Bernard Herrmann
Aus Kefk
Bernard Herrmann (* 29. Juni 1911 in New York City; † 24. Dezember 1975 in Los Angeles) war ein US-amerikanischer Dirigent und Komponist, der durch seine Filmkompositionen bekannt wurde. Besondere Berühmtheit erlangte Hermann durch seine Zusammenarbeit mit Regisseur Alfred Hitchcock, für den er unter anderem die Musik zum Filmklassiker Psycho komponierte.
Inhaltsverzeichnis |
Leben und Werk
Herrmanns Vater sorgte früh für das Interesse seines Sohnes an Musik, nahm ihn mit zur Oper und ermutigte ihn, Violine zu lernen. Nachdem Herrmann im Alter von 13 Jahren in einem Wettbewerb 100 Dollar gewonnen hatte, entschloss er sich, sich weiter auf Musik zu konzentrieren und begann ein Studium an der Juilliard School in New York. Danach war er eine zeitlang als Dirigent tätig und arbeitete auch als Komponist für den Sender CBS.
Beim Sender traf er den jungen Regisseur Orson Welles und übernahm die musikalische Leitung bei dessen Theaterstück „Krieg der Welten“, das aus dem Mercury Theater im Radio übertragen wurde (er verwendete hier jedoch ausschließlich Werke anderer Komponisten). Das Theaterstück sorgte für nationale Aufregung, weil viele Hörer nicht mitbekommen hatten, dass es sich um eine Aufführung handelte, sondern die geschilderte Invasion von Außerirdischen für real hielten. Als sich Welles danach dem Film zuwandte, schrieb Herrmann die Musik für seine beiden berühmtesten Filme, „Citizen Kane“ (1941) und „Der Glanz des Hauses Amberson“ (The Magnificent Ambersons, 1942). Letztere Musik wurde allerdings, wie der Film selbst, vom Studio beim Schnitt schwer verstümmelt.
Herrmann arbeitete aber auch weiterhin für die CBS und übernahm 1940 die Leitung des „CBS Symphony Orchester“. Große Bekanntheit erwarb sich Herrmann auch durch seine Arbeiten für Alfred Hitchcock, für den er u.a. die Filme „Immer Ärger mit Harry“ (The Trouble with Harry, 1956), „Vertigo – Aus dem Reich der Toten“ (Vertigo, 1958), „Der unsichtbare Dritte“ (North by Northwest, 1959) bis hin zu „Marnie“ (Marnie, 1964) vertonte.
Beim Film „Die Vögel“ (The Birds, 1963), konnte er nur das Sounddesign überwachen, da der Film keine Musik enthielt, sondern nur elektronische Toneffekte, unter anderem von Oskar Sala. Für elektronische Musik hatte sich Herrmann schon früh interessiert, als er für den William Dieterle-Film „Jennie - Das Porträt einer Liebe“ (A Portrait of Jennie, 1948) komponierte und dabei das frühe elektronische Instrument Theremin einsetzte und das dann erneut in seiner Komposition zu Robert Wises Science-Fiction-Film „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ (The Day the Earth Stood Still, 1951) zur Anwendung kam.
In Hitchcocks eigenem Remake von „Der Mann, der zuviel wußte“ (The Man Who Knew Too Much) von 1956 war Herrmann dann sogar in Person im Film zu sehen. Er dirigierte in der Royal Albert Hall die``Storm Clouds Cantata`` des australischen Komponisten Arthur Benjamin, die im Kontext des Filmes eine wichtige Rolle spielte (Das berühmte Lied „Que Sera Sera“ der Hauptdarstellerin Doris Day stammte jedoch nicht aus Herrmanns Feder). Die wohl berühmteste und aufregendste Filmmusik für Hitchcock schrieb Herrmann 1960 für den Film „Psycho“ (Psycho). Als Besonderheit bei diesem Score ist herauszustellen, dass er nur mit Streichinstrumenten eingespielt wurde. Die bekannteste Stelle des Filmes, der Mord unter der Dusche, sollte nach Hitchcocks Vorstellungen erst gar keine Musik erhalten. Das schreiende Violin-Arrangement von Herrmann überzeugte ihn vom Gegenteil, und die Szene wurde zu einem der größten Momente der Filmgeschichte.
