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Bleistift
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Ein Bleistift (auch: Graphitstift oder umgangssprachlich Bleier oder Blei) ist ein Schreibgerät mit einer Graphitmine, die in einen Holzschaft eingebettet ist. Noch bis ins 20. Jahrhundert wurde der Bleistift auch im Deutschen meist nach dem französischen Wort Crayon genannt. Hauptsächlich wird er für Skizzen und Zeichnungen, zum Stenografieren, sowie in der Kunst eingesetzt. Seine Vorteile liegen in der einfachen Handhabbarkeit sowie in der Möglichkeit, das Gezeichnete leicht mit einem Radiergummi wieder entfernen zu können. Die Schreibfähigkeit des Bleistiftes basiert auf der geschichteten Kristallstruktur des Graphits, den sogenannten Graphen-Lagen, bei der die Van-der-Waals-Bindung zwischen den Atomlagen so gering ist, dass sie leicht abgerieben werden können.
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Geschichte
Bereits Ende des Mittelalters schrieb man mit Legierungen aus Blei und Silber, die in Stiftform gepresst wurden, allerdings machte ihre Härte das Schreiben recht mühselig. Das Papier musste vorher präpariert werden, damit es den Beanspruchungen durch den Reißbley standhielt, zudem war der lange Kontakt mit Blei für den Schreiber ungesund. Schon im 16. Jahrhundert soll vereinzelt mit Stäben aus Graphit geschrieben worden sein; die ersten gesicherten Hinweise datieren jedoch erst auf das Jahr 1658 bzw. 1664, als in Borrowdale (England) ein Graphitvorkommen entdeckt wurde, das an der Verbreitung des Bleistiftes maßgeblichen Anteil hatte. Bereits in den sechziger Jahren des 17. Jahrhunderts wurden in Holz eingefasste Graphitstäbe aus Borrowdale-Graphit in vielen Ländern verwendet. Die Tatsache, dass man das entdeckte Graphit für Bleierz hielt, führte zu dem bis heute bestehenden und oftmals für Missverständnisse sorgenden Namen Bleistift.
Die englischen Bleistifte wurden um 1680 in Deutschland bekannt. 1726 gab es in Stein bei Nürnberg bereits Bleistiftmacher. Die junge Industrie wurde von der bayerischen Regierung in besonderen Schutz genommen; 1766 erteilte diese dem Grafen Kronsfeld die Konzession zur Errichtung einer Bleistiftfabrik in Zeltenbach.
Erst 1789 wies der deutsch-schwedische Chemiker Carl Wilhelm Scheele nach, dass es sich bei Graphit um ein auf Kohlenstoff basierendes Mineral handelt. Er gab ihm den Namen Graphit, das von dem griechischen Wort graphein (deutsch: Schreiben) abgeleitet ist. Da das reine Graphit aus Borrowdale zu großen Teilen für militärische Zwecke eingesetzt wurde, zum Beispiel zur Herstellung von Schmelztiegeln für Kanonenkugeln, verhängte England zeitweise Ausfuhrsperren, woraufhin die Graphitkosten enorm stiegen. Bis dahin galt ausschließlich das Borrowdale-Graphit als rein genug zum Schreiben. 1790 vermischte der Wiener Joseph Hardtmuth erstmals Graphitstaub mit Ton und Wasser und brannte ihn in einem Ofen. Je nach Menge des Tones konnte er somit den Härtegrad bestimmen. Joseph Hardtmuth begründete später die österreichische Traditionsfirma Koh-I-Noor (persisch f. „Berg von Licht“)]. Sein Enkel Friedrich von Hardtmuth verfeinerte die bahnbrechende Erfindung und schuf 1889 den Koh-i-noor-Stift mit 17 Härtegraden. 1795 entdeckte der Franzose Nicolas-Jacques Conté ein Verfahren, mit dem auch unreines Graphit aus Minen in Deutschland und Österreich verwendet werden konnte. Er pulverisierte das abgebaute Material und schlämmte dann das Graphit aus. Später entdeckte er dann unabhängig von Hardmuth auch die Härtegrade. Hardmuth und Conté gelten als Grundsteinleger für den Erfolg des modernen Bleistiftes.
