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Banlieue

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Banlieue [bɑ̃ˈljø] (weiblich, französisch wörtlich Bannmeile, von lateinisch bannum leucae) ist ursprünglich der französische Ausdruck für einen Vorort. Historisch entstand die Bezeichnung für den Bereich von einer Meile um die Stadt, der noch der städtischen Gerichtsbarkeit unterstand.

Seit den 1970ern jedoch kennzeichnet er im deutschen Sprachraum vor allem die Randbereiche der großen französischen Städte, in denen sowohl der Anteil der Sozialwohnungen in Plattenbauweise als auch der Anteil der Immigranten vergleichsweise hoch ist. Diese Gebiete sind meist auch soziale Brennpunkte mit Problemen wie Arbeitslosigkeit und Drogenkonsum.

Die Hochhäuser entstanden in den 60er und 70er-Jahren, um billige Wohnmöglichkeiten (sog. Schlafstädte) für Arbeiter und Einwanderer in der Nähe der Industriezentren um Paris zu schaffen. Sie waren funktional und schmucklos, boten aber modernen Komfort. Die KPF hatte einst Wählerhochburgen in den Banlieues, heute werden eher die Sozialisten gewählt.

Die Banlieues gelten in der öffentlichen Meinung sowohl als Zentren der Klein- und Jugendkriminalität als auch als Ursprungsstätte des französischen Hip Hops.

Es existierten einige Maßnahmen der Regierung (Sozialarbeit) wie auch selbstorganisierte Initiativen wie die sog. großen Brüder oder Bärtigen (barbus), junge Islamisten, und den Jugendlichen in den Banlieues Sinn und Perspektiven vermitteln, um sie so etwa von Kriminalität abzuhalten. So entstehen islamische Parallelgesellschaften, die eingehend und mit wissenschaftlichen Methoden im Obin-Bericht beschrieben werden. Die konservative Partei UMP hatte allerdings nach ihrem Wahlsieg erhebliche Gelder für soziale Maßnahmen gestrichen. Innenminister Sarkozy ersetzte bürgernahe Polizei durch gepanzerte Eliteeinheiten (Law and Order). Die Bewohner klagten über ständige Kontrollen, alltäglichen Rassismus und mangelnde Perspektiven für die Jugend.

Die ohnehin angespannte Situation dort eskalierte bei den Unruhen in Frankreich 2005.

Siehe auch: Islam in Frankreich

Sozialkritik in Literatur, Musik und Film

  • Eine umfangreiche sozialkritische Studie wurde von einem Forscherteam um den Soziologen Pierre Bourdieu 1993 unter dem Titel La misère du monde (Das Elend der Welt) vorgelegt. Sie beinhaltet unter anderem 40 Interviews mit Bewohnern und Bewohnerinnen der Banlieues und war die Vorlage für Theaterstücke.
  • Die französische Romanautorin Viviane Forrester (auch: Viviane Forrestier) beschrieb bereits 1996 in ihrem preisgekrönten Buch Der Terror der Ökonomie die Situation der Jugendlichen in den verarmten Vorstädten so:
„Von diesen Verstoßenen, Beiseitegeschobenen, die in das soziale Nichts gestoßen werden, wird das Verhalten pflichtbewusster Bürger erwartet, denen ein staatsbürgerliches Leben mit Pflichten und Rechten versprochen ist. In Wahrheit wurde ihnen doch jede Möglichkeit, irgendeine Pflicht zu erfüllen genommen, und ihre bereits stark eingeschränkten Rechte werden mit Vergnügen verhöhnt. Welche Trauer, welche Enttäuschung bedeutet es, zu sehen, wie sie die Benimmregeln, den Anstandskodex derer verletzen, von denen sie abgeschoben, geduzt, beiseite gestoßen und, ohne lange zu fragen, verachtet werden! Wie betrüblich, dass sie die guten Manieren einer Gesellschaft, die auf so großzügige Weise ihren Abscheu gegen sie bekundet und ihnen dabei hilft, sich selbst als Außenseiter zu betrachten, nicht übernehmen! Wer nimmt hier wen nicht ernst?“
  • Der Film Hass, ein französisches Filmdrama von Mathieu Kassovitz aus dem Jahre 1995, zeigt das trostlose Leben in den Banlieues Frankreichs. Er behandelt das Leben dreier jugendlicher Protagonisten, deren Welt von Hip-Hop, Gewalt, Drogen und Auseinandersetzungen mit der Polizei beherrscht wird. Gleichfalls kritisch, in der Grundtendenz aber optimistischer ist der preisgekrönte französische Film Le thé au harem d'Archimède (dt. "Tee im Harem des Archimedes", ein gleichklingendes Wortspiel mit "Theorem des Archimedes") von Regisseur Mehdi Charef aus dem Jahr 1984.
  • Die französische Hip-Hop-Gruppe NTM machte bereits 1999 in ihrem Lied Police auf die bestehende Problematik aufmerksam:
Police: vos papiers, contrôle d'identité

Formule devenue classique à laquelle tu dois t'habituer. Seulement dans les quartiers Les condés de l'abus de pouvoir ont trop abusé. Aussi sachez que l'air est chargé d'électricité, Alors pas de respect, pas de pitié escomptée Vous aurez des regrets car: Jamais par la repression vous n'obtiendrez la paix, La paix de l'âme, le respect de l'homme. Mais cette notion d'humanité n'existe plus quand ils passent l'uniforme, Préférant au fond la forme, peur du hors norme.

Polizei: Ihre Papiere, Ausweiskontrolle,

Alltägliche Redewendung an die du dich gewöhnen musst, Nur in den Vorstadtvierteln Die Verurteilten des Machtmissbrauchs, Ihr müsst wissen, dass die Luft hier geladen ist, Kein Respekt, kein Erbarmen, Aber ihr werdet es bedauern, denn: Niemals werdet ihr durch Unterdrückung zum Frieden gelangen, dem Seelenfrieden, dem Respekt vor den Menschen. Eure Definition von Menschlichkeit existiert nicht mehr, wenn sie sich die Uniform überstreifen, Dem Inhalt ziehen sie das Formale vor, Angst vor dem Andersartigen.

In diesem Text spiegelt sich der Umstand wieder, dass Polizeikontrollen in den Banlieues von den dortigen Jugendlichen oft als Schikane und Diskriminierung aufgefasst wird, da den Bewohnern der "reichen" Vierteln nicht dieselbe polizeiliche Aufmerksamkeit zuteil werde. Tatsache ist aber, dass in solchen Vierteln die Anzahl Krimineller und illegal anwesenden Ausländern im Gegensatz zu anderen Wohngegenden ungleich viel höher ist und mehr Jugendliche Gangs angehören. Die Mitglieder der Gruppe NTM waren früher ebenfalls Mitglieder von Gangs und wurden im Rahmen ihrer künstlerischen Tätigkeit wegen des Aufrufs zu Gewalt verurteilt.
  • Banlieue 13 ist ein französischer Film aus dem Jahr 2004, der sich mit den Problem der wachsenden Kriminalität in den Vororten von Paris befaßt.

Weblinks

Wikipedia
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