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Barsortiment
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Barsortimente (der Name geht auf die Gepflogenheit zurück, Buchbögen bzw. Bücher an Buchhändler ursprünglich nur gegen Barzahlung abzugeben) beliefern die vertraglich an sie gebundenen Buch(einzel)händler, genannt Kommittenten, auf eigene Rechnung und in eigenem Namen. Sie erhalten von den Verlagen einen Grosso-Rabatt und verkaufen an die Buchhändler zum üblichen Buchhandelsrabatt und erzielen so ihre Handelsspanne. Die Differenz zwischen dem Einkaufs- und dem Buchhandelsrabatt wird auch als Funktionsrabatt bezeichnet.
Die großen Barsortimente halten etwa ein Drittel aller lieferbaren Buchtitel vorrätig.[1] und ergänzen ihr Angebot mit fremdsprachigen Titel, Musik-CDs, Hörbüchern, Software, Spiele usw. Aufnahmekriterium ist die tatsächliche oder mutmaßliche, von Computern errechnete Verkäuflichkeit der einzelnen Titel. Die Bestellmengen je Titel ermitteln sich computergestützt aufgrund je Tag, Woche, Monat, Jahr und Vorjahren rückgespeicherter Absatzmengen; bei neu erscheinenden Titeln werden individuell Trends, Verlagswerbekampagnen, Buchbesprechungen und vorliegende Vormerkungsmengen (bestellte, aber noch nicht lieferbare, zur (Nach-)Lieferung nach (Wieder-)Erscheinen notierte Mengen) etc. berücksichtigt. Die Barsortimente unterhalten eigene Lagerhallen, in deren Hochregalen der Bestand computergesteuert in real-time verwaltet und bearbeitet wird. Bücherwagendienste mit eigenen Fahrzeugen oder beauftragten Fremdspediteuren bringen die bestellten Bücher im sogenannten Nachtsprungverfahren in die Buchhandlungen in der Bundesrepublik Deutschland, der Schweiz und Österreich. Die Grobverteilung erfolgt mit großen LKW zu zentralen Umladestellen, von dort aus geht es in kleineren Fahrzeugen weiter. Buchbestellungen aus dem Ausland wickeln in den Unternehmen integrierte Exportabteilungen ab, in der Regel per Post, Spedition oder Paket-Schnelldienst. Der Bucheinzelhandel wird durch dieses Vertriebssystem i.d.R. innerhalb von 24 Stunden beliefert. Somit sind die Barsortimente der Garant für ein sehr breites, bestellbares Sortiment in jeder deutschen Buchhandlung.
Die beiden größten deutschen Grossisten (Libri, KNV) führen als Hilfsmittel für den Buchhändler vollständige, elektronische Lagerkataloge ihrer lieferbaren Bücher, mit Auskunft über evtl. Lieferhindernisse (Meldenummern). Für die von den anderen Barsortimenten geführten Titel ist das Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) ein bibliographisches Hilfsmittel. Es weist alle zur Zeit in Deutschland lieferbaren Bücher nach. Die von den Barsortimenten geführten Titel werden entsprechend gekennzeichnet (gesigelt). Der Datenbestand stützt sich allerdings auf die (kostenpflichtige) Titelmeldung der Verlage - ist also nicht immer „up to date“. Besonders kleine Verlage und sog. Selbstverlage wissen nicht recht um das VLB oder scheuen die Kosten.
Die Nutzung des Barsortiments lohnt sich für den Einzelhändler besonders für die Bestellung von Einzelexemplaren vieler verschiedener Verlage, zumal aber für das Besorgungsgeschäft, also die gezielte Bestellung von Titeln für den Endkunden. Für alle Sortimente stellt das Barsortiment mit seinem effizienten und schnellen Bücherwagendienst auch eine Art verlängertes Außenlager dar. Sowohl kleinere als auch größere Buchhandlungen nutzen das Angebot der Barsortimente, sowohl für Kunden- als auch für Lagerbestellungen. Durch ein Angebot zahlreicher Serviceleistungen versuchen die Barsortimente, auch Großkunden zu häufigeren Bestellungen zu bewegen. Zu diesen Serviceleistungen gehört z.B. die regalfertige Lieferung mit individuellen Angaben (z.B. Abteilung, Warengruppe, Lieferscheinnummer und -Datum) auf etikettierten Büchern.
