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Farbstich

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Unter Farbstich versteht man in der Farblehre eine Farbnuance, eine Verschiebung einer Farbe zu einem anderen Farbwert.

Im allgemeinen handelt es sich hierbei um Farbtöne von Grundfarben: Blaustich, ein Farbstich ins Blaue, auch als bläulich bezeichnet, und entsprechend Grünstich (grünlich), Rotstich (rötlich), Gelbstich (gelblich) sowie Türkisstich (Cyanstich), Violettstich (Magentastich). Der Begriff Unbunt (mindere Farbsättigung) wird aber auch als Graustich bezeichnet oder als Braunstich bei warmen Farbnuancen. Abweichungen ins Weiß oder Schwarz als Weißstich (weißlich) respektive Schwarzstich (schwärzlich) oder schlichtwegs als hell und dunkel. Die im Deutschen vorhandenen Worte geben einen Überblick über die in der Praxis verwendeten Grundfarben, in denen Farbstiche beurteilt werden.

Die Stichigkeit ist zwar prinzipiell farbmetrisch erfassbar, unterliegt aber persönlichen Schwankungen in der Farbwahrnehmung, etwa im Fall von Türkis (als Blau oder Grün). Trotzdem gehört das Erkennen von Farbstichen zur Grundvoraussetzung im Umgang mit Farben und kann trainiert werden.

In der Farbreproduktion gilt es, eine Abweichung in der Farbnachstellung vom gewünschten Farbmuster zu vermeiden. Dies wird durch Farbstandards wie Normlichtarten, durch Normfarbsysteme (wie die CMYK-Euroskala im Vierfarbdruck, oder Farbkalibration (etwa im EDV-Bereich durch Farbmanagement, bei Monitoren mittels Farbprofilen) zu kompensieren versucht.

Inhaltsverzeichnis

Farbstich in der Fotografie

Bei einer Fotografie ist eine Abweichung im Farbton des Bildes von den natürlichen Farben meist unerwünscht. Häufigste Ursache für Farbstiche, die bei der Aufnahme entstehen, ist eine nicht zur Beleuchtung passende Farbsensibilisierung des fotografischen Films sowie ein falscher Weißabgleich bei Digitalkameras. Eine weitere typische Ursache ist zu warm oder weit über das Haltbarkeitsdatum hinaus gelagertes Filmmaterial. Hinzu kommen der Schwarzschild- sowie der Kurzzeiteffekt bei extrem langen oder kurzen Belichtungszeiten.

Eine zu dunkle oder künstliche Beleuchtung ist eine häufige Ursache für den Farbstich der Farben in einem Foto. Moderne Digitalkameras haben eine integrierte Korrektur der Farben, um einen Farbstich zu vermeiden. Diese automatische Korrektur funktioniert jedoch nicht immer richtig und nicht bei jeder Beleuchtung. Der Farbstich kann mit Hilfe der digitalen Bildbearbeitung nachträglich korrigiert oder beseitigt werden.

Auch eine falsch gewählte Temperatur bei der Entwicklung von Farbfotos, kann eine Veränderung des Farbtones bewirken. Farbstiche können aber auch durch fehlerhafte Ausarbeitungen, Lagerung und Alterung des Filmmaterials, Transport, dem Aussetzen von Röntgenstrahlung oder Alterung des Papierbildes entstehen.

In der Digitalfotografie haben zudem die von der Kamera, dem Monitor und den Belichtern oder Druckern eingesetzten Verfahren und Farbräume eine entscheidenden Einfluss auf die farbrichtige Wiedergabe.

Arten von Farbstich

Verschiedene Arten von Farbstich sind möglich:

Verfärbungen im dunklen Bereich
kommen insbesondere bei Papierfotos vor. Dies liegt zumeist daran, dass nicht ganz die für die Filmsorte passenden Farbfilter in das Vergrößerungsgerät eingelegt wurden. Auch können bei älteren Papierabzügen mit der Zeit die Farbstoffe verblasst sein.
Verfärbungen im hellen Bereich
sind gewöhnlich durch die Lichtquelle begründet: Durch die Verwendung einer grünlichen Lichtquelle etwa, z. B. einer Leuchtstoffröhre, wird alles grünlich eingefärbt. Ausgeglichen wird dies durch die Verwendung von Filtervorsätzen oder entsprechend sensibilisiertes Filmmaterial. Bei elektronischen Aufnahmegeräten kann ein Weißabgleich durchgeführt werden.
Verfärbungen im mittleren Helligkeitsbereich
Diese entstehen z. B., wenn bei einer nachträglichen Farbstichkorrektur mittels Bildbearbeitungssoftware der Gammawert nicht beachtet wurde. Außerdem ist dieser Darstellungsfehler bei Druckern häufig anzutreffen und wechselt sogar von Patrone zu Patrone. Ein leichter Rotstich in den Mitteltönen kann bei Portraitfotos aber übrigens auch erwünscht sein, da die dargestellte Person auf diese Weise „frischer“ aussieht.
  • Es können auch mehrere Arten von Farbstich zugleich auftreten: Wurde z. B. mit einem Tageslichtfilm bei Glühbirnenlicht fotografiert, sind zunächst Bilder zu erwarten, die in den hellen Bereichen gelbstichig sind. Nun benutzt die Maschine zur Herstellung der Abzüge aber unsinnigerweise den Gesamteindruck des Bildes, um den „passenden“ Filter herauszusuchen. Hierdurch entsteht noch zusätzlich ein blauer Farbstich in den dunklen Bereichen des Bildes.

Korrektur

Mit relativ geringem Aufwand ist eine Farbstichkorrektur mit einer Bildbearbeitungssoftware (z. B. The Gimp) möglich, insofern keiner der Farbkanäle übersteuert ist. Es sollte jedoch versucht werden, einen Farbstich bereits bei der Aufnahme zu vermeiden, um das Negativ, die Datei bzw. das sonstige Originalbild bereits in bestmöglicher Qualität zu erzeugen.

Eine Farbstichkorrektur auf optischem Wege ist mit hohem Aufwand verbunden. Billiganbieter von Papierabzügen lassen daher ihre Maschinen sich automatisch so einstellen, dass der Gesamteindruck des Bildes grau ist. Durch sehr harte Kontraste wird der Farbstich in den hellen und dunklen Bereichen entfernt, stattdessen entstehen grelle Farbflächen ohne Zeichnung. Die Bildinformation ist in einem solchen Falle irreparabel beschädigt und lässt sich auch mittels Bildbearbeitungssoftware nicht mehr wiederherstellen. Statt des Papierabzugs sollte daher das Negativ eingescannt werden.

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