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Bibliothek von Alexandria
Aus Kefk.
Die Bibliothek von Alexandria war die berühmteste Bibliothek der Antike. Sie befand sich im ägyptischen Alexandria und wurde schon im Altertum mehrfach zerstört.
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Einrichtung
Die Bibliothek von Alexandria, der Hauptstadt des Ptolemäerreiches, war die bedeutendste Bibliothek des klassischen Altertums. Sie war Bestandteil des Museion, einer Forschungsstätte am königlichen Hof, die König Ptolemaios I. (305-283/82 v.Chr.) nach dem Vorbild der athenischen Philosophenschulen, der Akademie und des Lykeion, eingerichtet hat. Die Organisationsform als Museion (griech.: Musenheiligtum) führt die Tradition der athenischen Philosophenschulen fort, in denen ebenfalls der Musenkult gepflegt wurde.
Der Überlieferung nach soll die Bibliothek erst von Ptolemaios II. (283–246 v. Chr.) gegründet worden sein, doch ist schwer vorstellbar, dass sie nicht von Anfang an vorgesehen war. Archäologisch haben sich Reste von Museion und Bibliothek nicht nachweisen lassen. Ihre Lage wird im nordöstlichen Stadtgebiet, im küstennahen Residenzviertel, vermutet. Eine Pressenotiz über die mögliche Wiederauffindung der Ruine ist unbestätigt.[1]
Die Bibliothekare
Die ersten neun Bibliothekare waren
- Demetrios von Phaleron (284–285 v. Chr.), Mitbegründer und -gestalter der Bibliothek,
- Zenodotos von Ephesos (285–270 v. Chr.),
- Kallimachos von Kyrene (270–260 v. Chr.),
- Apollonios von Rhodos (260–245 v. Chr.),
- Eratosthenes von Kyrene (245–204 v. Chr.),
- Aristophanes von Byzanz (204–180 v. Chr.),
- Apollonios Eidographos (180–175 v. Chr.),
- Aristarchos von Samothrake (175–145 v. Chr.) und
- Kydas von den Speerträgern (144–116 v. Chr.).
Die Leitung der Bibliothek wurde bedeutenden Gelehrten und Literaten anvertraut, die oft zugleich als Prinzenerzieher tätig waren. Erster Bibliotheksleiter war der Initiator und Mitgestalter der Bibliothek, Demetrios von Phaleron. Er fiel bei Ptolemaios II. in Ungnade und wurde verbannt. Sein Nachfolger wurde der Philologe Zenodotos (ca. 285–270 v. Chr.), gefolgt von dem Dichter Apollonios (ca. 270–245), der wegen eines Zerwürfnisses mit Kallimachos (der in manchen Quellen als Direktor geführt wird, s. u.) Alexandria verließ und nach Rhodos ging (daher später Apollonios Rhodios). Eratosthenes aus Kyrene (245–204/201) war ein vielseitiger Wissenschaftler, der sich mit Geographie, Chronologie und Astronomie befasste. Auf den Grammatiker Aristophanes aus Byzanz (204 o. 201–189/186) folgte Apollonios Eidographos, von dem wenig bekannt ist. Mit dem Grammatiker Aristarchos von Samothrake (ca. 175-145) geht die Reihe der bedeutenden Bibliotheksleiter zu Ende. Während einer innenpolitischen Krise unter Ptolemaios VIII. (144-116) wird ein Offizier, Kydas „von den Speerträgern“, an die Spitze der Bibliothek berufen. Für die spätere Zeit fehlen sichere Quellen.
Bücherbeschaffung und –bestand
Das Sammelgebiet der Bibliothek umfasste die Literatur aller Völker und Zeiten. Fremdsprachige Literatur wurde für die Bibliothek eigens ins Griechische übersetzt. Die Überlieferung, dass die griechische Übersetzung des Alten Testaments (Septuaginta) von 72 Gelehrten in 72 Tagen für Alexandria angefertigt worden sei, gilt allerdings als legendär. Ein spektakulärer Ankauf waren die Bücher des Aristoteles und des Theophrast, die Ptolemaios II. vom Erben des letzteren erwerben konnte; allerdings scheint die Bibliothek des Aristoteles nicht mehr komplett gewesen zu sein, da ein Teil von ihr noch 86 v. Chr. in Athen dem römischen Feldherrn Sulla in die Hände fiel.
