Das Kefk Network Wiki befindet sich im Testbetrieb.
Benno von Wiese
Aus Kefk.
Benno von Wiese, eig. Benno Georg Leopold von Wiese und Kaiserswaldau (* 25. September 1903 in Frankfurt am Main; † 31. Januar 1987 in München) war ein deutscher Germanist.
Inhaltsverzeichnis |
Leben
Benno von Wiese wurde als Sohn des Soziologen Leopold von Wiese und Kaiserswaldau, der seit 1919 Professor für Soziologie an der Universität Köln war, geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Köln und Görlitz studierte Benno von Wiese in Leipzig (1923–1924), Wien (1924), erneut in Leipzig (1924–1925) und dann von 1925 bis 1927 in Heidelberg bei Friedrich Gundolf und Karl Jaspers, bei dem er mit der Arbeit "Friedrich Schlegel. Ein Beitrag zur Geschichte der romantischen Konversionen" 1927 promovierte. Nach einem kurzen Studienaufenthalt in Berlin (1927–1928) habilitierte sich von Wiese 1929 in Bonn über "Herder und die geschichtliche Welt bei Oskar Walzel."
Von 1929 bis 1932 war Benno von Wiese als Privatdozent an der Universität Bonn tätig, ehe er 1932 einen Ruf an die Universität Erlangen erhielt, wo er von 1932 bis 1943 als außerordentlicher Professor für deutsche Literaturgeschichte tätig war. 1943 erhielt von Wiese einen Ruf an die Universität Münster und trat die dortige Professur 1945 an. Von 1957 bis 1970 lehrte von Wiese als ordentlicher Professor für Neuere deutsche Sprache und Literatur an der Universität Bonn, wo er am 1970 emeritiert wurde.
1964 wurde von Wiese Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften. 1958 bis 1978 war er Mitherausgeber der Schiller-Nationalausgabe. Große Popularität genießt auch seine Weiterführung der Gedichtesammlung Deutsche Gedichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, die ursprünglich von Theodor Echtermeyer herausgegeben wurde.
Zeit des Dritten Reiches
Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung trat von Wiese am 1. Mai 1933 in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 3 177 157) und wurde am 1. Juli 1933 Mitglied im NS-Lehrerbund, im Jahr darauf auch im NS-Dozentenbund. Seit dem 1. Juli 1937 übte er in der NSDAP des Amt des Blockleiters (fälschlich auch "Blockwart") aus. Von Wiese war Autor in Goebbels' Renommierblatt Das Reich und ab 1936 als Lektor in Alfred Rosenbergs Schrifttumskommission im Hauptlektorat Deutsche Literaturgeschichte tätig. Am 1. Februar 1943 wurde von Wiese zur Wehrmacht einberufen, aber 1944 durch den Führererlass "Sonderelbe" und "Sonderelbe Wissenschaft" für unabkömmlich („UK“) erklärt, so dass es zu keinem Fronteinsatz kam.
Zu Beginn der NS-Zeit verfasste er apologetische Stellungnahmen zur Germanistik im Nationalsozialismus. Das Verhalten von Wieses, sich ohne äußeren Druck gerne und bereitwillig dem Nationalsozialismus zu verschreiben, war für Hannah Arendt, die mit von Wiese befreundet war, mit ein Grund für die frühzeitige Emigration 1933.
Aufgrund eines entlastenden Gutachtens konnte Benno von Wiese nach 1945 weiter als Universitätslehrer tätig sein.
Publikationen
- Chr. Dietrich Grabbe. Hohenstaufendramen: Kaiser Friedrich Barbarossa und Heinrich der sechste. Kohlhammer, Stuttgart 1943
- Die deutsche Tragödie von Lessing bis Hebbel. 2 Bde. Hoffmann u. Campe, Hamburg 1948
- Eduard Mörike. Rainer Wunderlich /Hermann Leins, Tübingen u.a. 1950
- Der Mensch in der Dichtung - Studien zur deutschen und europäischen Literatur. Bagel, Düsseldorf 1958
- Friedrich Schiller. Metzler/Poeschel, Stuttgart 1959
- Der Mensch als Mitmensch. Francke, Bern u.a. 1964
- Romantik: Für die Gegenwart ausgewählte Texte. Ueberreuter, Heidelberg ISBN 3-8000-3007-1
- Ich erzähle mein Leben. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1982. ISBN 3-458-14006-9
Herausgebertätigkeit
- Die deutsche Lyrik. Form und Geschichte. Interpretationen. 2 Bde. Bagel, Düsseldorf 1957
- Deutsche Literatur in unserer Zeit, hrsg. mit Wolfgang Kayser. Vandenhoeck u. Ruprecht, Göttingen 1959
- Der deutsche Roman. Interpreptationen. Bagel, Düsseldorf 1963
- Das deutsche Drama. Interpretationen. 2 Bde. Bagel, Düsseldorf 1964
- Die deutsche Novelle. Bagel, Düsseldorf 1974
- 19. Jahrhundert. Texte und Zeugnisse (= Die deutsche Literatur, Bd. 6) Beck, München 1965
- Das Erbe Deutscher Dichtung. Von Martin Luther bis Thomas Mann. 6 Bde. Verlag Das Beste, Stuttgart 1965
- Das Gedicht - Eine Sammlung von B. von Wiese, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1977
Literatur
- Helmut Koopmann: Gedenkrede auf Benno von Wiese. In: Droste-Jahrbuch. 2. 1988/90 (1990), S. 188-203.
- Gerhard Lauer: Benno von Wiese (1903-1987). In: Wissenschaftsgeschichte der Germanistik in Porträts, hrsg. v. Christoph König. Berlin u.a., de Gruyter 2000. ISBN 3-11-016157-5
- Konrad Repgen: In memoriam Benno von Wiese. Reden gehalten am 25. Juni 1987 bei der akademischen Gedenkfeier der Philosophischen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn. Bouvier, Bonn 1987. (= Alma mater; 66) ISBN 3-416-09161-2
- Literatur und Gesellschaft vom neunzehnten ins zwanzigste Jahrhundert. Festgabe für Benno von Wiese zu seinem 60. Geburtstag am 25. September 1963, hrsg. v. Hans Joachim Schrimpf. Bouvier, Bonn 1963.
- Untersuchungen zur Literatur als Geschichte. Festschrift für Benno von Wiese, hrsg. v. Vincent J. Günther. Schmidt, Berlin 1973. ISBN 3-503-00755-5
Weblinks
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wiese, Benno von |
| ALTERNATIVNAMEN | Wiese und Kaiserswaldau, Georg Leopold von (eigentlicher Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Germanist und Hochschullehrer |
| GEBURTSDATUM | 25. September 1903 |
| GEBURTSORT | Frankfurt am Main |
| STERBEDATUM | 31. Januar 1987 |
| STERBEORT | München |