Nachdem Hitchcock allerdings Herrmanns Musik zu „Der zerrissene Vorhang“ (Torn Curtain, 1966) verworfen hatte, kam es zu einem Bruch mit dem Regisseur und Herrmann wandte sich anderen Produktionen zu. Er zog nach England und schrieb dort 1966 die Musik zu François Truffauts „Fahrenheit 451“ (Fahrenheit 451) und später auch zu dessen Kinofilm „Die Braut trug schwarz“.
Herrmann schuf weitere Filmmusiken zu Science-Fiction- und Fantasy-Filmen, so für „*Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ (Journey to the Center of the Earth, 1959), „Sindbads siebente Reise“ (The Seventh Voyage of Sinbad, 1958), „Jason und die Argonauten“ (Jason and the Argonauts, 1963), „Die Geheimnisvolle Insel“ (Mysterious Island, 1961), „Herr der drei Welten“ (The Three Worlds of Gulliver, 1960), und „Die Wiege des Bösen“ (It's Alive!, 1974).
Die Musik zur Verfilmung des Romans „Die Nackten und die Toten“ (The Naked and the Dead, 1958) von Norman Mailer, stammt ebenfalls von ihm.
Ab den späten 1950er-Jahren wandte sich Herrmann auch dem Schreiben von Musik für Fernsehserien zu. Die wohl bemerkenswertesten Arbeiten lieferte er für die Serie Twilight Zone, inklusive einer gruselig schönen, aber nur in der ersten Saison verwendeten Einleitungsmusik. Auch für die Serien „Die Leute von der Shiloh Ranch“ (The Virginian, 1962) „Die Seaview - In geheimer Mission“ (Voyage to the Bottom of the Sea, 1964) oder Convoy (1965 entstanden nach dem gleichnamigen Kinofilm) steuerte er Musik bei.
Zu den letzten Arbeiten Herrmanns gehörten Filmmusiken für die Regisseure Brian De Palma (Blood Sisters und Schwarzer Engel) und für Martin Scorseses „Taxi Driver“ (Taxi Driver, 1976). Bernard Herrmann starb im Schlaf, einen Tag, nachdem er die Musikaufnahmen für Taxi Driver beendet hatte. Der Film wurde seinem Andenken gewidmet.
Außer Filmmusik schrieb Herrmann auch klassische Musik, so 1941 eine Symphonie, die Oper Wuthering Heights und die Kantate Moby Dick (1938).
Auszeichnungen
Neben vielen Nominierungen, u.a. für „Taxi Driver“ und „Citizen Kane“, wurde Bernard Herrmann ausgezeichnet mit:
- 1942 - Oscar für The Devil and Daniel Webster (1941)
- 1975 - „Golden Scroll“ der Academy of Science Fiction, Fantasy & Horror Films für sein Lebenswerk
- 1976 - „Los Angeles Film Critics Association Awards“ für Taxi Driver
- 1977 - BAFTA Awards für Taxi Driver
- 1992 - „BMI Film & TV Awards“ für Cape Fear
Literatur
- Steven C. Smith: A Heart at Fire's Center. Life and Music of Bernard Herrmann. University of California Press 1991, ISBN 0-52007123-9
- Bernard Herrmann über Filmmusik und Die Filmmusiken von Bernard Herrmann in Tony Thomas: Filmmusik. Die großen Filmkomponisten - ihre Kunst und ihre Technik (Film Score). Heyne, München 1996, ISBN 3-453-09007-1, S. 189-195
- Olaf Kiener: Bernard Herrmann – Der schwarze Romantiker, in: Filmharmonische Blätter. Heft 6/Juni 1987, S. 28-39
Weblinks
- Bernard Herrmann in der Internet Movie Database
- Internationale Bernard-Herrmann-Gesellschaft
- Bernard Herrmann auf Soundtrackguide.net (auf englisch)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Herrmann, Bernard |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Komponist |
| GEBURTSDATUM | 29. Juni 1911 |
| GEBURTSORT | New York City |
| STERBEDATUM | 24. Dezember 1975 |
| STERBEORT | Los Angeles |