Das Verhältnis der Verlage zu den Barsortimenten wird häufig als gespannt bezeichnet, da der Verlag Bestellungen über das Barsortiment als eine finanzielle Einbuße betrachtet: obwohl eine eigene Abwicklung kostenintensiv zu Buche schlüge, während die Bestellbündelung der Barsortimente kostengünstiger ist. Bisher war problematisch, dass durch den Verkauf über die Barsortimente der individuelle Absatz (z.B. bei Exportverkäufen) nicht nachvollziehbar war und somit nicht in die verlagsinterne Diskussion über die Auflagenhöhe und das (Zielgruppen-)Marketing einfließen konnte. Die Barsortimente öffnen sich den Verlagen gegenüber aber für solche Auswertungen. Die Höhe des Funktionsrabatts, aus dem die Barsortimente u.a. ihre Dienstleistungen finanzieren, wird darüber hinaus in der Branche auch immer wieder diskutiert. Für viele kleinere Verlage sind die Barsortimente mit ihren Katalogen und Online-Informationen verkaufsfördernd, weil sie eine Chance für ihre Titel bieten, in den verbreitenden Buchhandel zu gelangen. Andererseits finden auch die konzernunabhängigen, kleinen Verlage, die Rabattpolitik der Barsortimenter „direkt existenzgefährdend“. Die Barsortimente erhöhen ihre Titelzahlen weiter, nehmen so auch eher Titel kleinerer Verlage ans Lager (und listen sie in den Katalogen) (KNV führt nun 450.000 Artikel ständig am Lager. [2]).
Zu den neueren Leistungen der Barsortimente gehören Warengruppenabonnements, sog. "Sorglospakete". Die Grundidee der Sorglospakete ist die Buchhändler bei Warengruppen zu unterstützen, die der Buchhändler nicht als seine Kernkompetenz einstuft. (z.B. ein allgemeiner Sortimenter den Bereich „Technik“, ein Fachbuchhändler den Bereich „Krimi“ oder Waren aus dem PBS-Bereich (Papier, Büro, Schreibwaren)) Ein Warengruppenpaket besteht aus einer Starterwanne und monatlichen Novitäten. Die Zusammenstellung der Titel erfolgt aus den Abverkaufszahlen der Barsortimente. Verkaufte Titel kann ein Sortimenter zu gleichen Konditionen nachbestellen. Vorteil der Warengruppenpakete für Buchhändler sind gute Konditionen, kein Risiko und wenig Aufwand. Kritiker der Warengruppenabonnements prophezeien, die Buchhandlungen würden ihr Profil verlieren und nur ein uniformes Angebot bereithalten.
Im Zuge der wachsenden E-Commerce und der Popularisierung des Internet seit Mitte der neunziger Jahre sind die großen Barsortimente auch als Bucheinzelhändler tätig: Während beispielsweise Libri.de direkt an den Endkunden liefert, liefert Buchkatalog.de, das Online-Portal der Koch, Neff und Volckmar GmbH, an eine (kooperiernde) Sortimentsbuchhandlung nach Wahl des Bestellers.
Das erste Barsortiment wurde 1852 von Louis Zander in Leipzig gegründet und vor allen durch den Kommissionär Carl Voerster durchgesetzt.
Die vom Verlag nur broschiert und in großen Partien gelieferten Exemplare wurden einheitlich maschinell gebunden und an den Bucheinzelhandel weiterverkauft Werbemittel waren sog. „Buchhandelszirkulare“, die sich bald zu umfangreichen Katalogen entwickelten.
Diese kapitalintensive Geschäft führte zu einer stetigen Konzentration, die mit dem Zusammenschluss der Firmen Volckmar-Staackmann-Koch-Cnobloch und
K. F. Koehler 1918 einen Höhepunkt erreichte. [3]
Weblinks
Geschichte KNV (Eigendarstellung)
Über Libri (Eigendarstellung) - Enthält eine Flash-Visualisierung des Arbeitsablaufs im Barsortiment
Geschichte Umbreit (Eigendarstellung)
Einzelnachweise
- ↑ Rautenberg, Ursula (Hrsg.): Reclams Sachlexikon des Buches. Stuttgart, 2003 Seite 50
- ↑ Börsenblatt Online: Chancen des Miteinanders (20.02.2006)
- ↑ Wittman, Reinhard: Geschichte des deutschen Buchhandels. München, 1999 2. Auflage Seite 262
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