Die Akquisitionsmethoden der Bibliothek waren offenbar rigoros. So soll man aus Athen die offiziellen Staatshandschriften der drei großen Tragiker Aischylos, Sophokles und Euripides gegen eine Sicherheit von 15 Silbertalenten zur Abschrift ausgeliehen, aber unter Verzicht auf die Rückgabe des Geldes nur Kopien zurückgegeben haben. Regelmäßig wurden offenbar im Hafen von Alexandria liegende Schiffe nach interessanten Büchern durchsucht, die den Eigentümern ebenfalls nur in Form von Abschriften zurückgegeben wurden. Der byzantinische Gelehrte Johannes Tzetzes (ca. 1110-1185) überliefert auf der Grundlage älterer Quellen für die Mitte des dritten vorchristlichen Jahrhunderts einen Buchbestand von 490.000 Rollen. Man hat dies zur Veranschaulichung auf etwa 80.000 bis 100.000 moderne Bände mittleren Umfangs umgerechnet. Der kaiserzeitliche lateinische Autor Aulus Gellius (2. Jahrhundert n. Chr.) beziffert den Buchbestand der alexandrinischen Bibliothek vor dem caesarischen Brand (s. u.) auf 700.000 Rollen.
Tätigkeit der Philologen
Die am Museion tätigen Gelehrten wurden vom König persönlich ernannt. Sie genossen Steuerfreiheit und bezogen, bei freier Wohnung und Verköstigung, ein festes Gehalt. Geforscht wurde auf allen Wissensgebieten der Alten Welt: Mathematik, Zoologie, Botanik, Physik, Astronomie, Medizin. Besonderes Gewicht kam der Philologie zu. Zur Zeit des Kaisers Augustus bezeichnet der Geograph Strabon die Forscher in ihrer Gesamtheit als „philologoi andres“ (literaturkundige Männer). Ihre Aufgabe bestand darin, die damalige Weltliteratur zu sichten und systematisch zu ordnen. Aus zahlreichen überlieferten Varianten musste durch kritischen Vergleich der Handschriften zunächst der originale Wortlaut der Texte rekonstruiert werden. Es entstanden verbindliche Ausgaben zahlreicher Autoren, oft versehen mit wissenschaftlichen Kommentaren. Die seit dem 2. Jh. v. Chr. zu beobachtende Vereinheitlichung der Klassikertexte dürfte auf die Arbeit der alexandrinischen Philologen zurückzuführen sein. Aus der Tätigkeit dieser Gelehrten ist die Klassische Philologie hervorgegangen.
Nur wenig ist über die praktische Bibliotheksarbeit bekannt. Bezeugt ist, dass die Neuzugänge zunächst in Magazinen gesammelt und dort bearbeitet wurden, bevor sie in den Bestand eingegliedert wurden. Über die Katalogisierung der Bestände sind wir nur unvollständig informiert. Eine wichtige Rolle spielten offenbar Herkunftsangaben wie z.B. „von den Schiffen“. Herkunftsorte wurden angegeben, um verschiedene Handschriften gleicher Texte zu unterscheiden. Auch die Namen von Vorbesitzern und Bearbeitern wurden für die Kennzeichnung von Handschriften herangezogen. Der Bibliothek muss ein Skriptorium angegliedert gewesen sein und wohl auch eine Werkstatt, in der schadhafte Papyri restauriert werden konnten.
Kallimachos, der bedeutendste Dichter des Hellenismus, war zwar möglicherweise kein Leiter der Bibliothek, aber in angesehener Stellung am alexandrinischen Hof tätig. Er erhielt von Ptolemaios II. den Auftrag, die Buchbestände durch einen Katalog zu erschließen. Seine 120 Buchrollen umfassenden Pinakes (griech.: Tafeln) sind heute verloren. Sie dienten nicht, wie ein moderner Bibliothekskatalog, der Auffindung der Bücher mit Hilfe eines Signatursystems, sondern boten eine vollständige Bestandsaufnahme der griechischen Literatur. Geordnet nach Literaturgattungen (Epik, Lyrik, Drama usw.) waren sämtliche Autoren in alphabetischer Reihenfolge mit Kurzbiographie und Werkverzeichnis aufgeführt; Titel und Anfangsworte der Werke waren vermerkt, ebenso die Gesamtzeilenzahl (Stichometrie).
