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Basilisk (Mythologie)
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Der Basilisk (griechisch: basiliskos lat. regulus = „kleiner König“; auch Sibilus) ist ein mythisches Tier. Er gilt als „König der Schlangen“. In mittelalterlichen Tierbüchern werden Basilisken oft als Mischwesen mit dem Oberkörper eines Hahns, auf dem Kopf eine Krone, und dem Unterleib einer Schlange, dargestellt. Sein Blick versteinert oder tötet. Sein Atem ist tödlich giftig.
Basilisken beschäftigen die Fantasie der Menschen seit der Antike, so dass eine Vielzahl lokaler Basilisken-Geschichten entstanden.
Auch in der Gegenwart kommt der Basilisk in der phantastischen Literatur vor (z.B.: in Harry Potter und die Kammer des Schreckens, siehe Tiere der Harry-Potter-Romane)
Der Basilisk wurde zum Namensgeber einer Leguangattung in Lateinamerika (Basilisken).
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Erste Erwähnung in der Antike
Zum ersten Mal nachweislich erwähnt wird der Basilisk bei Demokrit bzw. dessen Plagiator Bolos von Mendes. Seitdem kann er auf eine „Karriere“ als eines der bekanntesten Fabeltiere der Geschichte zurückblicken.
Plinius der Ältere beschrieb ihn in seiner Naturalis historia im achten Buch bei den Tieren, die aus dem afrikanischen und orientalischen Bereich kommen. Plinius zufolge handelt es sich um eine Schlangenart, heimisch in der Provinz Kyrenaika. Er sei nicht länger als zwölf Finger (etwa 24 Zentimeter) und habe einen weißen Fleck am Kopf, der ihn wie ein Diadem schmücke.
- „Durch sein Zischen verjagt er alle Schlangen und bewegt nicht, wie die anderen, seinen Körper durch vielfache Windungen, sondern geht stolz und halb aufgerichtet einher. Er läßt die Sträucher absterben, nicht nur durch die Berührung, sondern auch schon durch den Anhauch, versengt die Kräuter und sprengt Steine: eine solche Stärke hat dieses Untier. Man glaubte, daß jemand ihn einst zu Pferde mit einem Speer erlegt habe und daß das wirkende Gift an diesem emporstieg und nicht nur dem Reiter, sondern auch dem Pferd den Tod brachte. Und dieses gewaltige Ungeheuer - denn häufig haben Könige es tot zu sehen gewünscht - wird durch die Ausdünstung des Wiesels umgebracht: so sehr gefiel es der Natur, nichts ohne etwas Gegenkraft zu lassen. Man wirft die Wiesel in die Höhlen [der Basilisken], die man leicht an dem ausgedörrten Boden erkennt. Diese töten durch ihren Geruch, sterben aber zugleich selbst, und der Streit der Natur ist bereinigt.“[1]
Mittelalter
Dem Mittelalter war der Basilisk entweder direkt durch Plinius, Solinus, der aus Plinius' Werken schöpfte, oder durch die „Etymologiae“ des Isidor von Sevilla bekannt. [2] Im „Physiologus“, der für das Mittelalter große Bedeutung hatte, wird er nicht beschrieben.
Mittelalterliche Vorstellungen
In vielen mittelalterlichen Werken, wie beispielsweise in der „Physika“ von Hildegard von Bingen und in der „Ornithologia“ sowie der „Monstrorum historia“ des Bologneser Naturforschers Ulisse Aldrovandi findet man den Basilisk wieder. Seine Beschreibung ist im Lauf der Zeit sehr verändert und ausgeschmückt worden. Meist trifft man auf folgende Vorstellung:
- Der Basilisk schlüpft aus dem Ei eines alten Hahnes oder aus einem dotterlosen Hühnerei, das von einer Kröte, einer Schlange oder im Mist ausgebrütet wird. Sein stinkender Atem ist unerträglich und sein Blick soll versteinern können. Das Ungeheuer haust in Brunnenschächten und Kellern. Es kann nur vernichtet werden, indem ihm ein Metallspiegel vorgehalten wird, worin sich der versteinernde Blick gegen den Basilisken selbst kehrt.
Dazu wird noch in anderen Quellen erwähnt, dass auch das Wiesel den Basilisken töten könne.
Das Motiv des versteinernden Blickes findet man übrigens auch in den antiken Erzählungen über die Gorgo Medusa, der statt Haaren Schlangen auf dem Kopf wuchsen.
Thomas von Cantimpré suchte mittels seines „Experimentator“ eine Erklärung für die tödliche Wirkung des Blickes des Basilisken. Er ging davon aus, dass die von den Augen des Basilisken ausgehenden Strahlen den spiritus visibilis des Menschen verdürben. Der Kontakt mit der Bestie würde dann auch alle anderen spiritus zerstören, so dass der Tod einträte. Die Details der Entstehung des Basilisken aus einem Hahnenei bezweifelte Thomas.
In der Alchemie war die Asche des Basilisken begehrt. Sie galt als Mittel gegen andere giftige Tiere.
