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Bartholomä Herder

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Bartholomä Herder (* 22. August 1774 in Rottweil; † 11. März 1839 in Freiburg im Breisgau; auch: Bartholomäus Herder) war Gründer des nach ihm benannten Verlages und Verleger.

Der 1774 in der schwäbischen Stadt Rottweil geborene Bartholomä Herder ist der Gründer des noch heute in Freiburg ansässigen Herder Verlags. Von seinen Eltern für den geistlichen Beruf bestimmt fasst er schon als Schüler der Klosterschule des Benediktinerstiftes St. Blasien und anschließend als Student der Philosophie an der Universität Dillingen, wohl weil er negative Erfahrungen gemacht hatte, den Plan, ein gelehrter Buchhändler zu werden, um vermittelst des Buchhandels durch Verbreitung guter Schriften in das Leben einzugreifen.

Folgerichtig eröffnet er anfänglich recht erfolgreich in Rottweil eine Schulbuchhandlung zusammen mit seinem Bruder Andrä und in Gemeinschaft mit Johann Nepomuk Spreng eine Druckerei. Auf dieses sein Gewerg hin ersucht er den Rat der Stadt, die ehrsame Bürgerstochter und Jungfrau Johanna Burkatin zu ehelichen. Diesem Antrag stimmt der Stadtrat zu, lehnt aber noch ganz im Zunftdenken verhaftet - Herder hat keine Buchdruckerlehre absolviert - sein Gesuch, eine eigene Druckerei einzurichten, ab.

Da hatte der 26-Jährige vom Krämergeist seiner Vaterstadt genug und schickt im Jahre 1800 dem Konstanzer Fürstbischof, dem Reichsfreiherrn Karl Theodor von Dalberg ein Memoire: Wie durch den Buchhandel am einflußreichsten auf die Bildung der Geistlichen und das Schulwesen eingewirkt werden könne. Herder strebt an, Liebe zur Literatur unter dem Klerus zu verbreiten und gute Schriften unter das Volk zu bringen.

Von Dalberg seinerseits möchte die Bildung der Geistlichen verbessern, um der moralischen Verwilderung ebenso wie der einseitigen und eben darum gefährlichen Verstandeskultur auf eine wirksame Weise entgegenzuarbeiten. Gleichzeitig soll der Klerus befähigt werden, leichter und zufrieden die Last der Beschwernisse zu tragen, welche von dem Berufe und Amte des Geistlichen unzertrennlich.

So kommt Herders Eingabe im rechten Moment, ja von Dalberg ist so beeindruckt, dass er auf deren Rand notiert, anstatt eines Hofbuchführers in dem Seminarium selbsten eine Buchdrukerey und Verlag … als eine Quelle zwekmäsiger Einnahmen zu errichteten. So bestellt er im November 1801 den jungen Herder in seine Meersburger Residenz als Hofbuchhändler, dahier eine Buchdruckerei anzulegen und den Bücherhandel damit zu verbinden. Als Herausgeber am fürstbischöflichen Hof sind die ersten Veröffentlichungen des Herder Verlages naturgemäß religiöser Natur wie etwa Wessenberg's Archiv für pastorale Conferenzen in den Landkapiteln des Bisthums Constanz, welches in monatlichen Heften von 1802 bis 1827 erscheint

Es ist eine turbulente Zeit. Napoleon hatte 1800 mit seinem Sieg bei Marengo die Habsburger aus Oberitalien gedrängt und im Frieden zu Lunéville alle linksrheinischen deutschen Territorien Frankreich einverleibt. Zur Frage der anstehenden Entschädigung der westlich des Rheins depossedierten deutschen Fürsten lässt von Dalberg, seit 1802 Fürstbischof in Mainz, bei Herder anonym eine Flugschrift drucken, doch das Papier ist Makulatur, bevor es erscheint. Im Reichsdeputationshauptschluss von 1803 wird im Zuge der Säkularisation das Erzbistum Mainz aufgelöst und die Residenz Meersburg fällt zusammen mit den Ländern des Hochstifts Konstanz an die Markgrafschaft Baden. Damit verliert Herder den wesentlichen Teil seiner Lebensgrundlage.