Das Ende der Bibliothek
Caesar war 48 v. Chr. auf der Suche nach Pompejus nach Alexandria gekommen, wo er Kleopatra im ptolemäischen Thronfolgekonflikt unterstützte. Als er sich während der Kämpfe im Residenzviertel verschanzen musste, ließ er sämtliche Schiffe im Hafen niederbrennen, um sie nicht in die Hand des Gegners fallen zu lassen. Dabei soll die Bibliothek in Flammen aufgegangen sein. Gellius beziffert später den Verlust auf 700.000 Buchrollen, was für die Nachwelt den Brand zu einem entscheidenden Ereignis für den Untergang der griechischen Literatur des Altertums gemacht hat. Allerdings ist die Quellenlage widersprüchlich. Der Geograph Strabon, der 25/24 v. Chr. Alexandria besucht hat, erwähnt in seiner Beschreibung der Stadt den spektakulären Brand nicht. Seneca beziffert im 1. Jh. n. Chr. die Brandverluste der Bibliothek auf nur 40.000 Rollen, und der Historiker Cassius Dio erwähnt im 3. Jh. n. Chr. lediglich den Brand von Bücherlagern. Wie Plutarch (46-120 n. Chr.) berichtet, wurde behauptet, Marcus Antonius hätte Kleopatra noch in den dreißiger Jahren des 1. Jahrhunderts v. Chr. für die alexandrinische Bibliothek 200.000 Buchrollen aus pergamenischen Beständen geschenkt. Demnach müsste die Bibliothek noch nach Caesars Tod (44 v. Chr.) bestanden haben. Für das Weiterleben der Bibliothek spricht ebenso die Nachricht Suetons in der Lebensbeschreibung des römischen Kaisers Domitian, dass dieser in Alexandria Bücher für die Bibliotheken Roms kopieren ließ. Heute wird allgemein davon ausgegangen, dass die Bibliothek von Alexandria erst zugrunde ging, als in den 70er Jahren des 3. Jhs. n. Chr. während der Kämpfe zwischen dem römischen Kaiser Aurelian und der Königin Zenobia von Palmyra das Residenzviertel der Stadt zerstört wurde.
Die Bibliothek des Serapeion
Neben der Bibliothek des Mouseion gab es in Alexandria außerhalb der Residenz eine Bibliothek im Tempel des Serapis (Serapeion). Nach Tzetzes besaß sie 42.800 Buchrollen, war also deutlich kleiner. Ob die Serapeion-Bibliothek von Ptolemaios II. oder III. gegründet wurde, ist unklar. Aus einer Bemerkung des Redners Aphthonios im 4. Jahrhundert kann geschlossen werden, dass sie zu seiner Zeit öffentlich zugänglich war. Die Bibliothek wird zugrunde gegangen sein, als das Serapeion im Jahre 391 von Christen zerstört wurde. Das Serapeion von Alexandria ist ausgegraben; eine Identifizierung der Bibliotheksräume ist versucht worden, aber nicht gesichert.
Islamische Zeit
Als Alexandria 642 durch den Kalifen Umar ibn al-Chattab für den Islam erobert wurde, befahl er der Überlieferung zufolge, alle noch vorhandenen Bücher zu vernichten, die dem Koran widersprachen. Da nach islamischer Auffassung die übrigen Werke notwendigerweise nur das wiederholten, was sowieso bereits im Koran stand, waren sie folglich ebenfalls überflüssig, und konnten deshalb ebenfalls guten Gewissens vernichtet werden. Die Handschriften wurden dieser Legende zufolge zur Beheizung der öffentlichen Bäder verbrannt. Spätestens seit dem 18. Jahrhundert ist diese Geschichte aber umstritten.
