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Blasenkirschen

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Physalis
Bild:Physalis peruviana-Bluete.jpg
Kapstachelbeere (Physalis peruviana), Blüte und Hülle der unreifen Frucht.
Systematik

Abteilung: Bedecktsamer (Magnoliophyta)
Klasse: Dreifurchenpollen-Zweikeimblättrige
(Rosopsida)
Unterklasse: Asternähnliche (Asteridae)
Ordnung: Nachtschattenartige (Solanales)
Familie: Nachtschattengewächse
(Solanaceae)
Gattung: Blasenkirschen
Physalis
Wissenschaftlicher Name
Physalis
L.

Die Blasenkirschen (Physalis), auch Judenkirschen und im Englischen Ground Cherry genannt, sind eine Gattung aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). Die meisten Arten sind auf dem amerikanischen Kontinent endemisch, in Europa wild nur durch die Lampionblume (Physalis alkekengi), die auf Waldlichtungen gedeiht und oft für Dekorationszwecke genutzt wird, vertreten. Einige Arten der Gattung werden als Obst- und Gemüsepflanzen angebaut.

Inhaltsverzeichnis

Namensgebung

Der Name Judenkirsche leitet sich von der Form des umgebenden Lampions (des Blütenkelchs) ab, der in seiner Form und Farbe den nach diversen Kleiderordnungen für Juden vorgeschriebenen Hüten gleicht, die sich wiederum von der phrygischen Mütze ableiten lassen. Üblich waren diese seit dem Frühmittelalter.[1]

Der wissenschaftliche Name Physalis wurde bereits von Dioscorides verwendet und durch Carl von Linné in seine Systematik übertragen. Der Begriff leitet sich vom griechischen physa (Blase) ab.[2]

Beschreibung

Blasenkirschen sind einjährige oder (seltener) mehrjährige krautige Pflanzen, die aufrecht oder niederliegend buschig wachsen und manchmal Rhizome bilden. Je nach Art werden die Pflanzen zwischen 40 cm und 3 m groß. Der Spross verzweigt sympodial, der Primärsproß trägt abwechselnd Blätter und bildet in den Verzweigungen Blüten aus. Die Blätter sind einfach gebaut, ganzradig bis grob gezähnt. Einzelne Arten der Gattung weisen eine Behaarung an Blättern, Sproß und teilweise auch im Inneren der Blüte auf. Während beispielsweise P. alkegengi nahezu frostunempfindlich ist und auch harte Winter überdauert, gibt es jedoch auch Arten, die keinen Frost vertragen.[2][3]

Die Blüten sind zwittrig und strahlig, fast radiärsymmetrisch aufgebaut, dabei radförmig bis glockig. Die fünf Blütenkronblätter sind meistens gelb, bei einigen Arten auch weißlich oder blau, zur Blütenmitte oft gefleckt. Die Blüte besitzt fünf Staubblätter und einen zweifächrigen Fruchtknoten, der Griffel ist fadenförmig-zylindrisch, nach oben hin etwas verdickt. Die Blütenstiele sind leicht gebogen, so dass die Blüten nach unten hängen.

Bild:Physalis.jpg
Reife Früchte der Kapstachelbeere

Nach der Befruchtung der Blüte werden zunächst die Kronblätter abgeworfen. Anschließend vergrößern sich die fünf Kelchblätter mit zunehmender Fruchtreife, so dass sie sich fast schließen und einen laternenförmigen Kelch um die sich entwickelnde Beere bilden. Bei Reife verfärbt sich diese Hülle gelblich bis kräftig orange.

Die Beere selbst ist rund bis leicht abgeplattet und beinhaltet eine große Anzahl an kleinen, linsenförmigen, hell gelb-braunen Samen. Je nach Art sind die reifen Früchte grün bis gelb oder mandarinfarben, teilweise sind die auch rot oder violett überzogen.[2][4]

Verbreitung

Die meisten Arten der Gattung sind im Gebiet zwischen Mittelamerika und dem Süden der USA endemisch, einzig die Herkunft der Art Physalis alkekengi (Lampionblume) wird in China oder möglicherweise auch in Europa vermutet.[4] Jedoch haben sich viele Arten auch über die ursprünglichen Verbreitungsgebiete hinaus angesiedelt, so ist beispielsweise P. alkekengi auch im Nordosten der USA anzutreffen[5] und P. philadelphica wurde unter anderem in die Türkei eingeschleppt.[6]