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war diese Technik weit verbreitet und führte zur Gründung der bis heute bekannten Nürnberger Firmen wie Staedtler, Faber-Castell, Lyra und Schwan-Stabilo.
Herstellung
Die Mine eines Bleistifts besteht aus einem gebrannten Graphit-Ton-Gemisch, dessen Mischungsverhältnis für die Härte entscheidend ist. Je höher der Graphitanteil ist, desto weicher wird die Mine. Grob variiert der Graphitanteil zwischen 20 % und 90 %. Die tatsächliche Härte der Mine wird außerdem von der Brennhitze und -dauer beeinflusst. Die in der Kunst eingesetzten Graphitstifte bestehen ausschließlich aus Graphit. Der Durchmesser der Minen beginnt bei 0,3 mm (Fallminen) und beträgt bei gängigen Stiften 2 mm.
Die gemischten Ausgangsstoffe werden durch eine Düse zu einem Strang gepresst und abgeschnitten. Dieser wird anschließend bei etwa 160 °C getrocknet und danach bei 1100 °C gebrannt. Anschließend wird die fertige Mine mit Wachs veredelt, was einen geschmeidigen Abrieb ermöglicht.
In Holzplatten werden Rillen gefräst, in die dann die fertig gebrannten Minen eingelegt werden. Die Platten mit den Minen werden jeweils mit einer weiteren verklebt. Anschließend werden sie zu Bleistiften zersägt und häufig lackiert. Bisher galt Zedernholz als das geeigneteste Holz für Bleistifte, weil es sich aufgrund der wenigen Astlöcher leicht durch einen Anspitzer schneiden lässt. Da Zedernholz jedoch relativ langsam wächst und somit zu hohen Produktionskosten führt, wird heutzutage auch oft Pinienholz eingesetzt. Auch Ahorn und Linde eignen sich zur Herstellung von Bleistiften. In der DDR wurden mangels Zedernholz andere Hölzer eingesetzt, die, um sie schnittweicher zu machen, mit einem Pilz durchsetzt wurden. Der Querschnitt der Stifte ist meist sechseckig, damit sie auf einer geneigten Fläche nicht davonrollen und auch aus Herstellungsgründen. Stenografen jedoch verwenden Stifte mit kreisförmigem Querschnitt, weil sich diese beim stundenlangen Schreiben nicht so sehr in die Finger eindrücken. Die genau zentrische Lage der Mine im Holz ist ein Qualitätsmerkmal und Voraussetzung für den Gebrauch von Anspitzern.
Härtebezeichnungen/Härtegrade
| Härte | Charakter | Verwendung |
|---|---|---|
| 9B | sehr weich, tiefschwarz | für künstlerische Zwecke, Skizzen, Studien, Entwürfe |
| 8B | ||
| 7B | ||
| 6B | ||
| 5B | ||
| 4B | ||
| 3B | weich, tonsatt | zum Freihandzeichnen und Schreiben |
| 2B | ||
| B | ||
| HB | mittel | zum Schreiben und linearen Zeichnen |
| F | ||
| H | hart | für geometrische u. technische Zeichnungen |
| 2H | ||
| 3H | sehr hart | für technische Detailpläne u. graphische Darstellungen |
| 4H | ||
| 5H | ||
| 6H | extrem hart | für Spezialzwecke, wie Litho-, Karto-, Xylographie |
| 7H | ||
| 8H | ||
| 9H |
Es gibt die vier nach englischen Härtebezeichnungen benannten Grundstärken B (black), HB (hard-black), F (firm) sowie H (hard). Die Stärke H ist in neun Stärken von H bis 9H und die Stärke B in neun Stärken von B bis 9B aufgeteilt, wobei die jeweils größten Stärken von Hersteller zu Hersteller leicht unterschiedlich sind, was die Vergleichbarkeit erschwert. Die mittelharten Stärken wurden vor allem im Bereich des technischen Zeichnens eingesetzt, weil sie auf dem rauen Zeichenkarton länger spitz blieben, während die weichen Stärken sich eher für den künstlerischen Einsatz eignen. Zum Schreiben eignen sich Stärken zwischen 3B und H am besten.