Allerdings wurden kleine Teile der Bibliothek vor Eroberung Alexandrias durch den Islam nach Konstantinopel verbracht. Kurz vor dem Fall auch dieser Stadt 1453 flüchteten Gelehrte noch mit einigen Manuskripten in den Westen wo das neue Wissen zum Beginn der Renaissance führte. In Europa wurde das theozentrische Weltbild des Mittelalters durch eine stärker anthropozentrische Sicht der Dinge abgelöst.
Neue Bibliothek von Alexandria
In Zusammenarbeit mit der Unesco wurde eine ‚neue‘ Bibliothek von Alexandria (31° 12′ 32″ n. Br., 29° 54′ 33″ ö. L.) errichtet und im Jahre 2002 eröffnet. Als Architekten traten das kleine norwegische Architekturbüro Snøhetta und Hamsa Associates auf. Die Gesamtfläche beträgt 45.000 Quadratmeter, die Baukosten beliefen sich auf 250 Millionen US-Dollar.
Die Bibliothek wurde für maximal 8 Millionen Bände ausgelegt, derzeit (2004) sollen es bereits 200.000 sein. In der Bibliothek von Alexandria befindet sich eine Sicherungskopie der Daten des Internetarchivs, welches Momentaufnahmen vieler Webseiten seit 1996 erstellt. Das Archiv hat eine geschätzte Größe von einem Petabyte und wächst um ca. 20 Terabyte pro Monat.
Siehe auch
- Alexandrinische Schule
- Bibliothek von Pergamon
- Bibliothek von Ephesos
- Tontafelsammlung des Assurbanipal
- Antike Bibliotheken
Literatur
Quellen für die Gliederungspunkte 1–6
- Severin Corsten, Günther Pflug und Friedrich Adolf Schmidt-Künsemüller (Hrsg.): Lexikon des gesamten Buchwesens. Bd. 1. Zweite, völlig neubearbeitete Auflage. Hiersemann, Stuttgart 1987, ISBN 3-7772-8721-0
- Luciano Canfora: Die verschwundene Bibliothek. Das Wissen der Welt und der Brand von Alexandria. Rotbuch-Verlag, Berlin 1990, ISBN 3-88022-026-3
- Horst Blanck: Das Buch in der Antike. Beck, München, 1992, ISBN 3-406-36686-4
- Hubert Cancik und Helmuth Schneider (Hrsg.): Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike. Metzler, Stuttgart u. Weimar 1996, ISBN 3-476-01471-1
- Otto Mazal: Griechisch-römische Antike. Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz 1999, ISBN 3-201-01716-7 (Geschichte der Buchkultur; Bd. 1)
- Cécile Orru: Ein Raub der Flammen? Die königliche Bibliothek von Alexandria. In: Wolfram Hoepfner (Hrsg.), Antike Bibliotheken. von Zabern, Mainz 2002, ISBN 3-8053-2846-X
Weiterführende Literatur
- Rudolf Blum: Kallimachos und die Literaturverzeichnung bei den Griechen. Untersuchungen zur Geschichte der Biobibliographie. Archiv für Geschichte des Buchwesens, Band 18, Lfg. 1–2, Frankfurt a. M. 1977, ISSN 0066-6327
- Rudolf Blum: Kallimachos – the Alexandrian Library and the origins of bibliography. Transl. from the German by Hans H. Wellisch. Wisconsin 1991, 1992 (engl. Ausg.), ISBN 0-299-13170-X
- Luciano Canfora: Die verschwundene Bibliothek. Das Wissen der Welt und der Brand von Alexandria. Rotbuch-Taschenbuch 1104. Rotbuch-Verlag, Berlin 1990 (ital. Originalausgabe Palermo 1986), ISBN 3-88022-026-3
- Lofty Dwidar, Mostafa Elabadi: Leben und Schicksal der alten Bibliothek, 1974
- Uwe Jochum: The Alexandrian Library and its Aftermath. In: Library History. 15,1999, S. 5–12, ISSN 0024-2306
- Edward Parsons: The Alexandrian Library. Glory of the Hellenic world. Its rise, antiquities, and destructions. Elsevier, London-Amsterdam 1952. (3. Aufl. New York 1967) (Abstract)
Weblinks
-
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- Bibliothek von Alexandria
- Überblick
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Anmerkungen
- ↑ Der Spiegel, 13.5.2004.
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