Bedeutung

Unter den Blasenkirschen gibt es wenige Arten, die von wirtschaftlicher Bedeutung sind. Dazu gehören beispielsweise die als Obst genutzte Kapstachelbeere (Physalis peruviana) oder die vor allem in Mexiko und dem Süden der USA bekannte und als Gemüse angebaute Tomatillo (Physalis philadelphica). Während die Tomatillo in deutschen Supermärkten nahezu unbekannt ist, wird die Kapstachelbeere nicht zuletzt wegen ihrer außergewöhnlichen Fruchthülle als Dekoration eingesetzt. Sie wird vor allem in Afrika, Südamerika, Indien und Java angebaut und in die ganze Welt exportiert. Weitere Anbauländer sind Australien, Kenia, Neuseeland, die USA und Südfrankreich. Die Haupterntezeit ist Dezember bis Juli. In Deutschland wird sie meist unter dem Gattungsnamen Physalis gehandelt. Seltener wird auch die Ananaskirsche oder Erdbeertomate (Physalis grisea, meist unter dem Synonym Physalis pruinosa oder auch als Physalis pubescens var. grisea zu finden) als Obst angebaut. Die Früchte der meisten anderen Arten besitzen einen unangenehmen Beigeschmack.[2]

Die scharlachroten Beeren der aus China oder Europa stammenden Lampionblume Physalis alkekengi sind ungenießbar, die Pflanze ist aber wegen ihrer orangefarbenen Blütenkelche als Schnitt- und Trockenblume beliebt.

Systematik

Externe Systematik

Während ein vergrößerter Fruchtkelch innerhalb der gesamten Familie der Nachtschattengewächse beobachtet werden kann, ist eine Aufblähung, wie sie bei den Blasenkirschen beobachtet werden kann, sehr selten. Somit ist es meistens sehr leicht, Blasenkirschen von anderen Vertretern der Nachtschattengewächse zu unterscheiden. Durch morphologische Ähnlichkeiten, vor allem in Bezug auf den vergrößerten Kelch, wurden eine Vielzahl von Gattungen als physaloid beschrieben. Bei vielen dieser physaloiden Gattungen, wie z. B. Archiphysalis, Athenaea, Deprea, Exodeconus, Jaltomata, Larnax, Nicandra, Physalisatrum oder Saracha konnte durch cpDNA-Analyse keine nahe Verwandtschaft zu Physalis festgestellt werden.[4]

Unstimmigkeiten gibt es vor allem bei der Einordnung unterhalb des Subtribus Physalinae, besonders Margaranthus solanaceous (respektive Physalis solanaceous) und Quincula lobata (respektive Physalis solanaceous) werden von unterschiedlichen Quellen entweder als eigenständige Gattungen mit jeweils einer Art gehandelt, oder der Gattung der Blasenkirschen untergeordnet.

Die externe Systematik der Gattung Blasenkirschen stellt sich wie folgt dar (nach [7]):

  • Familie: Nachtschattengewächse
    • [...]
    • Tribus: Physaleae
      • [...]
      • Subtribus: Physalinae
        • Gattung: Brachistus
        • Gattung: Leucophysalis
        • Gattung: Margaranthus (Gattungsstatus unter Vorbehalt)
        • Gattung: Oryctes
        • Gattung: Quincula (Gattungsstatus unter Vorbehalt)
        • Gattung: Physalis
        • Gattung: Tzeltalia (nach [7] aus der Gattung Physalis entfernt, aber aus morphologischen Gründen von [4] dem Subtribus zugeordnet)
        • Gattung: Witheringia

Ein anderer Vorschlag zur Zuordnung verschiedener Gattungen zum Subtribus Physalinae stellt Hunziker (2000) vor, er nahm nur die Gattungen Physalis, Quincula, Leucophysalis und Chamaesaracha auf.

Interne Systematik

Die Gattung der Blasenkirschen umfasst schätzungsweise 75 bis 90 Arten. Wie bei vielen Gattungen der Familie der Nachtschattengewächse ist eine allgemein anerkannte Systematik noch nicht aufgestellt wurden und wird durch neue Forschungsergebnisse[4] immer wieder ergänzt.

