten, auf konzeptuelle Aspekte. Die Werke wirken gleichzeitig "mönchisch und schalkhaft".

Palermos "frühe Ausrichtung an konstruktivistischen Bildelementen und Farbfeldmalerei blieb für sein ganzes Werk bestimmend" (Prestel-Künstlerlexikon). Die Distanz der materialen und reduzierten Kunst Palermos zum Stil seines transzendentalistisch-tiefgründelnden Lehrers Joseph Beuys wurde oft vermerkt.

Palermos Bilder hängen inzwischen sogar auf den Fluren der Deutschen Bank, sie wurden mit theoretischen Analysen überzogen. Dabei scheinen sie "viel zu fragil zu sein, um so viel angestrengte Theorie auszuhalten" (Laura Cummings).

Weblinks

Wikipedia
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