Im Jahre 1808 siedelt Herder nach Freiburg über, welches 1805 nach der vernichtenden Niederlage Österreichs bei Austerlitz im 3. Koalitionskrieg als habsburgischer Besitz zusammen mit dem Breisgau an das inzwischen zum Großherzogtum beförderte Baden gekommen war. In Freiburg gibt es damals bereits die privilegierte städtische Buchhandlung Wagner, doch die Universität ist an einem Verlag für die Bedürfnisse der höheren Studien interessiert. In der Großherzoglichen Genehmigung für die Niederlassung Herders in Freiburg als akademischer Buchhändler ist demgemäß auf die Ausübung des Buchdruckereigewerbes und den Verkauf der Normal- und Trivialschulbücher zu verzichten. Für Herder jedoch sind Verlag, Druck und Buchhandel unzertrennbar und so mietet er für 200 Rheinische Gulden Jahrespacht die Buch- und Kupferdruckerei der Universität, die aus St. Blasien stammt und die der Großherzog nach der Aufhebung des Klosters der Freiburger Hochschule überlassen hatte.

Herder baut seinen Verlag zügig aus, indem er neben religiösen Schriften in der neuen Umgebung der Universität vor allem geschichtliche Werke herausbringt. So erscheint 1810 J. A. Mertens Geschichte der Deutschen von der ältesten Zeit bis zum Jahre 1800 und 1811 das vierbändige Werk von J. G. von Pahl Herda, welches Erzählungen und Gemälde aus der deutschen Vorzeit für Freunde der vaterländischen Geschichte enthält

In der napoleonischen Zeit stehen Buchhändler bei den gehobenen Bürgerschichten in hohem Ansehen, denn bei ihnen kann man die raren und teuren Bücher und Zeitschriften einsehen. Eine weit angenehmere Möglichkeit der Lektüre bieten jedoch die so genannten Lesegesellschaften, die, um den Bildungshunger der Bürger zu befriedigen, zur gleichen Zeit überall in deutschen Landen entstehen. Als Herder nach Freiburg kommt, hatten dort im Jahr zuvor der badische Hofkommissar Karl Wilhelm Ludwig Friedrich Drais Freiherr von Sauerbronn, der Dichter Johann Georg Jacobi und der Staatsrechtler Karl von Rotteck die Freiburger Lesegesellschaft gegründet. Diese wird von Herder kräftig unterstützt, indem er dort Neuerscheinungen zur Ansicht auslegt, um potentielle Käufer der Unannehmlichkeit zu überheben, entweder durch vielversprechende Titel oder durch parteiische Recensionen über den Werth der Bücher getäuscht zu werden.

Als Verleger erweitert Herder sein Sortiment ständig, wobei synergetische Effekte nicht ausbleiben, als er in den Jahren 1812 bis 1827 die 9-bändige Allgemeine Geschichte vom Anfang der historischen Kenntniss bis auf unsere Zeiten seines Freundes und Lesegesellschaftsmitglieds Karl von Rottecks veröffentlicht. Das Werk wird für eine ganze Generation des gebildeten und liberalen Bürgertums zum Evangelium und erlebt bis 1840 vierzehn Auflagen.

Im Jahre 1813 bekommt Herder im Hauptquartier der Alliierten den Auftrag, die Teutschen Blätter, wie selbe bis jetzt bei Herrn Brockhaus in Altenburg und Leipzig erschienen sind, ferner fortzusetzen, mit der Bedingung jedoch, daß selbe, wie bisher, der k.k. österreichischen Censur unterzustehen haben.. Als er in Begleitung Metternichs mit der Invasionsarmee gegen Napoleon als Direktor der königlich-kaiserlichen Feldpresse 1815 in Paris einzieht, gerät Herder mitten ins Zeitgeschehen. Bei den Friedensverhandlungen vor Ort und später beim Wiener Kongress übernimmt er auch diplomatische Aufgaben. Darüber vernachlässigt er seine unternehmerische Tätigkeit nicht und gründet in den beiden Hauptstädten Verlagsfirmen. Daneben erwirbt er 1817 die Hofdruckerei in Karlsruhe und damit den Verlag des Badischen Regierungsblattes.

Nach dem ersten Pariser Frieden begegnet Herder dem steigenden Bedarf im Druckgewerbe an Lithographen, Stahl- und Kupferstechern mit der Gründung eines Kunstinstituts in Freiburg. In einem Brief an das badische Innenministeriums rühmt sich der Verleger: Der aufmunternde Beifall des in- uns ausländischen Publikums, der dieses Unternehmen begünstigte, veranlaßte die Erweiterung meines Instituts, in welches ich geschickte Zeichner und Kupferstecher engagierte, und durch Aufnahme armer, aber fähiger Knaben aus verschiedenen Gegenden des Schwarzwaldes mir eigene Zögliche verschaffte, die ich in den erforderlichen Wissenschaften auf meine Kosten fortwährend unterrichten lasse.