Symbolik und Darstellung
Basilisken symbolisieren als allegorische Figur den Tod, den Teufel, die Sünde oder den Antichristen. Unter den Todsünden wird der Basilisk oft mit der Wollust, aber auch mit Neid und Hochmut gleichgesetzt. Häufig wird Christus dargestellt, wie er einen Basilisken zertritt. Darstellungen von Basilisken im kirchlichen Raum aus der Zeit des 13. bis 17. Jahrhunderts sind häufig anzutreffen an Taufsteinen, Apsisfriesen, Schreinen usw.
Als Basiliskengift wurde die sich gegen Ende des 15. Jahrhunderts ausbreitende Syphilis bezeichnet. Die Redewendung Basiliskenblick bezeichnet einen besonders scharfen oder stechenden Blick.
In der Alchemie, die sprachlich in Allegorien gefasst ist, steht der Basilisk für den Stein der Weisen.
Lokale Basiliskengeschichten
In zahlreichen ortsbezogenen Erzählungen kommt der Basilisk vor, denn er hat die Fantasie abergläubischer Menschen stets angeregt. Fürsten begehrten Basiliskeneier für ihre Raritätenkammern und auf Jahrmärkten wurden bis weit in die frühe Neuzeit Basilisken zur Schau gestellt. „Zedlers Universallexikon“ beschreibt den Basilisk noch getreu nach den überlieferten Vorstellungen, geht dann aber kritisch mit Einzelfällen ins Gericht. Er berichtet unter anderem von betrügerischer Basiliskenschau in Deutschland im Jahr 1671, die entlarvt wurde. Es folgt eine aus heutiger Sicht amüsant anmutende „wissenschaftlich-kontroverse“ Darstellung, warum Hähne keine Eier legen können. [3]
Später weiß „Meyers Konversations-Lexikon“ über diese Betrügereien zu berichten:
- „Man stutzte junge Rochen durch Verzerrung des Körpers nach der eingebildeten Gestalt zu, setzte ihnen Glasaugen in die Nasenlöcher und ließ sie für Geld sehen. Dergleichen künstliche Basilisken werden noch hier und da in alten Naturaliensammlungen gefunden.“[4]
Aachen
In Aachen (Deutschland) glaubte man im Jahr 1748, dass zwei Hähne Basiliskeneier gelegt hätten. Der Bürgermeisterdiener Johannes Janssen schreibt in seiner Chronik für dieses Jahr:
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Basel
Ersmals als Basler Schildhalter erschien der Basilisk um 1448 und man kann in der Stadt viele Basiliskenfiguren in allen Varianten finden.
Auch Basler Münzen wurden mit einem Basiliskenmotiv geprägt [6].
Verschiedene Legenden bringen Basel mit dem Basilisken in Verbindung:
- Bei der Gründung der Stadt soll angeblich ein Basilisk in einer Höhle beim jetzigen Gerberbrunnen gewohnt haben und so zu seinen Wappenehren gekommen sein
- Da der Name Basilisk und Basilea für Basel auf Ähnlichkeit beruht, brachten die Einwohner diese zwei zusammen. Dennoch hat der Stadtname wohl in Wirklichkeit ursprünglich nichts mit einem Basilisken zu tun. Die erste nachweisliche Nennung der Stadt findet man in römischer Geschichtsschreibung
- Nach einer anderen Version soll ein Kaufmann einen Basilisken nach Basel gebracht haben. Fest steht, dass 1474 in Basel (nach einem Tierprozess) ein Hahn zum Tode verurteilt wurde. Dem Hahn wurde vorgeworfen, er habe ein Ei gelegt, was wider die Natur war. Vor allem aber befürchteten die Basler, dass aus dem Ei ein Basilisk schlüpfen könnte. Der Hahn wurde nach ordentlichem Prozess enthauptet und das inkriminierte Ei den Flammen übergeben.
Memmingen
In Memmingen (Deutschland) verdiente sich einer Sage nach ein zum Tode Verurteilter die Freiheit, indem er einen im Keller eines Hauses in der Nähe der Frauenmühle wohnenden Basilisken tötete. Der Basilisk hatte schon vorher viele Wagemutige mit seinem Blick getötet. Der Mann hatte dafür sein Gewand mit Spiegeln behängt und einen Spiegel als Schild getragen.[7] Der Basilisk ist eines der sieben Wahrzeichen Memmingens.
Sankt Johann (bei Mayen)
Das Wappen der Stadt Sankt Johann (bei Mayen) (Deutschland) zeigt einen roten Basilisken auf silbernem Schild. Es entspricht dem Wappen der Familie von Breidbach (siehe Emmerich Joseph von Breidbach zu Bürresheim), die mehrere Jahrhunderte das dortige Schloss Bürresheim bewohnte.