Kunst
Der Bleistift eignet sich nicht nur zum Schreiben, sondern auch zum Zeichnen von Bildern. Dabei besticht vor allem die Möglichkeit, sehr feine Linien zu erzeugen, was mit vergleichbaren Materialien wie Pastellkreide und Zeichenkohle nicht möglich ist. Besonders in den für die Romantik typischen Landschaftszeichnungen wurde der Bleistift aufgrund seines feinen Striches häufig eingesetzt. Des Weiteren gibt es Graphitkreide, die aus einer dicken Graphitmine mit einer Folie als Ummantelung besteht, die sich vor allem für das Skizzieren und Einfärben großer Flächen eignet.
Umwelt und Wirtschaft
Die für das Schreiben benutzten Hölzer werden von den meisten Herstellern in eigens dafür eingerichteten Plantagen angepflanzt. Die Lackierung des Stiftes hingegen ist oft umweltschädlich, weshalb viele namhafte Hersteller mittlerweile als umweltschonend geltende Wasserlackfarben einsetzen oder auf eine Lackierung ganz verzichten. Die Graphitmine hingegen ist völlig unbedenklich.
Allein Faber-Castell, der weltweit größte Hersteller von Bleistiften, produziert jährlich ca. 1,8 Milliarden Exemplare. Die Bleistiftproduktion der vier Nürnberger Firmen beläuft sich auf deutlich über 3 Milliarden. Das verwendete Holz wird meist per Schiff aus Südamerika importiert, das Graphit hingegen aus Minen in Asien.
Hilfsmittel und Varianten
- Der Farbstift hat statt einer Graphitmine eine farbige Mine aus Farbpigmenten, Fetten, Wachsen, Bindemitteln sowie Mineralien wie Talkum und Kaolin.
- Der Kopierstift wird zur dokumentenechten Zeichnung verwendet.
- Der Zimmermannsbleistift unterscheidet sich vom normalen Bleistift in Größe und Form. Der Zimmermannsbleistift kann in den handelsüblichen Größen 8,5 cm, 24 cm und 30 cm geliefert werden. Auf Wunsch wird er gespitzt oder ungespitzt angeboten. Am Arbeitsplatz wird der Zimmermannsbleistift mit einem scharfen Messer oder einem breiten Stechbeitel gespitzt. Handelsübliche Zimmermannsbleistifte haben eine HB-Mine, also eine standardisierte weiche Mine. Zimmermannsbleistifte mit einer härteren Mine (z. B. einer 6H-Mine oder einer 20H-Mine) werden Steinhauerstifte genannt. Steinhauerstifte werden für das Aufzeichnen von Informationen auf Beton oder Stein, also sehr harten Oberflächen verwendet. Eine Spezialform des Zimmermannsbleistiftes ist der Multigrafstift. Dieser Stift besitzt eine spezielle Graphitmine, die sich für die Beschriftung von glatten Oberflächen wie Fliesen, Glas, Metall oder auch Schaumpolystyrol eignet. Üblicherweise werden Multigrafstift-Minen in den Farben Rot, Grün oder Blau geliefert. Die unterschiedlichen Minenfarben sind wichtig, damit der Multigrafstift für unterschiedlich gefärbte Oberflächen eingesetzt werden kann. Der Multigrafstift wird auch Riesenbleistift oder Dreikantbleistift genannt. Der Begriff Dreikantbleistift kommt daher, weil die handelsübliche Holzmantelform des Multigrafstiftes die dreikantige Form ist. Multigrafstifte können aber auch in ovaler Holzmantelform geliefert werden. Eine Spezialform des Multigrafstiftes ist der Tischlerbleistift. Der Tischlerbleistift ist ein Zimmermannsbleistift mit 17,5 cm Länge, rundem Holzmantel und einer speziellen Nass-Schreib-Mine. Die Nass-Schreib-Mine eignet sich für das Aufzeichnen von Informationen auf nassem Holz. Die Mine des Zimmermannsbleistiftes hat einen rechteckigen, der