In der Tat, zu einer Zeit, in der die soziale Not im Schwarzwald besonders groß ist, lässt Herder 15-und 16jährige junge Männer zu Zeichnern und Kupferstechern ausgebilden und gewährt ihnen dabei Kost und Logis. Mehr als 300 Schüler verlassen im Laufe der Jahre die Freiburger Schule. Auch Herder selbst profitiert von seiner Einrichtung, als er die Heiligen Schriften des Alten und Neuen Testamentes in je 100 biblischen Kupfern dargestellt in seiner neuen Verlagsfirma Herdersche Buch- und Kunsthandlung herausbringt. Zwischen 1825 und 1827 entsteht eine Systematische Bilder-Gallerie zur Allgemeinen deutschen Real-Encyclopädie mit rund 4.000 Abbildungen auf 226 lithographischen Tafeln. Diese Bilder-Gallerie stellt eine Ergänzung zu den bekannten damals noch unbebilderten Konversationslexika, dem Brockhaus und dem Meyer, dar und erlebt bis 1839 sechs Auflagen und eine Übersetzung ins Französische. Statt eines Konversationslexikon bringt der Verlag das Staatslexikon der Görres-Gesellschaft und ganz in der katholischen Tradition des Hauses Buchbergers Lexikon für Theologie und Kirche heraus. Das bekannte Herdersche Conversationslexikon in einer Edition ohne Illustrationen in fünf Bänden erscheint erst 1854 unter den Söhnen Herders.

Bei seinen Reisen nach Paris und Wien lernt Herder die hervorragenden Erzeugnisse der französischen Kartographie kennen, die mit zum Erfolg der napoleonischen Feldzüge beigetragen hatten. Er gliedert um 1820 dem Kulturinstituts eine Geographisch-topographische Abtheilung an mit der gigantischen Aufgabe, einen General-Atlas der ganzen Welt in 30 und einen Atlas Europas in 100 bis 204 Blättern im Maßstab 1:500 000 herauszubringen. Zur besseren Übersichtlichkeit der Karten - Ortsnamen und Straßen werden in rot gedruckt - wagt sich Herder an eine zweifarbige Lithographie. Die Investitionen und der Arbeitsaufwand des Projekts übersteigen die Möglichkeiten des Verlages und es kommt zu Verzögerungen bei der Auslieferung der Kartenblätter. Die Kosten des Unternehmens drohen aus dem Ruder zu laufen. Da erhält Herder in höchster Not einen Regierungsauftrag. Dieser umfasst im Zuge der Rheinregulierung von Basel bis Mannheim eine Rheingränzkarte in 19 Blättern im Maßstab 1:20000.

Doch die finanzielle Lage bleibt weiterhin gespannt. Herder hofft auf staatliche Unterstützung und schickt an beide Kammern des badischen Landtags Proben seiner Arbeit. So kommt es zu einer Empfehlung des Abgeordneten Karl von Rotteck mit dem allgemeinen Wunsch seiner Kollegen an die badische Regierung sie möchte vielleicht die dem Staate wohlthätigsten, die von irgendeinem Privatmanne in unseren Landen gegründet wurden, durch ihre eigene Unterstützung anerkennen. Zwar erhält Herder einen Orden und auf zwölf Jahre den Verlag des Staats- und Regierungsblattes zugesprochen, doch ein direkter finanzieller Zuschuss bleibt aus. Unter diesen Umständen stellen der endlich fertiggestellte Woerls Atlas von Central-Europa in 60 Blättern im Maßstab 1:500 000 sowie der ebenfalls von Professor Wörl gezeichnete Atlas von Südwestdeutschland mit 48 Blättern eine große Leistung dar. Noch in den Kriegen von 1859, 1864, 1866 und 1817/71 müssen diese genauen Karten eine große Hilfe gewesen sein, denn es werden ausgeliefert im April 1871 im ganzen über 200000 Blatt von Frankreich und mehr als 400000 Stück des Plans von Paris.

Beim Tode Bartholomäus Herders im Jahre 1839 zeichnet sich der Verlag durch ein breit gefächertes Programm aus, welches weit über die ursprünglich religiöse Zielrichtung hinausgeht. Herder Grab und das seiner Frau Jeannette befinden sich in Freiburg auf dem Alten Friedhof. Die Söhne Karl Rafael und Benjamin führten und deren Nachkommen führen die Arbeit des Gründers bis heute fort.

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