Wien
Eine bekannte Sage aus Wien (Österreich) erzählt, dass im Hausbrunnen des Hauses Schönlaterngasse Nr. 7 im Jahre 1212 ein Basilisk hauste. Ein Bäckerbub bemerkte das Ungeheuer und wollte es vor einer angesammelten Menschenmenge beseitigen. Der Junge stieg samt einem Spiegel in den Brunnen herab. Man hatte ihn vorher gewarnt, dass der Blick eines Basilisken ein Lebewesen in Stein verwandelt. Unten angekommen hielt der Bub dem Basilisken den Spiegel vors Gesicht, worauf dieser zu Stein wurde. Heute zeigt ein Fresko an der Hausmauer des Hauses die mutigen Taten des Jungen. Die dazugehörige Inschrift wurde erst 1932 nach dem Originaltext von 1577 angefertigt.
In einer anderen Variante dieser Sage wurde der Basilisk im Brunnen durch die Bevölkerung durch Erde und Steine erstickt.[8]
Weitere lokale Basiliskengeschichten
Der Basilisk in der modernen Literatur
Der Basilisk regt die Fantasie der Menschen auch heute noch an und ist ein beliebtes Motiv in der Literatur.
- In Harry Potter und die Kammer des Schreckens muss der Titelheld einen riesigen Basilisken besiegen.
- Hägar der Schreckliche kämpfte 1986 gegen einen Basilisken (Hägar der Schreckliche III. Hägar und der Basilisk).
- Die Manga-Serie: Basilisk - Chronik der Koga-Ninja (von Futaro Yamada und Masaki Segawa) benutzt den Ausdruck Basilisk im Titel; ein Basilisk kommt darin aber nicht vor.
- Der Autorin Brigitte Weninger war der Basilisk es wert, eine alte Sage neu zu erzählen (Der Basilisk. Nach einer alten Sage neu erzählt).
- Außerdem tauchen in vielen Computer- und Rollenspielen Basilisken auf, so in Dungeons & Dragons, Das Schwarze Auge und World of Warcraft.
- In einem der Scheibenwelt-Romane taucht ebenfalls ein Basilisk auf (in: Der Zauberhut). Dieser wird allerdings von einer Truhe mit vielen kleinen Füßen verspeist - ein eher untypisches Schicksal...
- Selbst in dem Kinderbuch Drachenreiter von Cornelia Funke begegnet man einem Basilisken.
Fazit
Die tödlichen Eigenschaften, die die Menschen dem Basilisk zugeschrieben haben, haben sich in der gesamten Rezeptionsgeschichte kaum verändert. Seine Größe und sein Aussehen, aber auch seine Entstehung und die Möglichkeiten seiner Bekämpfung unterliegen hingegen beachtlichen Schwankungen.
Siehe auch
Literatur
- Leander Petzold: Kleines Lexikon der Dämonen und Elementargeister". ISBN 3-406-49451-X
- Harald Gebhardt und Mario Ludwig: Von Drachen, Yetis und Vampiren - Fabeltieren auf der Spur. BLV-Verlag: München 2005. ISBN 3-405-16679-9
- Marianne Sammer: Basilisk - regulus. Eine bedeutungsgeschichtliche Skizze. In: Ulrich Müller, Werner Wunderlich (Hrsg.): Dämonen, Monster, Fabelwesen. Universitäts-Verlag Konstanz: St. Gallen 1999 (Mittelalter Mythen, Bd. 2). hier: S. 135-160. ISBN 390870104X (Mit reichhaltigen Literaturangaben)
- Marianne Sammer: Der Basilisk, Zur Natur- und Bedeutungsgeschichte eines Fabeltieres im Abendland, Herbert Utz Verlag, ISBN 3-9804213-2-5.
- Christian Hünemörder und Annemarie Brückner: Basilisk, in: Lexikon des Mittelalters, Band I (Aachen bis Bettelordenskirchen), Spalte 1529 - 1530. dtv-Studienausgabe: München 2003. ISBN 3-423-59057-2
Weblinks
Quellen
- ↑ Robert König (Hrsg.): C. Plinius Secundus d.Ä., Naturkunde, Lateinisch – Deutsch, Buch VIII: Zoologie: Landtiere, Kapitel XXXIII, § 78.
- ↑ Isidor von Sevilla: Etymologiae. Liber XII: De Animalibus. hier: 4,6 (Basiliscus Graece, Latine interpretatur regulus...). (Online-Version)
- ↑ Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universallexikon aller Wissenschaften und Künste. Leipzig 1732-1754. hier: Basiliscus, Regulus (PDF)
- ↑ Basilisk. Artikel in: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Aufl. 1888 ff., Bd. 2, S. 426 f.
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- ↑ Bild der Münze Basel Dicken mit Basilisk bei Numispedia
- ↑ Allgäuer Sagen, Aus K. A. Reisers "Sagen, Gebräuche und Sprichwörter des Allgäus" ausgewählt von Hulda Eggart, Kempten und München 1914, Nr. 132, S. 134 - 135.
- ↑ Reingard Witzmann: wunder.orte – zauber.zeichen: Sagenwege durch Wien. Niederösterreichisches Pressehaus, St. Pölten 2003 ISBN 3853262716. hier: Seite 119-125.
- ↑ Warschauer Basiliskenlegende (am unteren Seitenende)
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