In der letzten Revision der Systematik der Gattung Physalis wurde sie 1999 in vier Untergattungen mit zwölf Sektionen eingeteilt. Dabei wurden unter anderem die vorher als eigenständig geführten Gattungen Quincula und Margaranthus der Gattung untergeordnet. (Martinez (1999))

Dementsprechend ist die interne Systematik der Gattung wie folgt gegliedert:

  • Blasenkirschen (Physalis)
    • Untergattung Physalis
      • mit P. alkekengi
    • Untergattung Phyalodendron
      • mit P. arborescens
      • und P. melanocystis
    • Untergattung Quincula
      • mit P. lobata (Syn. Quincula lobata)
    • Untergattung Rydbergis
      • Sektion Angulatae (unter anderem mit P. solanaceous syn. Margaranthus solanaceous)
      • Sektion Campanulae
      • Sektion Carpenterianae
      • Sektion Coztomatae
      • Sektion Epeteiorhiza
      • Sektion Lanceolatae
      • Sektion Rydbergae
      • Sektion Tehuacanae

Die Untergattung Rydbergis hat sich durch aktuelle Untersuchungen als monophyletisch erwiesen, die Einordnung von Margaranthus in die Gattung Physalis konnte durch Eingliederung in diese Untergattung bestätigt werden. Die meisten Arten dieser Untergattung zeichnen sich durch krautiges Wachstum, einzelstehende Blüten, ungelappten gelbe Kronblätter und einen stark vergrößerten Fruchtkelch aus. Die bisher anerkannte Gattung hat sich hingegegen als paraphyletisch erwiesen. Arten, die nicht in diese Untergattung fallen, zeichnen sich durch abweichende morphologische Merkmale, wie mehreren Blüten pro Sprossknoten, gelappte weiße oder violette Kronblätter oder eine untypische Fruchtkelchvergrößerung aus.

Da die namensgebende Stammart P. alkekengi kladistisch weit entfernt von den meisten anderen Arten der Gattung ist, müssten zur Auflösung der taxonomischen Probleme innerhalb der Gattung entweder alle Arten bis auf P. alkekengi einer neuen Gattung zugeordnet werden, oder die Gattung müsste innerhalb des Subtribus Physalinae erweitert werden, so dass alle sich momentan dort befindlichen Gattungen einer gemeinsamen Gattung Physalis zugeordnet werden.[4]

Weitere Bilder

Quellen

  1. H. Marzell:Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen, Bd.3, Hirzel Verlag, Stuttgart, 1977.
  2. . a b c d Rudolf Mansfeld: Die Obst liefernden Blasenkirschen (Physalis). In: Der Züchter. Band 24, Heft I. Springer Berlin / Heidelberg, 1954. S. 1-4, ISSN 0040-5752.
  3. http://www.solanaceae.net/index.php?option=content&task=view&id=18&Itemid=2 − abgerufen am 2. Februar 2007
  4. . a b c d e f Maggie Whitson, Paul S. Manos: Untangling Physalis (Solanaceae) from the Physaloids: A Two-Gene Phylogeny of the Physalinae. In: Systematic Botany, Band 30, Heft 1. The American Society of Plant Taxonomists, 2005. S. 216-230.
  5. http://plants.usda.gov/java/profile?symbol=PHAL5 − abgerufen am 29. Januar 2007.
  6. B. Bükün, F. N. Uygur, S. Uygur, N. Türkmen, A. Düzelni: A New Record for the Flora of Turkey: Physalis philadelphica Lam. var. immaculata Waterf. (Solanaceae). In: Turk. J. Bot. 2002, Band 26. Ankara, Türkei. Seiten 405–407. (PDF)
  7. . a b Olmstead et al.: Phylogeny and Provisional Classification of the Solanaceae Based on Chloroplast DNA. In M. Nee, D. E. Symon, J. P. Jessup, und J. G. Hawkes: Solanaceae IV, Advances in Biology and Utilization, Royal Botanic Gardens, Kew. Seiten 111-137. (PDF)

Weblinks

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Wikipedia
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