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Bestandsmanagement
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Das Bestandsmanagement befasst sich mit der Reduzierung der Bestände bei gleichzeitiger Erhaltung oder Erhöhung des Lieferservice und der damit einhergehenden Kundenzufriedenheit im Unternehmen.
Auf der Basis artikelspezifischer Planungsstrategien – Klassifikation der Artikel etwa nach der ABC/XYZ-Analyse - erfolgt das Bestandsmanagement in drei Prozessschritten:
- Bedarfsplanung
- Bestandsplanung
- Beschaffungsplanung
Inhaltsverzeichnis |
Bedarfsplanung
Die Bedarfsplanung befasst sich mit der Ermittlung des zukünftigen Bedarfs. Dabei können prinzipiell zwei Verfahren unterschieden werden – die programmgebundene und die verbrauchsgebundene Bedarfsplanung. Während die programmgebundene Bedarfsplanung auf konkrete Kundenaufträge oder ein Produktionsprogramm basiert, erfolgt die verbrauchsbezogene Bedarfsplanung durch Prognoseverfahren vor dem Hintergrund des periodisierten Verbrauchs der Vergangenheit.
Bestandsplanung
In der Bestandsplanung werden die notwendigen Bestände festgelegt. Im Fokus des Unternehmens stehen die Ermittlung des optimalen Sicherheitsbestands sowie des Bestellauslösebestands vor dem Hintergrund stochastischer oder deterministischer Nachfrage- und Zulieferprozesse.
Beschaffungsplanung
Schließlich erfolgt in der Beschaffungsplanung die Festlegung der Bestellpolitik – je nach Bestellpolitik wird der Bestellzeitpunkt den Merkmalen des Artikels entsprechend ausgewählt, sowie die optimale Bestellmenge mithilfe passender heuristischer und/oder optimierenden Verfahren ebenfalls artikelspezifisch ermittelt.
Die Optimierung des Bestandsmanagements ermöglicht eine insgesamt Verbesserung der Kostensituation im Unternehmen und führt zu einer erhöhten logistischen Leistungsfähigkeit.
Bedeutung des Bestandsmanagements für Unternehmen
Das Bestandmanagement gewinnt in Unternehmen aller Branchen zunehmend an Bedeutung, schließlich binden Unternehmen ihre Liquidität zum Lagerzinssatz durch Bestände. Durch eine optimierte Bestellpolitik sind Bestandssenkungen in Höhe von 30% – bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der Lieferbereitschaft – realistisch.
Da die Vorräte als wesentliche Bilanzposition dem Umlaufvermögen zuzuordnen sind, ergibt sich, dass eine Bestandsreduzierung über die Verringerung der Position „Vorräte“ das eingesetzte Gesamtkapital reduziert. Resultat: Bei gleichem Unternehmensergebnis bedeutet ceteris paribus die Reduzierung der Kapitalbindung eine Steigerung der Erfolgskennzahl Return on Investment (ROI).
Zielsystem
Das Zielsystem zur wirtschaftlichen Beurteilung des Bestandsmanagements bzw. der Disposition ist durch drei messbare Dimensionen in Grundzügen zu beschreiben – Lieferservice, Kapitalbindung und Kapitalbindungskosten.
Die Zieldimension „Lieferservice“ beinhaltet dabei die mengen-, termin- und qualitätsorientierte Verbesserung der Lieferfähigkeit sowie der Lieferbereitschaft. So werden bei der Beurteilung des Lieferservice die Lieferfähigkeit, die Lieferbereitschaft, die Mengen und Termintreue sowie die Anzahl der Stock-outs berücksichtigt. Die „Kapitalbindung“ umfasst die Minimierung der Vorräte angefangen mit den Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen, Ersatzteilen, Halbfabrikaten bis zu den Fertigfabrikaten. Die dritte Zieldimension „Bestandskosten“ betrachtet zusätzlich die kontinuierlich auftretenden Kosten im Bereich des Bestandsmanagements.
Das Zielsystem kann zu einer messbaren, wirtschaftlichen Beurteilung des Bestandsmanagements herangezogen werden. Auf der einen Seite wird die Kundenzufriedenheit indirekt durch den Lieferservice und auf der anderen Seite die Kosten berücksichtigt. Daher besteht die grundlegende Aufgabe des Bestandsmanagements einen möglichst optimaler Ausgleich im Konflikt zwischen den zum Teil gegenläufigen Zielgrößen der Disposition zu finden.
Aufgrund der unterschiedlichen Komplexität bei Produkten und verschiedenen Fertigungsmethoden sind absolute Zahlen nicht immer vergleichbar und können auch innerhalb eines Unternehmens nur selten verwendet werden, um die Leistung der Disposition bei der Bestandsreduzierung zu messen. Ob Maßnahmen mit dem Ziel der Bestandsreduzierung erfolgreich waren, lässt sich auf zwei
Arten realitätsnah messen:
- Sofern Bedarfe vorhanden sind, kann die Reichweite der Bestände gegenüber den Bedarfen betrachtet werden. Wenn die
Reichweite abnimmt, waren die Maßnahmen der Bestandsreduzierung erfolgreich. Sinnvoll ist auch eine Aufgliederung in A,B und C Teile und die Ermittelung der durchschnittlichen Reichweite innerhalb dieser Teilekategorien.
- Alternativ können die Bestände ins Verhältnis zu den Umsätzen gestellt werden. Aus dem Blickwinkel der Maßnahmeneffizienz
für bestandsreduzierende Maßnahmen ist das bei schwankenden Abverkaufszahlen sinnvoller als die Betrachtung der absoluten Bestände. Noch genauer ist das Verhältnis verkaufter Produkte zu Herstell(ungs)kosten im Verhältnis zu den Beständen.
Beispiel: Lagerbestand / Umsatz zu Herstellkosten = Bestandsquote
Herstell(ungs)kosten statt Umsätze zu verwenden hat den Vorteil, dass steigende oder sinkende Deckungsbeiträge das Bild
nicht verzerren.
Literaturhinweise
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- Baumgarten, H., Becker, J., Wiendahl, H.-P., Zentes, J.: Logistik Management, Strategien –Konzepte – Praxisbeispiele. Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2004
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- Holger Luczak, Volker Stich: Industrielle Logistik. 8. Auflage Aachen. Verlag der Augustinus Buchhandlung 2004
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- Paul Schönsleben: Integrales Logistikmanagement. Planung und Steuerung von umfassenden Geschäftsprozessen. Springer Verlag, Berlin Heidelberg New York 2000, ISBN 3540211772
- Günther Schuh (Hrsg.): Produktionsplanung und –steuerung – Grundlagen, Gestaltung und Konzepte. 3. Auflage, Springer-Verlag Berlin Heidelberg, 2006, ISBN 354040306X
- Horst Tempelmeier: Bestandsmanagement in Supply Chains. Books on Demand GmbH, Norderstedt 2005, ISBN 3833450320
- Tempelmeier, H.: Material-Logistik. 6. Auflage, Springer-Verlag Berlin Heidelberg New York 2006, ISBN 3540284257
- Kirk D. Zylstra: Lean Distribution – Applying Lean Manufacturing to Distribution, Logistics, and Supply Chain Management. John Wiley & Sons Inc. 2006, ISBN 0471740756
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