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Bezugsnorm
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Inhaltsverzeichnis |
Unterschiedliche Bezugsnormen
Die Bezugsnorm ist in der Leistungsbewertung die Art des Maßstabes, nach dem eine Leistung - insbesondere in der Schule - bewertet wird. Es werden drei Arten von Bezugsnormen unterschieden:
- Soziale Bezugsnorm
- Leistungsvergleich mit anderen anhand eines Durchschnitts
- Prinzip der Aufgabengleichheit
- Ursachenerklärung des Lehrers: Fähigkeit, Begabung, Intelligenz
- Vorteile:
Gut um die Besten/Schwächsten herauszufinden - Relativ einfach anwendbar
- Nachteile:
Begrenzte Vergleichsmöglichkeiten - Lernzuwachs wird ausgeblendet - Demotivierend für schlechte Schüler
- Individuelle Bezugsnorm
- Intraindividueller Längsschnittvergleich eines Schülers
- Leistungssteigerungen und Leistungsabfälle sind Ausgangspunkt der Bewertung
- Prinzip der Aufgabenpassung
- Ursachenerklärung des Lehrers: Anstrengung
- Vorteile:
Detaillierte Rückmeldungen über Lernzuwächse und Schwankungen - Motivierend für schwache Schüler
- Nachteile:
Andauernde Leistungsunterschiede werden ausgeblendet - Größerer Aufwand als bei der sozialen Bezugsnorm
- Sachliche Bezugsnorm
- Erwerb eines bestimmten Kenntnisstands/Fähigkeitsstands, Mindeststandards
- Vorteile:
Bei vorhandenen Kompetenzstandards einfach in der Anwendung
- Nachteile:
Ausarbeitung von Kompetenzstandards ist sehr aufwändig - Unsensibilität gegenüber Lernfortschritten
Einfluss der Bezugsnorm auf die Motivation
Wie sich in mehreren Studien gezeigt hat (Vgl. Krug & Lecybyl, Krug & Kuhlmann) eignet sich insbesondere die Implementierung individueller Bezugsnormierung dafür, auf Schülerseite ein erhöhtes Interesse hervorzurufen. Speziell die Gruppe der leistungsschwachen Schüler profitierte in oben aufgeführten Studien von dem veränderten Unterrichtsvorgehen. Dies traf auch in weitaus schwächerem Ausmaß auf die Gruppe der leistungsstarken Schüler zu. In der mittleren Leistungsebene wiederum konnten keine bemerkenswerten Veränderungen der Schulleistungen festgestellt werden.
Vorschläge für eine konkrete Umsetzung individueller Bezugsnormierung im Unterricht
Aufgabenstellung im mündlichen Unterricht
| Prinzip | Fordern, aber nicht über-, noch unterfordern |
| Reaktion auf Erfolg | Frage erweitern, differenzieren, Schwierigkeit steigern |
| Reaktion auf Misserfolg | Neuformulierung der Frage, Zusatzhilfen, Zeit lassen |
Ursachenzuschreibung
| Prinzip | Vertrauen in die eigene Tüchtigkeit steigern |
| Reaktion auf Erfolg | Rückführung des Ergebnisses auf Tüchtigkeit, Anstrengung und Interesse |
| Reaktion auf Misserfolg | Rückführung des Ergebnisses auf zu geringen Einsatz, kein Anzweifeln der Fähigkeit |
Lob und Tadel
| Prinzip | Leistungsrückmeldung nach individuellen Standards |
| Reaktion auf Erfolg | Lob bei Leistungssteigerung und Anstrengung |
| Reaktion auf Misserfolg | Keine starke/übertriebene Kritikaussprechung |
Erwartungsäußerungen
| Prinzip | Anstrengung führt zu Leistungssteigerung |
| Reaktion auf Erfolg | Positive Rückmeldung, Verweis auf andere Bereiche zur Leistungssteigerung |
| Reaktion auf Misserfolg | Dem Schüler Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten suggerieren |
Bezugsnormorientierung
Unter Bezugsnormorientierung wird die Eigenschaft verstanden, bestimmte Bezugsnormen anderen gegenüber zu bevorzugen. Allerdings treten in der Regel ausschließlich Mischformen auf. So wird beispielsweise für die Benotung von Klassenarbeiten die soziale, und für den Kommentar darunter die individuelle Bezugsnorm verwendet. Wie sich gezeigt hat, geht die Verwendung bestimmter Bezugsnormen häufig einher mit speziellen Einstellungen und Verhaltensweisen der entsprechenden Lehrer. So neigen Lehrer mit sozialer Bezugsnormorientierung eher dazu zeitkonstante Faktoren (z.B. Fähigkeit, Begabung) als primäre Ursache von Schulleistungen anzusehen. Dem gegenüber betrachten Lehrer mit individueller Bezugsnormorientierung häufiger zeitvariable Faktoren (Interesse, Motivation, Anstrengung, Unterrichtsgestaltung) als Hauptursache für gute oder schlechte Schülerleistungen.
Literatur
- Rheinberg, F. (2001). Bezugsnormen und schulische Leistungsbeurteilung. In F. E. Weinert (Hrsg.), Leistungsmessung in Schulen. Weinheim: Beltz.
- Rheinberg, F. (2004). Motivation (4. Auflage). Stuttgart: Kohlhammer.
- Rheinberg, F. & Krug, S. (2005). Motivationsförderung im Schulalltag. Göttingen: Hogrefe.
