Bilingue

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Als Bilingue (aus lat.: bilinguis = zweisprachig) wird ein Schriftdokument bezeichnet, das Texte in zwei verschiedenen Sprachen enthält. Idealerweise sind dabei die Inhalte beider Texte identisch.

Alte Bilinguen sind vor allem für die Sprachforschung von grosser Bedeutung. Insbesondere, wenn eine der beiden Sprachen bisher nicht entziffert und/oder verstanden werden konnte, die andere aber wohlbekannt ist. In diesem Fall kann es gelingen – vorausgesetzt, der Text ist lang und die Inhalte in beiden Sprachen möglichst wörtlich identisch – die bisher unbekannte Sprache zu entziffern.

Inhaltsverzeichnis

Bekannte Bilinguen

Stein von Rosetta

Der berühmte Stein von Rosette, mit dessen Hilfe es gelang, den Schlüssel für die Entzifferung der ägyptischen Hieroglyphen zu finden, ist sogar in drei Varietäten verfasst (daher eine Trilingue): in Hieroglyphen, in Demotisch und in Griechisch.

Behistun-Inschrift

Die Behistun-Inschrift ist eine dreisprachige Tafel, in den Sprachen altpersisch, elamisch und babylonisch. Der Text beschreibt den Aufstieg des Achämenidenkönig Dareios I.. Die Inschrift wurde im 18. Jahrhundert von Carsten Niebuhr abgeschrieben und lieferte Georg Friedrich Grotefend und später Sir Henry Creswicke Rawlinson den Schlüssel zur Entzifferung der Keilschrift.

Goldbleche von Pyrgi

Bei den 1964 bei Ausgrabungen von Massimo Pallottino entdeckten Goldblechen von Pyrgi handelt es sich um drei dünne Goldbleche, zwei davon in etruskischer und eines in punischer Sprache. Die längere etruskische und die punische Inschrift haben einen ähnlichen Inhalt, ohne jedoch identisch zu sein. Die Bleche gelten neben der Agramer Mumienbinde als ein herausragender Fund der etruskischen Schrift und Sprache.

Bilingue von Kaunos

Ein ziemlich aktuelles Beispiel ist eine Bilingue, die in Kaunos (West-Kleinasien) gefunden wurde. Auf ihr ist Text in zwei Sprachen eingemeisselt: (alt)griechisch und karisch. Letzteres ist die Sprache der Karer, eines antiken Volkes, das in West-Kleinasien lebte. Bisher war die karische Sprache nur von einigen (einsprachigen) kurzen Inschriften bekannt, die aber nicht übersetzt werden konnten. Mitte der 90er Jahre des 20. Jh. gelang es durch die Bilingue von Kaunos, die Sprache der Karer wenigstens teilweise zu entschlüsseln.

Bilinguen in der Kunstgeschichte

In Anlehnung an das philologische Beispiel nennt man in der klassischen Archäologie attische Vasen, die im schwarzfigurigen wie auch im rotfigurigen Stil bemalt sind, Bilinguen. Es bezeichnet auch zugleich die Übergangszeit von der schwarzfigurigen zur rotfigurigen Vasenmalerei.

Siehe auch

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