Holzmantel einen ovalen Querschnitt. Grundsätzlich wird bei der Herkunft des Zimmermannsbleistiftes zwischen europäischer und chinesischer Herkunft unterschieden. Chinesische Zimmermannsbleistifte sind vom Holz- und Minenumfang kleiner und werden zur Zeit in wenigen (meist roter) Holzmantelfarbe angeboten. Chinesische Zimmermannsbleistifte sind preislich günstiger als in Europa hergestellte Zimmermannsbleistfte, wobei europäische Zimmermannsbleistifte in den Bereichen Holzqualität, Farbqualität und der Lackierung höherwertig sind. Der Zimmermannsbleistift wird hauptsächlich auf Baustellen oder im Heimwerker-Bereich zum Anzeichnen eingesetzt. Darüber hinaus werden der Zimmermannsbleistift und der Multigrafstift als Werbemittel eingesetzt und vor allem auf Handelsmessen oder durch Handelsvertreter verteilt. Die Beliebtheit des Zimmermannsbleistiftes und des Multigrafstiftes als Werbemittel liegt darin, das beide Stiftformen große Werbeflächen auf dem Holzmantel bieten, die sich mit Handelsnamen, Firmenlogos oder Firmenadressen bedrucken lassen.
- Der Fallminen-, Dreh- oder Druckbleistift, mit einer Metall- oder Plastikhülle und mechanischem oder automatischem Minenvorschub.
- Der Radiergummi, zum Entfernen des Bleistiftstriches.
- Der Anspitzer, zum Spitzen des Bleistiftes.
Kurioses
- Der so genannte „Jumbo-Bleistift“ ist eine Variante, die etwa dreimal so groß wie ein normaler Bleistift ist, und wird mit bunter Werbung bedruckt vor allem als Souvenir verkauft. Auch für Schreibanfänger ist er sehr geeignet, weil er dicker und somit besser zu halten ist.
- Der längste Bleistift der Welt wurde im November 2002 von Faber-Castell hergestellt. Er ist 19,75 Meter lang, hat einen Durchmesser von 80 Zentimetern und besitzt eine echte Bleimine. Er wird senkrecht stehend in einem Glasturm in Selangor (Malaysia) aufbewahrt.
- Im Deutschen Kaiserreich wurde die Verwendung von Bleistiften aus deutsch-ostafrikanischem Zedernholz "unter Hinweis auf das patriotische Interesse" den Schulbehörden und -vorständen nahegelegt.
- Die Frankfurter nennen ihren Messeturm wegen seiner Form "Bleistift", ebenso die Franzosen, die den Tour du Crédit Lyonnais in Lyon crayon (frz. für Bleistift) nennen.
- Bei den Streitkräften der Deutschen Bundeswehr wird für das Anfertigen von Skizzen und Meldungen traditionell ein Bleistift der Stärke 6B verwandt, damit auch auf feuchten Papier und bei großer Kälte geschrieben werden kann. Warum sich hierfür gerade die Stärke 6B und nicht 5B oder 7B etabliert hat (obwohl dies auch nicht in einer Vorschrift geregelt ist), ist nicht bekannt.
Weblinks
| Wiktionary: Bleistift – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen |
| <imagemap>-Fehler: Bild ist ungültig oder nicht vorhanden | Commons: Blei- und Buntstifte – Bilder, Videos und/oder Audiodateien |
- Wieviel Blei ist im Bleistift? (Wissenswertes für Kinder)
- Wie entsteht ein Bleistift? (Wissenswertes für Kinder)
- Sendung mit der Maus. Herstellung einer Bleistiftmine (Bildergeschichte)
- Sendung mit der Maus. Herstellung eines Bleistiftes (Bildergeschichte)
- Bleistiftgeschichte und Lexikon
- Reportage über Holzplantagen für Bleistifte
- Bleistiftsammeln als Hobby
- Herstellung von Bleistiftminen
- Herstellung von Polymerminen
| Dieser Artikel wurde in die Liste der Lesenswerten Artikel aufgenommen. |
